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Landsberg

16.05.2015

„Die Retusche kannscht dir sparen ...“

Die österreichische Schauspielerin und Kabarettistin Nina Hartmann berichtet aus ihrer Model-Vergangenheit.
Bild: Julian Leitenstorfer

Nina Hartmann präsentiert „Gib dem Model Zucker“ im S'Maximilianeum

„Des daugt mir, dass i heit mit eich kommunizier’n kann.“ Denn eigentlich ist Nina Hartmann Model, vielmehr war sie es einst. Heute ist die in Tirol aufgewachsene Österreicherin Schauspielerin und Kabarettistin. Trotzdem wurde extra für sie im Foyer des Landsberger Stadttheaters ein Laufsteg aufgebaut, damit sie den Besuchern der jüngsten Veranstaltung von s’Maximilianeum möglichst stilecht aus ihrer Model-Vergangenheit berichten kann.

Räumt Nina Hartmann dabei mit Klischees auf? Nein, zumindest nicht mit den negativen, solche im Volk umhergeisternden Vorstellungen vom Leben eines Models tritt sie genüsslich breit. Der Alltag eines Models deckt sich natürlich nicht mit den eher romantischen Träumen 14-jähriger Mädels von riesigen Lofts, internationalen Catwalks und sündteuren Kleidern. Der Alltag spielt sich eher zwischen acht Model-WG-Bewohnerinnen und der Präsentation von Dirndlkleid, Gesundheitsschuh und Kaufhausmode ab. Und das alles in „Size Zero“ – die Größe zwickt sogar Models hin und wieder – dann schlägt die Stunde des Fotografen. „Du muasch’ mi retuschier’n“, fordert das Model, und der Fotograf „schneidet ein Stück Speckschwarte weg und schmeißt es in’ Papierkorb“.

Fehlt einem Model dann ein wenig Polster an anderer Stelle, „dann sucht er in seinem Papierkorb nach einem passenden Stück“. Überhaupt die Fotografen: Heiß ist Hartmanns Choreografie, wenn sie ein Fotoshooting nachahmt. Wie der Kameramann die Models auf Touren bringt, wie er sie ins Wasser treibt oder aufs Pferd, das hat Klasse.

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Ein richtiger Brüller und einer der Höhepunkte des Abends ist das nachgestellte „Rehearsal“, bei dem auch die beiden dafür ausgesuchten männlichen Besucher Peter und Bernhard – „zwamol B!“ – nach Kräften mitspielen. Ob „Käfer zertreten“ in Paris, Minimalismus in Mailand oder Ablenken von der scheußlichen Klamotte – die beiden lösen jede Aufgabe famos.

Was essen Models? Essen sie überhaupt? Nina Hartmann genehmigt tiefe Einblicke. Da gibt es die Feinschmeckerin: Sie bestellt ein ganzes Sortiment an Pizzen und verkostet sie – wie den Wein bei einer Weinprobe. Es wird Watte gegessen oder zwecks Sättigung das Essen angeschaut. „Bei den ganz dünnen Models reicht es auch, wenn das Essen sie anschaut.“ Hunger gibt es nicht, Wasser muss reichen. Das Wort Hunger überhaupt nur auszusprechen, grenzt an eine strafbare Handlung.

Bei denkenden Models, wie es Nina Hartmann offensichtlich ist oder vielmehr war, kommt bei all dem Irrsinn irgendwann doch die Einsicht. „Die Retusche kannscht dir sparen“, hört dann der verdutzte Fotograf, „i bin wia i bin, i bin einzigartig.“

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