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Dornstetten

17.01.2019

Die Nauendorfs verabschieden sich vom „Adler“ in Dornstetten

Das Ehepaar Peter Nauendorf und Gabriela Nauendorf-Graf hat das Gasthaus „Der Adler“ in Dornstetten 14 Jahre lang geführt. Mitte Februar gehen die beiden neue Wege. Ein Nachfolger wird noch gesucht.
Bild: Thorsten Jordan

Es ist eines der ältesten Wirtshäuser in der Region: „Der Adler“ in Dornstetten. Die Wirtsleute hören auf. Wie geht es mit der Traditionsgaststätte weiter?

Nach 14 Jahren werden Peter Nauendorf und seine Frau Gabriela Nauendorf-Graf Mitte Februar die Tür des 500 Jahre alten Wirtshauses „Der Adler“ in Dornstetten (Gemeinde Unterdießen) ein letztes Mal aufsperren. Am 17. Februar beginnt für das Pächter-Ehepaar ein neues Lebenskapitel. „Ich werde im Hotel Rid in Kaufering im Service arbeiten“, sagt Peter Nauendorf. Sein Herzblut und seine Leidenschaft gehören bis dahin aber dem historischen Wirtshaus, das 1517 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Wie es dort weiter geht, ist noch unklar.

„Das Wirtshaus-Sterben macht auch vor Dornstetten nicht halt und auch nicht vor den besten Wirtshäusern“, so Nauendorf. Als Grund für seine Entscheidung, die er vor rund einem halben Jahr getroffen habe, führt er an: „Es ist schlichtweg unmöglich geworden, gutes Service-Personal zu finden. Alleine kann ich mit meiner Frau den Betrieb samt Biergarten nicht stemmen.“ Seine beste Service-Kraft habe er verloren, weil diese ihrem Ehemann in den Kanton Bern in der Schweiz folgte. Seine zweite Kraft sei aufgrund eines Vollzeit-Jobs nicht mehr in der Lage, auch noch an den Wochenenden zu arbeiten. „Und die Schönste im Adler darf hier eigentlich gar nicht nebenher arbeiten, denn sie ist Lehrerin im Hauptberuf.“

Das Hauptproblem ist das fehlende Personal

Wenn Personal fehle, sei es einfach schwer, den „Adler“ zur Zufriedenheit aller weiterzuführen. Leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen, seinen Lebenstraum nach 14 Jahren zu begraben, sagt der 56-Jährige. Denn im Adler sei er gerne gewesen. Das Haus und der Biergarten hätten ihn schon bei der ersten Besichtigung vor 14 Jahren entzückt, erinnert sich Nauendorf zurück. „Drinnen habe ich dann zwar erst mal einen Schock bekommen, aber mein Entschluss, den Adler wieder auf Vordermann zu bringen, war gleich gefasst.“

Aufmerksam geworden auf das Wirtshaus in Dornstetten waren Nauendorf und seine Frau durch eine Anzeige in der Zeitung. „Ich war damals in Stöttwang bei Kaufbeuren und habe gelesen, dass ein Pächter gesucht wird.“ Jetzt wird wieder einer gesucht, der den „Adler“ weiter führt. „Bis jetzt war unter den Bewerbern aber noch nicht der Richtige dabei“, weiß Peter Nauendorf, der es sich nicht nehmen lässt, seine Nachfolger selbst unter die Lupe zu nehmen. Er gehe mit viel Trauer weg, gibt Peter Nauendorf zu. Aber dem neuen Lebensabschnitt könne er auch viel Gutes abgewinnen. „Jetzt kann ich meine Dauerkarte beim FC Bayern endlich selbst nutzen oder auch mal ins Theater oder die Oper gehen“, freut sich der Gastronom, der mit 15 Jahren seine Ausbildung zum Hotelfachmann im Bayerischen Hof in München absolvierte.

Die Geschichte des Wirtshauses ist genau dokumentiert

„1880 zählte Dornstetten 82 Einwohner, 20 Wohngebäude, sieben Pferde, 42 Stück Rindvieh und fünf Schweine. Gewerbe: 1 Wirth mit Bäckerei und ehemaliger Brauer- und Metzgerei, 1 Müller, 1 Krämer, 1 Schuhmacher, Näherinnen, 1 Rechenmacher, …“, so akkurat hat es der Ascher Lehrer Konrad Fürst einst in seinem Büchlein „Das Fuchstal im Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg des Königreichs Bayern“ dokumentiert. Das Wirtshaus „Der Adler“ in Dornstetten, dem der von Konrad Fürst erwähnte Wirt zuzuordnen ist, fand bereits im Jahr 1517 erste urkundliche Erwähnung.

In den 80er-Jahren wurde das Haus wieder umbenannt

Seit 1692 sind die Pächter des „Adler“ in der Dorfchronik nachgewiesen. Im Jahr 1950 ging das Gasthaus in den Besitz der Brauerei über. Diverse Pächter wechselten sich ab, bis im Jahr 1969 die Kunsthändlerfamilie Grimme das großzügige Areal erwarb. Grimmes Interesse galt ausschließlich dem Anwesen, doch an den Kauf war ein langjähriger Vertrag mit der Brauerei gebunden, der eine jährliche Abnahmemenge von 150 Hektolitern vorsah. Während des Tags arbeiteten die Grimmes als Kunsthändler und Restauratoren und am Abend banden sie sich den Wirtskittel um.

Im Jahr 1984 forderte die Doppelbelastung ihren Tribut und Wolfgang Grimme beschloss, aus der Gastronomie auszusteigen. Das Gasthaus wurde verpachtet, trug einige Jahre den Namen „Easyrider“, ehe es wieder in „Der Adler“ umbenannt und der Haus- und Gartenbereich in liebevoller Kleinstarbeit nach altem Vorbild renoviert wurden. Dann kamen Peter Nauendorf und seine Frau nach Dornstetten.

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