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Landsberg

15.02.2018

Die Kunden „parken“ lieber ihr Geld

Bild: Julian Leitenstorfer

Die Sparkasse Landsberg-Dießen überschreitet mit zwei Milliarden Euro eine weitere Bilanz-Schallgrenze. Für das Geld von Privatkunden werden weiterhin keine Verwahrzinsen verlangt.

Für einen Prüfer der Bundesbank ist es schon beinahe „unspannend“, für die Geprüften ein Zeichen von Kontinuität und Stabilität. Und das ist in Zeichen von Niedrigzinsen und Bankendiskusionen nicht selbstverständlich, meint Sparkassen-Chef Thomas Krautwald, der mit seinen Vorstandskollegen Hans-Peter Träger und Roland Böck gestern erstmals eine Bilanzsumme von über zwei Milliarden Euro präsentierte.

„Mit Geld zugeschüttet“

Eigentlich ein Grund zufrieden zu sein – wenn die Zeiten andere wären, wenn nicht festverzinsliche Anlagen derzeit kaum gefragt wären, die Bank dadurch aber „mit Geld zugeschüttet wird“ und selbst zusehen muss, wie sie damit unter den gegeben Umständen umgehen soll. „Eigentlich sind wir die Getriebenen dieser Entwicklung“, umschreibt Direktor Thomas Krautwald diese Situation. Ein Problem: Die Steigerung der Bilanzsumme liege mit 7,4 Prozent deutlich über den Erwartungen, das Einlagengeschäft mit plus 6,2 Prozent oder einer Steigerung von 1,48 Milliarden auf 1,57 Milliarden um 3,2 Prozent über den eigenen Planungen.

Die Kunden „parken“ also derzeit weitgehend ihr Geld bei der Sparkasse, erklärt Hans-Peter Träger, was dazu führe, dass die täglich fälligen Anlagen inklusive der Bestände auf den Girokonten 83 Prozent des Gesamtbestandes an Einlagen ausmachen. Schon beinahe vernachlässigbar scheinen daher die festen Anlagen (0,96 Prozent), die langfristigen Sparverträge (15,8) und die Spareinlagen (0,05). Hans-Peter Träger: „Dieses Verhältnis, das weder die EZB noch die Bankenaufsicht so wollen, erhöht gleichzeitig die Einlagen-Entgeld-Problematik.“

Ein ungeschriebenes Gesetz

Allerdings betreffe dieser Verwahrzins, den die Sparkasse wie andere Banken ab einer festgelegten Größenordnung seit einiger Zeit erhebt, vornehmlich Großanleger wie Unternehmen oder in zunehmendem Maße Kommunen und nicht die Privatkunden. Und das soll so bleiben. Thomas Krautwald: „Das ist bei uns eigentlich ungeschriebenes Gesetz.“ Eine verlässliche Größe ist nach wie vor der Bausparsektor. 64,3 Millionen Euro vermittelte Bausparsumme, das sei ein solider Wert, mit dem die Banker trotz spürbarer Zurückhaltung der Kunden zufrieden sind. Roland Böck: „Gerade jetzt sollte man sich aber das niedrige Zinsniveau für künftige Investments in Immobilien sichern.“

Gut in der Region verankert seien die vier Makler der Sparkasse Landsberg-Dießen. So vermittelten sie im vergangenen Jahr 124 Objekte im Gesamtwert von 54,2 Millionen Euro. Die Sparkasse selbst erweitere kontinuierlich ihr Portfolio an eigenen Immobilien. So wurden 2017 zehn Wohnungen gekauft, ein Projekt in der Saarburgstraße mit 16 bis 20 Wohnungen hänge derzeit in einer Warteschleife der Bauverwaltung fest, was Thomas Krautwald sichtlich ärgert. „Wir könnten da schon sehr viel weiter sein.“

Ein attraktiver Arbeitgeber

Nach wie vor sei die Sparkasse ein attraktiver Arbeitgeber mit 342 aktiven Mitarbeitern, darunter 19 Auszubildenden. Vom Stammpersonal – 42 Prozent arbeiten in Teilzeit – hat fast die Hälfte eine weiterführende Ausbildung absolviert. Insgesamt, so Krautwald, ergaben sich im vergangenen Jahr 791 Schulungstage. Trotzdem sei es immer schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden, drei bis vier hochwertige Stellen im Haus seien zudem unbesetzt. Vor allem die Qualität der Bewerber macht den Direktoren Sorge. Mit der Fluktuation hin zum Ruhestand tue sich ein großes Problemfeld der Zukunft auf. Thomas Krautwald: „Die fehlen uns, da bekommen wir Stress.“

Verzögerung um zwei Monate

Nicht nur, aber auch aus diesem Grund setzt der Vorstandsvorsitzende auf die viel diskutierte Fusion mit den Sparkassen in Dachau und Fürstenfeldbruck. Dabei ergebe sich aktuell eine Verzögerung um zwei Monate, die in der Beauftragung neuer Gutachten begründet liege. Ende Februar, so kündigt Krautwald an, sollen dann die Träger der Sparkassen zum Entwurf des Fusionsvertrags informiert werden. Dort sind zum Beispiel Sondervereinbarungen festgehalten, die ein Überstimmen der Landsberger etwa bei angedachten Schließungen von Geschäftsstellen verhindern sollen.

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