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Prittriching

14.11.2017

Die Glocke, die nicht läutet

Schon von weither ist der neue Glockenturm auf dem Arial der Assisikapelle sichtbar und lädt zur Besinnung und zum Innehalten ein
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Schon von weither ist der neue Glockenturm auf dem Arial der Assisikapelle sichtbar und lädt zur Besinnung und zum Innehalten ein
Bild: Walter Herzog

Der Prittrichinger Franz Lanzinger hat das kleine Gotteshaus erweitert. Die Glocke kommt aus der Nachbargemeinde Weil.

„Aus Freude an meinem Handwerksberuf und aus Dankbarkeit für Gottes reichen Segen habe ich diese Kupferkapelle erbaut“, mit diesen Satz begleitet der Erbauer, Spenglermeister und Gas- und Wasserinstallateurmeister Franz Lanzinger, die Besucher der Assisikapelle. Dort, auf dem freien Feld zwischen Prittriching und Scheuring, sind Reisende, Radler und Wanderer zur Einkehr und Besinnung eingeladen. Jetzt ist das kleine Gotteshaus um eine Attraktion reicher.

Der Werkstoff hat ihn sein ganzes Berufsleben begleitet

Schon von weither sichtbar, grüßt nun seit einigen Wochen eine weitere Attraktion. Lanzinger hat das Ensemble der Assisikapelle um einem zwölf Meter hohen Glockenturm ergänzt. Und wieder, wie schon an der Kapelle selbst, hat der Erbauer mit Kupfer gearbeitet. Ein Werkstoff, der Lanzinger sein ganzes Berufsleben begleitet hat und mit dem er sich in seiner Kellerwerkstatt mit diversen kunsthandwerklichen Gegenständen widmet. Oben am Turm schwebt eine 850 Kilogramm schwere Glocke.

Diese hat noch bis Herbst vergangenen Jahres in der Pfarrkirche St. Benedikt in Beuerbach die Gläubigen zum Gottesdienst gerufen. „Wirklich läuten wird die Glocke selbst aber nicht“, sagt Lanzinger. Die Glocke ist also nur zur Zierde da. Vielmehr hat hier moderne Technik Einzug gehalten. Digitaltechnik heißt das Zauberwort. Denn der Klang wird künstlich erzeugt.

Die Glocke, die nicht läutet

Der erfahrene Handwerksmeister sieht das ganz pragmatisch. Und so liefern Solarzellen den notwendigen Strom, um die programmierten Glockenfolgen erklingen zu lassen.

Ein Gelübde hat er sich nicht auferlegt

Im Jahre 2006 wurde nach gut einjähriger Bauzeit die kupferne Assisikapelle eingeweiht. Deren spitzförmiger Turm, der Ursprung der Kapellenpläne, geht zurück bis in die 90er-Jahre, wie der Erbauer des Besinnungsraumes im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Damals wurde der Kupferturm als Ausstellungsstück des Spenglerhandwerks für die Landsberger Handwerksmesse HASPO konstruiert. Dann, als er für diese Zwecke nicht mehr genutzt wurde, fristete der Turm auf dem Prittrichinger Werksgelände gewissermaßen ein Schattendasein.

Erst, als dann die Frage einer weiteren Verwertung aufgeworfen wurde, reiften die Pläne für die ellipsenförmige Assisikapelle. Sowohl die Gegenstände im Innenraum als auch die komplette Architektur sind aus Kupfer hergestellt. Rund 1,8 Tonnen dieses hochwertigen Materials wurden dort verbaut.

Ob sich an der Kapelle noch etwas tut?

Neun Jahre später, 2015, hat der Handwerksmeister im südöstlichen Teil des Areals eine Kreuzigungsgruppe erschaffen. Seinen Kalvarienberg, wie Lanzinger diesen Bereich bezeichnet. Diese Gruppe ist selbstverständlich ebenso aus Kupfer gearbeitet, wie die ein Jahr später seinem Namenspatron, Franz von Assisi, gewidmete lebensgroße Figur. Diese steht, von einem offenen Kupferhäuschen beschirmt, im Südwesten des Areals. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth liegt neben den handwerklichen Arbeiten auch die Ausgestaltung und Pflege der Anlage ganz in Familienhand.

Der Mittsiebziger Franz Lanzinger, der sich als Handwerker mit Leib und Seele bezeichnet, hat sich mit der Kapellenanlage einen Herzenswunsch erfüllt. „Nicht aufgrund eines Gelübdes“, wie er betont, sondern „weil es mir Spaß macht, etwas zu schaffen und aus Dankbarkeit für ein gutes und erfolgreiches Leben.“ Die Frage, ob denn mit dem neu geschaffenen Glockenturm das Kapellenensemble nun vollendet sei, lässt Lanzinger mit einem vielsagenden Lächeln offen.

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