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Leeder

19.07.2019

Die „Rechtler“ und die Windräder

Vier Windräder stehen bereits im Wald bei Leeder. Unser Foto zeigt eines davon. Jetzt sollen drei weitere gebaut werden. Die Standorte liegen im Rechtlerwald, der von der Gemeinde bewirtschaftet wird.
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Vier Windräder stehen bereits im Wald bei Leeder. Unser Foto zeigt eines davon. Jetzt sollen drei weitere gebaut werden. Die Standorte liegen im Rechtlerwald, der von der Gemeinde bewirtschaftet wird.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

In Leeder sind bestimmte Hausbesitzer am Gewinn aus dem Gemeindewald beteiligt. Jetzt soll im sogenannten Rechtlerwald eine neue Windkraftanlage errichtet werden. Das sorgt für Diskussionen.

Es ist ein althergebrachtes Recht. Urkundlich erstmals erwähnt im Jahr 1669. Ein Recht, das in Leeder nur 103 Personen besitzen. Ein Recht auf Teile des Gemeindewalds, das auf einzelnen Anwesen im Ort liegt. Ein Recht, über das jetzt diskutiert wird. Denn die drei von der Gemeinde geplanten Windräder sollen im Rechtlerwald aufgestellt werden. Und das stößt auf Widerstand in Leeder. Die Diskussion hat die „Rechtler“ offenbar aufgerüttelt. Sie wollen sich jetzt zusammenschließen und ihre Interessen gemeinsam vertreten.

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Über 50 Personen aus Leeder haben jetzt im Hofgartenhaus beschlossen, eine Interessensvertretung der Rechtler zu gründen. Ein Vorstand – einstimmig gewählt wurden Angelika Gast, Manfred Frei, Dieter Kees und Manfred Wimmer – soll sich nun um das weitere Vorgehen und den Austausch mit der Gemeinde kümmern. Denn bislang waren die Rechtler nicht organisiert. „Das ist alles so vor sich hingedümpelt“, sagte Otto Prinzing bei der Versammlung. Der 68-Jährige ist Jagdvorstand und saß zwischen 1990 und 2002 im Gemeinderat. „Durch den geplanten Bau der Windräder wurde das Thema Rechtler aber wieder aktuell.“

Pro Jahr gibt es im Schnitt 160 Euro für jeden Rechtler

Otto Prinzing selbst ist kein Rechtler. In seiner Funktion als Jagdvorstand habe er sich aber zuletzt mit der Materie intensiv auseinandergesetzt. Neben der Rechtsaufsicht im Landratsamt habe sich im Auftrag der Jagdgenossenschaft auch ein Rechtsanwalt aus München damit beschäftigt. Auf 99 Hektar des Gemeindewalds haben die 103 Rechtler ein Nutzungsrecht. In Leeder bewirtschaftet allerdings die Gemeinde den Rechtlerwald und zahlt den Rechtlern im Zweijahresrhythmus 43 Prozent des jährlichen Gewinns aus. Wie Bürgermeister Erwin Karg auf Nachfrage unserer Zeitung sagt, waren das im Schnitt der vergangenen 20 Jahre pro Person rund 160 Euro im Jahr.

Die „Rechtler“ und die Windräder

Durch den geplanten Bau der Windräder stellt sich nun die Frage, ob sich das Nutzungsrecht auf das Holz beschränkt oder den Wald als Ganzen betrifft. Eine Nachfrage beim Landratsamt habe laut Erwin Karg ergeben, dass sich das Recht nur auf den Holznutzen beziehe. Sollte es zum Bau der drei Windräder kommen, seien die Rechtler daher nicht an den Stromerlösen beteiligt. Rund ein Hektar des Rechtlerwaldes sei vom Windradbau betroffen. Wie Prinzing im Hofgartenhaus sagte, geht der Anwalt aus München von einer größeren Fläche aus. Er sehe die Grenzen der Geringfügigkeit überschritten und teilt in einem Schreiben mit, dass das Genehmigungsverfahren für die Windräder eingestellt werden soll.

Ist das Recht eine Art frühzeitige Sozialabsicherung?

Für die Rechtler einsetzen möchte sich auch Manfred Frei. Der 56-Jährige, der Leiter der Kriminalpolizei in Fürstenfeldbruck ist, lebt seit acht Jahren in Leeder. Erst vor zwei Wochen habe er erfahren, dass auf seinem Haus ein Recht liegt. Er bezeichnet es als eine frühe Form der sozialen Absicherung. Sei in früheren Jahren ein Anwesen abgebrannt, hätten Rechtler Bauholz erhalten, um ein neues Haus zu errichten. Beim Zusammenschluss der Rechtler gehe es für ihn nicht ums Geld, schließlich könnten die Rechtler künftig mit den Erlösen auch gemeinnützig tätig werden.

Otto Prinzing hat den Erhalt des Waldes im Blick. Der Fichtenbestand im Rechtlerwald südlich von Leeder und westlich von Dienhausen zähle zu den besten in der Region. Pro Hektar würden in einem Jahr zehn Festmeter Holz nachwachsen. Seiner Meinung nach beschränkt sich das Recht aber nicht nur auf das Holz. In alten Schriftstücken werde auch Kies und Lehm aus dem Wald erwähnt.

85 Personen sind am Gewinn beteiligt

Wie geht es mit den Rechtlern weiter? Zunächst muss der Vorstand klären, wer Rechtler ist. Die Gemeinde zahlt den Gewinn aus dem Rechtlerwald derzeit laut Karg an 85 Personen aus. „Manch einer weiß gar nicht, dass er Rechte hat“, sagt Angelika Gast. Dann müssen die Voraussetzungen für die Gründung einer Interessensvertretung geschaffen werden. Und dann sind da noch die geplanten Windräder. „Sind Sie für den Windradstandort im Rechtlerwald?“ lautet eine Frage auf einem Blatt, das die Besucher im Hofgartenhaus ausfüllen durften und das der Vorstand nun auswerten wird.

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