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Jazz

01.12.2017

Die Kunst des Duos

Chris Gall (Klavier) und Bernhard Schimplesberger (Schlagzeug) im Stadttheater.
Bild: Julian Leitenstorfer

Romantiker und Abenteurer im Stadttheater

Die Kunst der musikalischen Zweisamkeit ist keine Erfindung der Neuzeit. Das erste ernstzunehmende Duo der Jazzgeschichte arrangierte Louis Armstrong, und das schon 1928: den „Weatherbird Rag“, interpretiert von Armstrong und dem Pianisten Earl Hines. Wohin die musikalische Entwicklung dieser Klein-Besetzung im Jazz führte, wurde im Landsberger Stadttheater hörbar. Denn hier waren gleich zwei Duos zu Gast, die ein vielfältiges Klang-Spektrum zum Ausdruck brachten.

Den ersten Teil bestritten Christian Elin und Maruan Sakas. Christian Elin spielt Saxofon und Bassklarinette, Maruan Sakas ist Pianist. Zusammen haben sie mit lyrischen Interaktionen bestens unterhalten. Die Instrumentalstimmen fanden eine berührende und gleichzeitig herausfordernde Sprache. Es war wie das empfindsame Werben um die andere Person. Differenzierte Balladen, die wie improvisierte Kammermusik den Raum erfüllten. Aber es gab auch groovende Momente, die der Musik Flügel verlieh, sodass sie intensiv zu strahlen begann. Natürlich steht die Klassik Pate, lassen sich Verweise zu Chopin und Strawinsky ausmachen. Es war die Magie berührender Stimmungen und die Seele öffnender Klanglandschaften. Die ästhetische Form hielt die Musik zusammen, öffnete ihr Tür und Ohr.

Schnitt. Denn nach den Romantikern nahmen mit Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger musikalische Abenteurer die Bühne in Besitz. Ein unglaublich erfrischendes und rhythmisch mitreißendes Konzept, das die beiden für ihre Tour zusammengestellt haben. Gall hat in seinen zurückliegenden pianistischen Studien sowohl die Klassik als auch die Altvorderen des Jazz geistig aufgesogen, spielerisch aber einen völlig eigenen Personalstil entwickelt, der stark rhythmisch geprägt ist und neben kraftvollen Improvisationen von melodischen Ideen lebt.

Schon vor Jahren standen Gall und Schimpelsberger gemeinsam auf der Bühne. Dann zog es den Schlagwerker nach Indien, wo er sich mit der Spielweise dortiger Perkussionisten beschäftigte, was ihm einen völlig neuen Zugang zu seinem Instrument erlaubte. Wenn heute Gall und Schimpelsberger musizieren, werden Grenzen niedergerissen, dann wechselt die Stimmung zwischen flüchtiger Improvisation und wuchtigem Groove. Darin finden Pianist und Schlagwerker zu einer Einheit, die ein neues musikalisches Ergebnis entstehen ließ, die ebenso bodenständig wie weltentrückt klang. Dieses Geflecht von Farben und Elementen, von Virtuosität und überraschenden Wendungen war ein helles Vergnügen. An diesem Abend regierte im Stadttheater das radikal Undogmatische – in der Kunst des Duos.

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