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Ausstellung

06.04.2015

Die Juwelen der Modellbaukunst

Technik, Elektrik und vor allem das Gestalterische, Originalgetreue fasziniert die Modellbahnfreunde, nicht nur in Landsberg. Ins Sportzentrum brachten zum Beispiel die Modellbahnfreunde Buchloe diese Fußgängerüberführung mit.

In den Miniaturbahnen vereinen sich Vergangenheit und Zukunft. Nachwuchs, vor allem weiblicher, ist selten

Zu sehen gab es in der Tat winzig kleine Eisenbahnen in geöffneten Koffern. Aber auch riesige Anlagen, viele Meter groß, mit unzähligen Details wie Schrebergärten, wo jede einzelne millimetergroße Blume perfekt positioniert ist. Es gibt Spezialisten für originalgetreue Burg-Nachbauten, eine komplette Kirmes mit tausenden Leuchtdioden und passender Musik, Fans ungewöhnlicher Spurweiten, organisiert in Clubs, Märklin-Nostalgiker, Fiktives und Originalgetreues.

So also sah das Landsberger Bahnhofsareal kurz vor dem Ersten Weltkrieg aus: keine Bürgersteige, Schotter auf den Straßen, herrschaftliche Villen. Der Modelleisenbahnverein hat sich Pläne aus dem Verkehrsmuseum Nürnberg kommen lassen und aus der Stadtverwaltung. Denn die Vereinsjugend hatte entschieden, ein Modell aus der „Epoche Eins“ nachzubauen, aus der Zeit der Anfänge des Dampfeisenbahnbaus bis etwa zum Jahr 1920, die Zeit der Güterzüge. „Wir fahren königlich-bayrisch,“ erklärt Ludwig Oeller stolz. Er ist zweiter Vorsitzender der Landsberger Modelleisenbahner-Truppe. Die Modelle aus der Epoche Eins sind selten, so Oeller weiter, und dementsprechend teuer. Alleine die Lok habe 500 Euro gekostet. Hinter dem Bahnhof sitzt heute der 14-jährige Manuel am Computer und steuert alle Loks, die auf der gut acht Meter langen, einen Meter breiten Miniaturwelt fahren. Modelleisenbahnbauer sind akribisch. Alles muss detailgetreu und authentisch nachgebildet sein. Ludwig Oeller erzählt davon, wie schwierig es ist, vor allem die kleinen Fahrzeuge epochengerecht aufzutreiben. Wie viel Bäume kosten, wenn sie nicht Massenware aus der Fabrik sind. Allein das kleine Eckstück der Anlage, Oeller zeigt auf die Gärten hinter der Schindlervilla, ist bestimmt 1000 Euro wert. Die jahrelangen, unzähligen Arbeitsstunden der 45 Mitglieder natürlich nicht eingerechnet.

Weihnachten 1956 war es – Oeller weiß es noch genau, sieben Jahre alt war er – da bekam er von seinem Stiefvater die erste Eisenbahn geschenkt. Eine Leidenschaft begann. Das Technische, die Elektrik, das Löten, vor allem aber das Gestalterische, Kreative. Eine Eisenbahnanlage sei nie fertig, sonst wäre sie ja langweilig, es gibt immer etwas zu reparieren, zu erweitern, zu planen.

Den Modelleisenbahnverein gibt es seit 1967. Die Mitglieder treffen sich einmal wöchentlich in den drei alten Eisenbahnwaggons, die als Vereinsheim dienen, auf den stillgelegten Gleisen beim Landsberger Bahnhof. Seit der Entscheidung, die Modellbahnanlagen digital per Computer zu steuern, ist es auch mit der Akquise des jugendlichen Nachwuchses einfacher geworden. Die vier aktiven Jungs kümmern sich gerne um alles, was mit Computern zu tun hat. Und doch, Oeller betont es immer wieder, hätten sie gerne noch mehr Jugendliche dabei, gerne auch Mädchen.

Überhaupt die Frauen – viele sah man nicht. Hinter den Tischen waren vor allem ältere Männer im besten Pensionsalter. Vor den Tischen: Väter mit ihren kleinen Söhnen. Warum, das konnte keiner so genau erklären. Doch alle waren sich einig: Mehr Frauen in dieser Hobbywelt wären toll.

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