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20.07.2010

"Die Leute werden es mögen"

Landsberg Mitten in der Arbeit an der Musik zu einem 70-minütigen Vatikan-Film, den die BBC vor dem Papstbesuch in Großbritannien im September ausstrahlen wird, nahm sich Enjott Schneider Zeit für ein Interview mit dem LT. Sein "Landsberger Te Deum" wird als krönender Abschluss der "Nacht der Romantik" am kommenden Freitag in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt uraufgeführt.

Sie haben für die Landsberger "Nacht der Romantik" ein Auftragswerk für Chor und Orchester komponiert: das "Landsberger Te Deum". Was ist an dem Stück romantisch und was ist spezifisch "landsbergerisch" daran?

Enjott Schneider: "Romantisch" ist die Ausdrucksform des Expressiven - das "voll auf Gefühl gehen" - wie sie in der Neuen Musik derzeit nicht üblich ist, wie ich es mir aber als Filmkomponist einfach traue, egal ob Kollegen das als antiquiert empfinden. Die Leute werden es mögen! Landsbergerisch ist das gewisse Mittelalter-Renaissance-Flair durch die zusätzliche Verwendung von zwei Feldpfeifen und zwei Landskechttrommeln, auch durch die Verwendung des Tilman-Susato-Stücks, das beim Ruethenfest als Erkennungsmelodie bekannt ist. 2007 wurde beim Abschlussgottesdienst des Ruethenfests meine "Schwabenkindermesse" aufgeführt, da habe ich das miterlebt.

Sie sind einer der produktivsten und erfolgreichsten Komponisten für Film und Fernsehen, nicht nur in Deutschland, sondern auch international, wie man jüngst bei der "Filmmusik-Nacht" des BR erfahren konnte. Ursprünglich kommen Sie aber von der Kirchenmusik. Wie kam es denn zu dieser Wandlung?

"Die Leute werden es mögen"

Enjott Schneider: Kirchenmusik und Filmmusik sind nicht weit auseinander: Beide haben dienende Funktion, beide müssen Stimmungen auf den Punkt bringen oder Bewegungen (etwa Prozessionen) rhythmisch begleiten. Beide dürfen nicht zu komplex und abstrakt sein, sondern sollen sich dem Hörer möglichst beim ersten Erklingen voll mitteilen. Als ich 1979 nach München gezogen bin, fragte man mich nach "Filmmusik", ich griff neugierig zu und schon begann meine Karriere auch im Film.

Ärgert es Sie, wenn Sie angesichts Ihres ungemein vielfältigen Œuvres in die Schublade "Filmmusik" gesteckt werden?

Enjott Schneider: Früher hat es mich geärgert, immer nur als "Filmkomponist" abgestempelt zu werden. Heute weiß ich: Alle großen Klassik-Komponisten der internationalen Moderne wie Schostakowitsch, Prokofieff, Schnittke, Copland, Phil Glass oder Theodorakis haben auch für den Film geschrieben - und dadurch gelernt, Kunsthaftigkeit mit dem Erreichen von großem Publikum zu verbinden. Es gibt keinen anderen Komponisten in Deutschland, der über 500 Filmmusiken mit internationalen Preisen, aber auch sieben Opern, neun Orgelsinfonien, viele Orchester- und Kammermusikwerke geschrieben hat - darauf bin ich inzwischen stolz.

Wie bewältigen Sie eigentlich Ihr gewaltiges Arbeitspensum mit dieser Vielzahl an unterschiedlichen Kompositionsaufträgen?

Enjott Schneider: Mein Arbeitspensum umfasst ja nicht nur Komponieren, sondern auch die Professur an der Hochschule, Gremienarbeit und Bücherschreiben. Das Rezept ist ganz einfach: Frühmorgens aufstehen um 6 Uhr, nachts um 1 Uhr ins Bett gehen, kein Fernsehen schauen (was nur ablenkt und dumm macht) und vor allem: Sich konzentrieren können. Jede Arbeit mache ich mit 200 Prozent Begeisterung, dann ist sie ganz schnell und ohne Störungen getan.

Was verbirgt sich eigentlich hinter Ihrem ungewöhnlichen Namen Enjott - ein Künstlername vermutlich?

Enjott Schneider: Enjott war mal ein Künstlername, seit vielen Jahren ist er standesamtlich eingetragener Rufname, entstanden aus dem inzwischen gelöschten Geburtsnamen "Norbert Jürgen" als N.J. Ich hoffe, dass es in einigen Jahren viele Eltern gibt, die ihre Kinder auch auf Enjott taufen lassen.

Werden Sie selbst bei der Uraufführung des "Landsberger Te Deum" anwesend sein?

Enjott Schneider: Natürlich, ich freue mich darauf! Ich werde mir sogar schon die Proben am Tag zuvor anhören.

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