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Kreis Landsberg

28.08.2015

Die Hilfsbereitschaft hält an

Das Engagement der Ehrenamtlichen in Landsberg und im Landkreis für Flüchtlinge ist groß. Jost Handtrack, der Referent des Stadtrats für ausländische Mitbürger und Asylbewerber, spricht von einer „positiven Grundstimmung“.
Bild: Thorsten Jordan

Asyl: Viele engagieren sich. Einige stoßen an ihre Grenzen. Es gibt auch Kritik und Unmut, aber keine Angst vor Gewalt

 Es sind die Bilder dieser Tage. Brennende Sporthallen, Bürger, die Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Volksverräterin“ beschimpfen, und Flüchtlinge in überfüllten Unterkünften. Das Thema Asyl beschäftigt die Menschen – auch im Landkreis Landsberg. Zwischen Ammersee und Lech leben aktuell 880 Asylsuchende. Sie sind in einzelnen Wohnungen, Häusern, Wohncontainern und einer Sporthalle untergebracht. Ihre Betreuung koordiniert das Rote Kreuz, das von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt wird. Angst vor Gewalt gegenüber Flüchtlingen gibt es nicht. Und auch die Polizei sieht keine Anzeichen für eine „Sonderlage“.

Alfred Geyer ist der Leiter der Landsberger Polizeiinspektion. Seit dem Landkreis erstmals Asylsuchende zugeteilt wurden, steuern die Beamten auf Streife vermehrt die Unterkünfte an. Bleibe die Zeit dazu, dann werde auch mit den dortigen Betreuern gesprochen. Damit rechte Umtriebe nicht verborgen bleiben, halten die Landsberger regelmäßigen Kontakt zu den Kollegen in Fürstenfeldbruck. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nicht“, sagt Alfred Geyer. Wichtig seien auch Hinweise aus der Bevölkerung. Auch wenn die Beobachtung noch so nebensächlich erscheinen mag, könne sie für die Polizei wichtig sein.

Und wie beurteilt der Polizeichef die Stimmung im Landkreis? Er hat beobachtet, dass die Zahl der besorgten Hinweise und Schreiben mit der Zahl der Flüchtlinge steige. Immer häufiger würden sich Bürger bei der Polizei melden, weil sie Angst haben. Die sei aber meist unbegründet. Dass seine Kollegen immer häufiger an ihre Grenzen stoßen, habe nicht zwingend mit von Asylbewerbern begangenen Straftaten zu tun. Es sei viel mehr ein bürokratisches Problem. Immer öfter stellen Flüchtlinge in der Inspektion ihren Antrag auf Asyl. Die Beamten müssten dann Daten aufnehmen und recherchieren. Haben sie alles zusammen, werden die Asylsuchenden in die Erstaufnahmeeinrichtung nach München gefahren.

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Von dort, aus der Erstaufnahmeeinrichtung, werden dem Landkreis regelmäßig Flüchtlinge zugeteilt – 24 in einer Woche. Bis Ende des Jahres rechnet das Landratsamt daher mit über 1500 Asylbewerbern. Die Suche nach Unterkünften ist das eine, die Suche nach ehrenamtlichen Helfern das andere. Zuletzt hat das Rote Kreuz einen Aufruf für die Wohncontainer in der Iglinger Straße in Landsberg gestartet. Auf Initiative von Jost Handtrack, dem Referenten des Stadtrats für ausländische Mitbürger und Asylbewerber, verteilten Stadträte Infoflyer, in denen nicht nur informiert, sondern auch um ehrenamtliches Engagement geworben wurde.

Jost Handtrack macht in Landsberg eine „positive Grundstimmung“ aus. Die Rückmeldung auf den Flyer sei gut gewesen, lediglich zwei Bürger hätten Kritik geäußert. Johannes Moeske, Teamleiter Asylbetreuung beim Roten Kreuz, darf die Früchte der Aktion ernten. Es hätten sich einige Bürger gemeldet, die helfen wollen. Ganz allgemein gebe es zwar keinen Ansturm, ein Nachlassen des ehrenamtlichen Einsatzes sei aber nicht zu beobachten. Auch die Spendenbereitschaft der Bürger sei weiterhin hoch. Jene, die Asylsuchende betreuen, hätten eine anspruchsvolle und schwierige Aufgabe. Einzelnen werde die Arbeit zu viel. Erst diese Woche sei bei einem der regelmäßigen Treffen offen diskutiert worden. Kritische Fragen und Unmut gebe es auch. „Wichtig ist aber, dass wir miteinander reden“, sagt Moeske.

Beim Treffen der Ehrenamtliche dabei war Barbara Rösner, die neue Sachgebietsleiterin für Asylangelegenheiten im Landratsamt. Auch ihre Mitarbeiter stoßen mitunter an ihre Grenzen, wie Wolfgang Müller, der Pressesprecher des Landratamtes sagt. In dieser Woche waren sie an einer Sammelabschiebung beteiligt. Erstmals wurde, in Zusammenarbeit mit der Polizei in Landsberg und Dießen, sechs abgelehnte Asylbewerber in den Kosovo zurückgeschickt. Weitere Sammelabschiebungen von Personen, deren Chance als Asylbewerber anerkannt zu werden, nahezu aussichtslos ist, sind in den kommenden Wochen geplant.

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