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Dießen

27.11.2019

Die Perchten machen wieder Dießen unsicher

Die Perchten vom Bleibochpass aus Tirol kommen wieder nach Dießen.
Foto: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Plus Seit einigen Jahren kommen Tiroler Perchten nach Dießen. Mit wilden Masken, Feuer und Lärm tanzen sie am Wochenende wieder auf dem Untermüllerplatz.

„Heir bin i wieder mit dabei!“ Mathias Perthaler ist der Leiter und Trainer der Perchten, die seit geraumer Zeit aus den Tiroler Bergtälern in Dießen aus der Dunkelheit auftauchen. Mit Höllenlärm und akrobatischer Show kommen sie demnächst wieder in die Fischerei.

Mit Beginn der Dunkelheit werden die Perchten vom Bleibochpass am Samstag, 30. November, auf dem Untermüllerplatz erwartet. Mathias Perthaler hat sich im vergangenen Jahr zurückgezogen aus der Perchten-Szene, weil er seine Heimat bei Kufstein mit Rott im Landkreis Landsberg getauscht hat, wo er mit seiner Familie lebt. Aber die Tiroler Tradition war stärker. Für Perthaler ist das „Peaschtln laffa“ seit Generationen gelebtes Brauchtum. Schon als Kind ist er hineingewachsen in die Szene. Deshalb hat er heuer seine fünfjährige Tochter Mia auf einem Buckelkorb dabei. „Die isch ja verruckter als i“, lacht er und erzählt, dass sie bisher das Perchten-Dasein immer beobachtet hat und dieses Jahr das erste Mal mitlaufen darf.

Die Perchtenläufer müssen trainieren

Die Familien, berichtet Perthaler, gestalten ihre Gewänder selbst und schnitzen ihre Grusel-Masken ebenfalls in den langen Winterabenden in der warmen Stube, wo sie auch die schweren Mais-Kostüme herstellen. Die Perchten-Gruppen heißen „Pass“, die Truppe um Mathi sind die vom „Bleiboch Pass“ aus Langkampfen (Region Kufstein) und treten ab dem Nikolaustag bis über die Rauhnächte (nach Dreikönig) auf. Manchmal haben sie auch den Nikolaus und den Krampus dabei.

Mathias Perthaler trainiert seine Perchten, deshalb habe er das jüngste Wochenende auch wieder in Langkampfen verbracht, „weil d’ Burschn fit sei miassn“, verrät er. Das Training brauchen sie. Denn die Beweglichkeit in den schweren Gewändern und mit den Holzmasken auf dem Kopf bedarf regelmäßigen Trainings. Mathias Perthaler kommt heuer mit zwei „Hölldeifi“, einem „Glockinger“ und acht „Tamperern“. Er selbst mimt „d’Hex“ und eine zweite Hex haben sie auch noch im Schlepptau.

Die Verkleidung ist sehr schwer

Die Perchten vom Bleibochpass haben ihr überliefertes Programm, wozu auch die Ausstattung gehört: Die Tamperer tragen ein ausladendes Maisblätter-Outfit, das um die 80 bis 100 Kilogramm wiegt und in das selbst der stärkste Kerl nicht ohne Hilfe rein- und rauskommt. Kippt einer um oder fällt beim wilden Trommelschlagen auf die Nase, müssen ihn seine Spießgesellen wieder auf die Füße stellen.

Sehen Sie hier ein Video vom Perchtenlauf 2017 in Dießen:


Auch die Pelze und wilden Felle der Hölldeifi sind alle Handarbeit. Außerdem gebe es in Tirol noch spezielle Gerbereien, Maskenschnitzer und Hersteller von feuerfesten Textilien, die die große Nachfrage jener bedienen, die sich nicht selbst ausstatten können. Auch die Anreise des Bleibochpass ist spektakulär. Gefahren wird mit einem Traktor über den Zirler Berg, auf dem Anhänger sind alle wichtigen Utensilien, die die die Perchten für ihren Auftritt in Dießen brauchen.

Mit einem Trick wird den Kindern die Angst genommen

Bei Einbruch der Dämmerung tauchen sie in der Fischerei auf. Dann dürfen die Kinder erst mal die Perchten unmaskiert anschauen. Vor den Kindern setzen sie dann ihre Grusel-Masken auf. Eine gute Methode, denn dann begreifen die Kleinen, dass der laute wilde Auftritt ein Spiel ist und die Gruselmonster nicht echt sind. Dabei wird immer wieder die Frage laut, warum die wilde, verwegene Horde ausgerechnet nach Dießen kommt. Denn es gibt keine Archivalien, die das Perchtenlaufen am Ammersee belegen. Bekannt ist ein Hinweis aus einer Perchtenausstellung, dass 1582 eine „Frau Percht“ durch Dießen getrieben wurde.

Die Perchten vom Bleibochpass aus Tirol kommen wieder nach Dießen.
Foto: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Warum Mathias Perthaler das nächtliche Spektakel am Ammersee zeigt, ist ganz einfach: Er hat eine Dießenerin geheiratet und lebt jetzt mit seiner Familie in Rott. Das ist sein persönlicher Bezug. „Und i merk’, dass es de Leit gfallt, was wir machen.“

Es gibt viele Hintergründe zum Perchtenlaufen, einer davon ist das Geisteraustreiben, das sich je nach Region mit Geschichten, Magie und Mystik vermischt. Eine Perchten-Hochburg ist seit Jahrhunderten in Tirol und eine im Salzburger Land. (bb)

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