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Landsberg/Waal

24.04.2018

Die Geschichte vom Brandner Kasper auf Allgäuerisch

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2 Bilder
Kasper (Helmut Greisl) und der Boandlkramer (Dietmar Ledel) sind die Hautpersonen in Waal. Die Passionsspielgemeinschaft bringt die Geschichte vom Brandner Kasper auf die Bühne - in Allgäuer Mundart.
Bild: Mathias Wild

Der Landsberger Stadttheaterchef Florian Werner bringt das Kultstück in Waal auf die Bühne. Das Stück weicht etwas vom sonst bekannten Stoff ab.

Wer würde dem Tod nicht gerne ein Schnippchen schlagen und den Zeitpunkt selbst bestimmen, wie in der „G’schicht vom Brandner Kasper“? Ursprünglich die literarische Figur aus einer Kurzgeschichte von Franz von Kobell aus dem Jahr 1871 wurde die Geschichte des Brandner Kaspers mehrfach fürs Theater adaptiert und verfilmt. Doch anders als in der 1975 von Kurt Wilhelm entstandenen Fassung hielt sich die Passionsspielgemeinschaft Waal mit ihrem Regisseur Florian Werner nicht nur dichter am Original, sondern übersetzte den Stoff zusätzlich aus dem ursprünglich oberbayerischen in den örtlich passenderen Allgäuer Dialekt.

Aus dem Boandlkramer wird der Boindlkramer

Schon vor Beginn der Premiere zeigten sich der bayerische Wirtschafsminister Franz Pschierer und der Landtagsabgeordnete Thomas Goppel in ihren Grußworten begeistert von dieser Idee. In freudiger Erwartung des Publikums, darunter viele Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, öffnete sich der Vorhang mit Einblick in die Stube der Brandners. Todkrank vertraut darin Kaspers Ehefrau (Lucia Kellner) in ihren letzten Zügen das Wohl ihres Ehemanns dem Pfarrer (Werner Demmler) an.

In großer Trauer, doch mit Fassung trägt Kasper (Helmut Greisl) seinen Verlust. Doch ein Jahr später wird ihm auf einmal „ganz koiz“ zumute, als er während eines Wettschießens mit dem Bürgermeister (Franz Barta) eine dunkle Gestalt wahrnimmt. Diese offenbart sich ihm später daheim als „Boindlkramer“ (Dietmar Ledel), bereit, ihn in die Ewigkeit abzuholen.

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Anstatt der Wilderergeschichte gibt es den Tiroler Krieg

Alles andere als bereit zeigt sich jedoch Sturkopf Kasper, der zu keiner der entgegenkommend angebotenen Jahreszeiten sein irdisches Dasein verlassen will. Listig verführt er die bleiche Gestalt zum Mittrinken und etliche Schnäpse später auch zu einer für den Tod fatalen Wette. Wer beim Kartenspiel den „Grasober“ in seinem Päckchen hat, gewinnt. Nicht ahnend, dass der Kasper besagte Karte vorher in seinem Ärmel verschwinden ließ, freut sich der Boindlkramer über sein größeres Päckchen Karten und die damit vermeintlich höhere Gewinnchance. Doch am Ende muss er einsehen, dass sich der Kasper mit dem falschen Spiel ein Leben bis zum 90. Geburtstag herausgeschunden hat. Und er selbst sich einem Problem gegenübersieht, das ihn sehr bald einholen wird.

Anders als in späteren Versionen der Erzählung gibt es in der Waaler Aufführung keine Wilderertragödie, sondern wie im Original von Franz von Kobell, zwei Söhne der Brandners (Benedikt Hornung, Rainer Popp), die in den Tiroler Kriegen gegen die Anhänger Andreas Hofer kämpfen. Diesen Stoff nahm auch Spielleiter Florian Werner zur Grundlage für die Nebenhandlung und die unerlaubte Liebschaft zwischen Toni Brandner (Benedikt Hornung) und Margret (Kathrin Völk), einer jungen Tirolerin.

80 Darsteller spielen mit

Nicht nur daraus ergibt sich eine interessante sprachliche Mixtur. Auch die Szenen im Himmel zeigen eine beeindruckende Vielfalt an schwäbischen, fränkischen und Allgäuer Dialekten. Sogar ein Preuße (Michael Klein) spielt darin eine zentrale Rolle. Regisseur Werner inszenierte dies lustvoll zugespitzt wie eine Mischung aus Bauernschwank und Jahrmarktrevue. Prall und derb vermitteln die Figuren darin zwischen Tragik und Komik einen augenzwinkernden Blick auf Leben und Tod. Helmut Greisl spielt den in die Jahre gekommenen Taktierer mit unbändiger Energie und verzweifelter Bitterkeit.

Sein Gegenspieler ist mit Dietmar Ledel großartig besetzt. Lustvoll agiert er grimassierend und mit wilden Verrenkungen als Tod und verlorene Seele, dem es „aufgesetzet ist“, seine Aufträge zu erfüllen. Die Inszenierung der Waaler Passionspielgemeinschaft geht in ihrer gelungenen Fassung weit über einfaches Lachtheater hinaus. Sie überzeugt in ihrer grotesken Handlung mit vielen witzigen Einfällen, dialektfarbigem Wortwitz, hintergründigen Anspielungen und hält mühelos über zweieinhalb Stunden die Spannung. Die zünftigen Musikeinlagen (Harmonie Waal, Leitung Dietmar Ledel), die Spielfreude der 80 Mitwirkenden, das zwischen Himmel und Erde wechselnde Bühnenbild (Jeanette Arndt) machen die Aufführung zu einem ganz besonderen Erlebnis, das in seiner Premiere vom Publikum begeistert gefeiert wurde.

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