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Pähl

29.01.2021

Die Pähler Schlucht: Ein Ausflugs-Hotspot mit Risiken

Die Pähler Schlucht stellt auch im Winter eine beeindruckende Naturkulisse statt, etwa wenn sich bei Frost große Eiszapfen bilden.
Foto: Gerald Modlinger

Plus Die Schlucht des Burgleitenbachs in Pähl ist eine bekannte Sehenswürdigkeit im Fünf-Seen-Land. Aber sie birgt auch Gefahren für die Besucher, die immer zahlreicher dorthin strömen. Wie können die Probleme gelöst werden?

Steigt man in die Tiefen der wildromantischen Pähler Schlucht hinab, könnte man fast vergessen, sich im dicht besiedelten Großraum München zu befinden. Im Talgrund schlängelt sich der Burgleitenbach, steil ragen die Nagelfluhfelsen nach oben, umgestürzte Bäume liegen herum und am oberen Ende dieser Schlucht gibt es einen Wasserfall. Immer mehr Menschen haben sich zuletzt diese Naturkulisse angeschaut. Doch das birgt seit Jahren einiges Konfliktpotenzial in Pähl.

Nach einer Lösung der Interessenslagen von freier Zugänglichkeit der Natur, dem Status eines Naturschutzgebiets, der Verkehrssicherheit und den Belangen des privaten Grundstückseigentümers sieht es indes nicht aus. Immer wieder gibt es Schlagzeilen, weil Ausflügler die Straßen zuparken, Schluchtgänger sich abseits der Wege in Gefahr bringen und aus der im Notfall schwer zugänglichen Schlucht gerettet werden müssen.

Die Pähler Schlucht ist ein geologisch riskantes Gebiet

Die Pähler Schlucht ist in Privateigentum. Die Eigentümerfamilie hat sich jetzt zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Ihren Namen will sie jedoch nicht mehr in den Medien lesen. Denn 2014 hatte eine größere Holzernte wiederholt für Schlagzeilen gesorgt.

„Aktuell ist das Problem, dass die Menschenmassen nicht über Wege geleitet werden und überall herumtrampeln“, sagt die Mutter des Grundstückseigentümers. Der Aufenthalt in dem Geländeeinschnitt berge vor allem die Gefahr von Steinschlägen und Hangabbrüchen. Das Landesamt für Umwelt bewertet die Schlucht denn auch als „Georisk“-Gebiet, wo Geländerutschungen drohten. Die Nagelfluhfelsen seien wenig stabil – vor allem nach Regenfällen und beim Wechsel von Frost und Tauwetter, erklärt ihr Sohn. Daneben würden an den Steilhängen Bäume entwurzelt und fielen über die Wege. Besonders gefährlich sei es im oberen Teil bei den Überhängen am Wasserfall. Anfang Juni 2019 wurde dort ein fünfjähriger Bub teilweise von Sand und Geröll verschüttet, zum Glück blieb es bei Schürf- und Platzwunden. Eine von der Gemeinde errichtete Absperrung hätten Unbekannte nach wenigen Stunden wieder beseitigt. Im vergangenen Jahr, so die Schluchtbesitzer, sei acht Mal ein Hubschrauber notwendig gewesen, um verunglückte Personen aus der Schlucht zu holen, daneben habe es vier weitere Rettungsaktionen der Bergwacht gegeben.

Welche Regeln in der Pähler Schlucht gelten, ist anhand der Schilder am Weg eigentlich klar. Doch immer wieder gibt es Probleme und es passieren Unfälle.
Foto: Gerald Modlinger

Als „verantwortungslos“ bezeichnen sie es, dass der Gang durch die Schlucht in einschlägigen Internet-Portalen teilweise als „leichte Familienwanderung“ bezeichnet werde. Nachdrücklich fordern sie ein Besucherlenkungskonzept oder die Schlucht nur noch für Führungen zugänglich zu halten. Eine Sperrung im Frühjahr und nach starken Niederschlägen halten sie ebenso für notwendig. „Die Leute müssen an der Hand genommen werden, weil sie kein Gespür für die Gefahren haben“, sagt der Eigentümer. Zudem berichtet er über Vandalismus, zum Beispiel Sachschäden am Pumpenhaus in der Schlucht.

