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Landkreis Landsberg

23.07.2018

Die Mähdrescher können anrücken

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Die diesjährige Erntepressefahrt führte nach Oberbergen auf den Hof von Hubert Sanktjohanser (rechts). Das Foto zeigt von links: CSU-Bundestagsabgeordneten Michael Kießling, Pflanzenbauberater Franz Wörle, BBV-Kreisobmann Johann Drexl und Michael Sanktjohanser.
Bild: Stephanie Millonig

Was das warme und trockene Frühjahr für die Ernte im Landkreis Landsberg bedeutet. Warum sich einige Landwirte an den Pranger gestellt fühlen.

Derzeit sind schon die ersten Mähdrescher im Landkreis unterwegs und die Bauern fahren auf Feldern mit besseren Böden durchschnittliche Ernten ein. Interessante Statistiken zur Entwicklung der Landwirtschaft und viele andere Infos gab es bei der Erntepressefahrt des Bauernverbandes. Sie führte auf den Hof von Hubert Sanktjohanser nach Oberbergen.

Bei der Veranstaltung, zu der sich einige Praktiker aus der Landwirtschaft eingefunden hatten, ging es auch um das Wechselspiel Bauer und Gesellschaft: Weniger Landwirte im Dorf beziehungsweise nur noch ausgesiedelt außerhalb des Ortes - das fördert die Distanz zwischen Landwirtschaft und restlicher Bevölkerung, so der Tenor. Der Vorsitzende des Maschinenrings, Christian Leis, erzählte von einer Imagekampagne zur kulinarischen Identität in Schulen. Er sei erschrocken gewesen über die Fragen und Antworten der immerhin bis zu 15 Jahre alten Schüler. Und Franz Wörle, Pflanzenbauberater aus Heinrichshofen, fügte an, dass er sogar schon gefragt worden sei, warum Stroh angebaut würde.

Auf der einen Seite ökologisch leben, auf der anderen über die harte Arbeit klagen

Auch wie die Landwirtschaft gesehen wird, macht vielen Bauern zu schaffen: Nur die Biobauern würden als die Guten gelten, klagte einer: „Wenn du mit der Pflanzenschutzspritze rausfährst, dann drehen sich die Leute schon um.“ Wenn es aber nur noch Biobauern gäbe, wäre der Krankheitsdruck auf den Feldern viel größer, führte ein anderer als Nachteil flächendeckender Biolandwirtschaft an. „Es kann nur im Gleichklang gehen“, sagte Drexl, der selber ökologisch anbaut.

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Der Biobauer aus Kaufering hatte ein amüsantes Erlebnis, das den Zwiespalt zwischen Wunsch der Verbraucher und Wirklichkeit zeige: Er bietet Sonnenäcker, das sind kleine Flächen für Selbstversorger, an. Die Bewirtschafter hatte er dazu angehalten, für ihn im Gegenzug vier Reihen Zuckerrüben zu hacken. Doch es gab schnell Klagen über die anstrengende Arbeit, wenn hier Unkraut händisch bekämpft werden muss.

Welche Rolle das Wetter dieses Jahr gespielt hat

Übergeordnet spielt das gesellschaftliche Klima eine Rolle, im Produktionsalltag ist das Wetter ein wichtiger Faktor: Der April sei sechs Grad wärmer gewesen als im Mittel der Jahre und der Mai drei Grad, erzählte Drexl. Bei kiesigen Böden ein Problem: So hat die Wintergerste laut Drexl in Hurlach mit teilweise nur 50 Doppelzentnern gedroschen, auf guten Böden sind es dagegen 70 bis 90 Doppelzentner. Wärmeliebenden Pflanzen wie der Sojabohne bekommt die derzeitige Witterung dagegen sehr gut und auch der Mais steht gut da, zumal es jetzt am Wochenende noch 40 Liter pro Quadratmeter geregnet hat, wie Drexl erzählte.

„Normal geht die Hauptgetreideernte erst Anfang August los“, erläuterte er, dass die Getreidefelder heuer früher dran sind. Auch Zuckerrüben und Kartoffeln stehen auf den Böden, die Wasser halten können, gut da und beim Grünland kam der Regen oft zur rechten Zeit – anders als in anderen Bundesländern, wo das Futter knapp wird.

Interessante Statistiken für den Landkreis Landsberg

Knappheit im Norden führt beim Getreide nicht unbedingt zu besseren Preisen im Süden, wie Wilhelm Brenner von der Mangmühle/Landhandel Asam dem LT erläuterte. „Der Preis richtet sich nach dem Weltmarkt und die Preisfindung ist noch im Gange.“ Die Anbaustruktur im Landkreis ist laut dem Leiter des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft, Günter Biermayer, eine „besonders schöne Mischung“: Rund 10.000 Hektar Ackerfläche stehen 16.000 Hektar Grünland gegenüber. Biermayer zeigte auf, was sich in den vergangenen fünf Jahren, wie verändert hat: Die Landwirtschaftsfläche ging insgesamt um 170 Hektar zurück. Beim Mais gab es einen Anstieg auf 105 Prozent. Die durchschnittliche Betriebsgröße sei um drei Hektar gestiegen.

Insgesamt gibt es heute 1067 Bauern im Landkreis, die Anzahl der Betriebe im Haupterwerb hat sich in fünf Jahren von 523 auf 484 reduziert, die der Biobetriebe ist von 104 auf 126 gestiegen. Diese bewirtschaften 15 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Landkreis. Milchviehbetriebe gibt es noch 360, die Anzahl der Milchkühe ging von 17.500 auf 16.600 zurück.

Ein unbedenklicher Pilz

Nach Statistik und Diskussion ging’s hinaus aufs Winterweizenfeld, das sich schon schwarz verfärbt, die Schwärzepilze beeinflussen aber die Qualität nicht. „Höchstens dass es mehr staubt bei der Ernte“, erklärte Wörle. Einige Meter weiter befindet sich das Versuchsfeld von Stefan Keller. Der junge Mann beschäftigt sich in seiner Meisterarbeit mit Eiweißfrüchten und kultiviert Ackerbohnen, Ackererbsen und Sojabohnen, die von den hohen Temperaturen profitieren.

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