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Konzert

24.08.2020

Die Krise einen Moment vergessen

Alexandra Steiner und Axel Wolf laden zu einem Liederabend in den früheren Klosterhof in Landsberg ein. Corona macht die Vorführung erst möglich

Weltliche Musik an einem geistlichen Ort? Liebesleid beklagende anstelle frommer Lieder? Was sich im Säulenhof des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals zu einer harmonischen Sommer Soirée rundete, wäre zu John Dowlands und Claudio Monteverdis wie auch später zu Girolamo Frescobaldis oder Henry Purcells Zeiten kaum denkbar gewesen.

Und doch erwies sich der frühere Klosterhof aus heutiger Sicht als genau der richtige Ort für Alexandra Steiners und Axel Wolfs „Music for a While“, ein oft am Rande der Melancholie und großenteils am Übergang von der Renaissance zum Barock angesiedelter Liederabend.

Dass die Sopranistin in Landsberg gastierte, ist dem Coronavirus zu „verdanken“. Mit Absage der Bayreuther Festspiele war das Engagement der Sängerin geplatzt, und hatte auch der seit Jahren dort musizierende Franz Lichtenstern mit einem Mal Zeit, sein Ad-hoc-Projekt „Sommer Soirée“ aus der Taufe zu heben.

Uneigennütziger Gedanke hinter der fünf Konzerte umfassenden, spendenfinanzierten Reihe: Dem Publikum handverlesene Kammermusik in historisch orientierter Aufführungspraxis anzubieten so, wie auch seinen freiberuflich tätigen Kollegen wenigstens ein bezahltes Engagement nach bald fünfmonatiger Zwangspause.

Diese allerdings hörte man Alexandra Steiner nicht an. Konzentriert, mit gleich anhaltender Spannung und stimmlicher Intensität sang sie, einfühlsam begleitet von Axel Wolf, das knapp einstündige Programm mühelos durch. Selbst die kurzen Soloeinlagen des Lautenisten, darunter John Dowlands „The Frog Galliard“ mit einem anmutig tänzerischen Thema, das in dem melancholisch gefärbten Lied „Now, O Now I Needs Musst Part“ noch einmal wiederkehrte, schienen eher dramaturgischen Erwägungen zu folgen als der Notwendigkeit, der Sängerin eine Pause zu gönnen.

Abgesehen von Purcell und Benjamin Britten als einzigem – fast – zeitgenössischem Komponisten des Abends bewegten sich die zeitlich früher angesiedelten Lieder in einer fast durchweg mittleren Tonlage. Farbe und Abwechslung brachten hier mehr die unterschiedlichen Verzierungen und „Ornamente“, die Alexandra Steiner mit filigranem Ton und differenzierter Dynamik fein gestaltete.

Den elegischen Grundton des Konzerts behielten Alexandra Steiner und Axel Wolf in der Zugabe bei. Mit der in Corona-Zeiten entstandenen, romantischen Komposition „Galápagos“ des kolumbianischen Hornisten Dante Yenque folgte, so die Sängerin, der „sentimentale Moment des Abends“: Eine einfache, bezaubernde Melodie, geschrieben und freigegeben für alle Musiker, zum Zeichen der Verbundenheit und Gleichheit der Menschen überall auf der Welt.

Einer Ankündigung Franz Lichtensterns zufolge wird die Veranstaltungsreihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“ coronabedingt nicht in gewohnter Form in die nächste Saison gehen können, da die geltenden Abstandsregeln eine Belegung des Saals mit nur 18 Zuhörern erlauben.

Dass seine Ausflüge ins „unbekannte Landsberg mit dem für Veranstalter heute unentbehrlichen Utensil Meterstab“ mögliche Ausweichorte zutage fördern, bleibt zu hoffen.

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