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Landsberg

09.08.2019

Die Landsberger Gefängnisstörche sind jetzt flügge

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3 Bilder
Die Störche auf dem ehemaligen Heizturm der JVA Landsberg
Bild: Renate Eggert

Plus Im Horst auf dem Heizturm der JVA Landsberg sind zwei Junge groß geworden. Was die Landsberger über den Zuzug sagen und wie groß die Chancen sind, dass Meister Adebar im Frühjahr wiederkommt.

Sie fliegen, die jungen Störche: Heuer haben die ersten Störche in Landsberg gebrütet und zwei Junge großgezogen, die nun ihre Schwingen ausbreiten. Und etwas tun können, was ihre nahen Mitbewohner nicht können: Einfach davonfliegen. Denn Mama und Papa Storch haben sich ausgerechnet die Justizvollzugsanstalt Landsberg als Platz für den Horstbau ausgesucht.

Das Nest thront auf einem nicht mehr genutzten Heizturm

Das Nest thront auf einem nicht mehr genutzten Heizturm des Gefängnisses, der eigentlich hätte abgerissen werden sollen, wie die Leiterin der Justizvollzugsanstalt Monika Groß dem Landsberger Tagblatt sagte. Denn der Turm sei sanierungsbedürftig. Jetzt will man sich die Sache mit dem Abriss noch einmal überlegen, denn wie Monika Groß weiß, suchen Störche nach ihrem Winteraufenthalt im Süden im Frühjahr ihre Horste wieder auf – vor allem wenn die Brut erfolgreich war. Eine Bedienstete der JVA postet in den sozialen Medien immer wieder Bilder der Störche und viele Landsberger nahmen und nehmen Anteil am Gedeihen der großen Vögel. Beispielsweise Renate Eggert: Sie wohnt einige Kilometer von der JVA entfernt, hat die Entwicklung der Störche aber von Anfang an mitverfolgt. Sie sei viel zu Fuß unterwegs und gehe nie ohne Kamera aus dem Haus. So hielt sie die Störche immer wieder auf ihren Fotos fest und teilte diese auch in den sozialen Medien. „Ich bin alles abgelaufen für einen guten Winkel zum Nest“, sagt sie. Doch auch wenn die Sicht auf die Vögel beschränkt ist, das charakteristische Klappern der Störche höre man immer.

Ein Anwohner beobachtet die neuen Nachbarn

Auch Anwohner Erwin Lankes wirft immer wieder einen Blick auf die neuen Nachbarn: Von seiner Wohnung sind es 300 bis 350 Meter Luftlinie zum Kamin der JVA. Mit bloßem Auge sind die Störche von seiner Dachterrasse aus gerade noch zu erkennen. „Ich habe es mir angewöhnt, die Störche jeden Tag mit dem Fernglas zu beobachten“, sagt der 80-Jährige. Ende März habe er die Vögel das erste Mal gesehen. Am Anfang seien es vier erwachsene Tiere gewesen, von denen sich zwei schließlich durchgesetzt hätten und auf dem Kamin ihr Nest bauten. Einige Wochen später habe er dann auch die zwei Jungen erkennen können – sobald diese alt genug waren, um zur Fütterung aufzustehen. Als es im Juli so heiß war, hätten die Eltern ihre Flügel ausgebreitet und so ihren Jungen Schatten gespendet. Mittlerweile können die Jungen schon selbst für Abkühlung sorgen: Sie sind seit Kurzem flügge.

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Ein Stück Natur mitten in Landsberg

Erwin Lankes wohnt seit elf Jahren in der Stadt. Davor hat er 32 Jahre auf einem großen Grundstück in einem kleinen Weiler mitten im Wald gelebt. „Besonders im Frühling vermisse ich die Natur in der Stadt schon ein wenig“, sagt er. Auch die Störche sind für ihn ein Stück Natur mitten in Landsberg. „Wäre schön, wenn sie nächstes Jahr wiederkommen würden“, sagt er.

Von Böllerschüssen aufgeschreckt

Bertold Jetschke kann von seiner Wohnung aus ebenfalls die Vögel beobachten. Jeder in der Umgebung freue sich, dass die Tiere in Landsberg einen Horst gebaut haben. Und so sind Meister Adebar und seine Familie auch ein Gesprächsthema in der Nachbarschaft, wie Jetschke bemerkt.

Zum Abschluss des Ruethenfests hätten vor allem Böllerschüsse vor dem Feuerwerk die Störche aufgeschreckt. Sie seien weggeflogen. „Wir haben uns Sorgen gemacht“, erzählt der 79-Jährige. Zum Glück seien die Störche am nächsten Tag zurückgekommen. Natürlich hat Bertold Jetschke auch beobachtet, wie die Jungen flügge wurden. „Es war toll, zu sehen, wie sie zusammengeblieben sind und aufeinander gewartet haben.“

Der Storchenbeobachter des Landesbunds für Vogelschutz, Wolfgang Bechtel, geht auch davon aus, dass die Landsberger Störche wiederkommen werden. „Wenn erfolgreich gebrütet wurde, sind die Chancen gut.“ Auch in Apfeldorf haben sich heuer erstmals Störche niedergelassen und sogar drei Junge großgezogen. Der Storchenexperte schätzt, dass die Landsberger Jungstörche noch zehn Tage bis drei Wochen hier sein werden und sich dann einem Trupp herumziehender Jungtiere anschließen werden. Die Elterntiere bleiben noch ein bisschen länger, bevor es entweder über die Ostroute, den Bosporus, oder die Westroute über Gibraltar nach Afrika geht.

Weniger Glück hatten heuer die Raistinger Störche: In den 15 besetzten Horsten haben nur acht Junge überlebt – Grund waren die Regenfälle Anfang Juni. In Fischen überlebten zwei junge Störche.

Wer jetzt rund um Raisting unterwegs ist, der kann junge und alte Störche beobachten, die in Gruppen über die Wiesen spazieren und nach Nahrung suchen. Und manchmal findet sich darunter ein besonderer Geselle, wie Bechtel erzählt: Ein Schwarzstorch. Dieser Verwandte des Weißstorchs ist sehr selten und sehr scheu.

Mehr zum Thema: Die meisten Storchenküken im Raum Landsberg sind tot Die Küken auf dem Kamin des Landsberger Gefängnis sind wohlauf

Der Kommentar zum Thema: Störche: Die Freude an den schönen Tieren

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