Bürgermeister Werner Grünbauer spricht von 40.000 Besuchern im Jahr

Bürgermeister Werner Grünbauer spricht von 40.000 Besuchern im Jahr. Die Gemeinde kommt ins Spiel, weil die Wege auf beiden Seiten des Burgleitenbachs bis zum Pumpenhaus öffentlich gewidmet sind. Der Weg bis zum Wasserfall wurde 2002 durch Hochwasser und Hangrutsche weitgehend zerstört, es gibt aber einen Trampelpfad. Gemeinde und Eigentümer kamen 2004 überein, den oberen Weg aufzulassen und nur einen Rundweg im unteren Teil zu erhalten.

Bürgermeister Werner Grünbauer ist nicht so glücklich mit dem Besucheransturm in der Pähler Schlucht.
Foto: Stephanie Millonig/Archiv

Laut einem Antrag der Gemeinde von 2014 sollte dann aber auch der obere Weg wiederhergestellt werden, berichtet die Regierung von Oberbayern. Sowohl das eine wie auch das andere wurde bislang nicht gemacht. Bürgermeister Grünbauer sagt, ohne förmlichen Bescheid der Regierung mache er da nichts, das wäre wie Fahren ohne Führerschein. Gleichwohl betont er nach wie vor: „Wir brauchen ein Konzept zur Besucherlenkung“, dabei gehe es auch darum, Schäden an der Natur zu vermeiden, aber ebenso eine Zufahrt für Rettungskräfte auf der Südseite zu schaffen. Wie es weitergehen soll, wisse er aber nicht, sagt Grünbauer, und verweist auf die Regierung.

Die Besucher der Schlucht sollten drei Punkte beachten

Seit Beginn der Corona-Pandemie hätten sich die Probleme verschärft, sagt Grünbauer: Er habe ja Verständnis für das Erholungsbedürfnis der Menschen aus der Stadt, aber sie mögen doch drei Dinge beachten: Sich im Hinblick auf die Gefahren in der Schlucht richtig auszustatten, keinen Müll zu hinterlassen und darauf zu achten, in Pähl nicht „kreuz und quer“ zu parken.

Die Regierung will sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Auf Nachfrage des LT ließ die Behörde wissen: Im oberen Teil der Schlucht sei naturschutzfachlich nicht zu beanstanden, den Pfad zu begehen. Zur Verkehrssicherung heißt es, laut Bundesnaturschutzgesetz erfolge das Betreten der freien Landschaft auf eigene Gefahr. Ein Wegebau im oberen Teil komme aber nicht in Betracht: „Die Sicherung gegen Naturgefahren wie Steinschlag, Astbruch und umstürzende Bäume würde in dem extrem steilen und schmalen und mit altem Wald bestandenen Bereich sehr weitgehende Maßnahmen erfordern, die (...) nicht mit den Anforderungen des Naturschutzrechts vereinbar wären.“ Der Schluchtbesitzer formuliert es so: Um einen verkehrssicheren Weg anzulegen, müssten praktisch alle Bäume gefällt und die Hänge mit Spritzbeton gesichert werden.

Der Wasserfall am oberen Ende der Schlucht ist das Ziel vieler Besucher, doch gerade der obere Teil stellt sich als gefährlich dar.
Foto: Stephanie Millonig/Archiv

Im unteren Schluchtteil könne die Gemeinde einfache Unterhaltsmaßnahmen durchführen und die Pfade ausbessern und von umgestürzten Bäumen freischneiden – das alles ohne Genehmigung, wie die Regierung betont. Ein ausgebauter Rundweg sei nach wie vor denkbar, allerdings: „Erforderlich wäre hierzu die Vorlage eines schlüssigen Konzepts, woraus sich ergibt, dass der Ausbau mit den Erfordernissen des Schutzgebiets im Einklang steht. Die Regierung hatte der Gemeinde Pähl diese rechtliche Beurteilung mehrfach mitgeteilt und die Gemeinde zu einer entsprechenden Anpassung des Antrags aufgefordert; dies ist bisher jedoch nicht erfolgt.“

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