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Herrsching

06.11.2017

Die Schätze der See-Geschichte

In einer Ausstellung im Haus der Bayerischen Landwirtschaft geht es um die Ammersee-Fischerei. In einer Vitrine ist eine Kopie der Zunftlade mit alten Dokumenten ausgestellt. Das Original ist sicher verwahrt.

Die Ammersee-Fischerei ist eine Zunft mit einer langen Tradition. Im Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching gibt es dazu jetzt eine Ausstellung.

Das Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching stellt seine Schätze zur Geschichte der Ammersee-Fischerei aus. Die Eröffnung der Ausstellung fand unter dem Motto „Unsere Heimat – Der Ammersee und seine Fischer“ statt. Gunther Strobl, Leiter des Hauses, begrüßte als Referenten unter anderem Dr. Bernhard Ernst, den Vorsitzenden der Fischereigenossenschaft Ammersee aus Utting.

Früher war auf dem See viel los

Ernst will Fischerei am Ammersee auch als bedeutendes Kulturgut bewertet und erhalten wissen. Er stellte die Chronik der Fischer-Zunft vor. Der See sei nicht immer so stark für Freizeitgestaltung genutzt worden, sondern früher von vielen Familien, denen die Fischerei als Haupterwerbsquelle diente.

Zum ersten Mal werde die Ammersee-Fischerei 1150 urkundlich erwähnt, als die Grafen von Andechs das Dießener Fischwasser dem neugegründeten Kloster Dießen vermachten. Noch heute gibt es Fischerfamilien, die sich bis zu jener Zeit zurückverfolgen lassen: „Damals lebten über 300 Fischer hier, die als Lehnsnehmer beim Kloster angestellt waren und gegen Abgaben Fischerei ausführten“, berichtete Ernst. „Aber eigentlich durften alle fischen, es ging ziemlich eng zu. Heute ist man schon mit 20 Fischern ziemlich beengt.“

Viel Ärger unter den Fischern

Weil es damals viel Ärger unter den Fischern gegeben habe, sei 1691 die Zunft gegründet worden. In einer Holzlade, die in der Ausstellung in einer Kopie ausgestellt ist, wurde der Zunftbrief aufbewahrt. Mitglied konnten nur ausgebildete Fischer werden. Die Zunft errang nicht nur Bedeutung für die gewerbliche Fischerei, sie spielte auch eine gesellschaftliche Rolle etwa bei Messen, Beerdigungen und für die Fischerjugend.

Die Zunfttreffen folgten laut Ernst einem Ritual: „Die Versammlung fand vor der offenen Lade statt, die wichtige Dokumente enthielt. Sie endete, wenn sie wieder verschlossen wurde. Dann widmete man sich Speis und Trank.“ Es gab zwei Zunftmeister, die für zwei Jahre gewählt wurden, die Zunft nach außen und innen vertraten. Sie mussten aus Dießen sein.

 Jeder hatte einen Schlüssel zur Lade. Es konnte erst losgehen, wenn beide anwesend waren. Mit der Säkularisierung gingen 1803 die Fischereirechte an die Gemeinden über. Als sich Bayern 1805 unter Maximilian I. mit dem napoleonischen Frankreich verband, machten die Fischer Karriere und wurden Königliche Hoflieferanten. 1948 kamen durch die Bildung des deutschen Nationalstaates die Fischereirechte ans Rentenamt. Der Vorteil: Das Vorkaufsrecht des Königs fiel weg und sie mussten die Fische auch nicht mehr nach München bringen.

Fische und Krebse verschwanden

Die Verlegung der Ammer ab 1900 förderte die Besiedelung der Ufer – in der Folge verschwanden viele Fische und Krebse. „Diejenigen Fischerfamilien, die durchhielten, betreiben ihr Handwerk noch heute wie ihre Vorfahren, auch wenn hier und da anderes Material verwendet wird,“ so Ernst. „Und sie beachten das bewährte Prinzip der Nachhaltigkeit. Die kleinen Fische gehen zurück ins Wasser. Sie müssen mindestens einmal abgelaicht haben.“

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, sah in den aktuellen Herausforderungen starke Gemeinsamkeiten zwischen Fischerei und Landwirtschaft. Man könne nicht mit Massenware konkurrieren, es ginge für beide Bereiche um „Wertschöpfung durch Premiumprodukte“.

 Der Fachberater für Fischerei beim Bezirk, Tobias Ruff, betonte, dass das Fischwachstum von Klima, Nährstoffgehalt des Sees und auch der Anzahl der Kormorane abhängt, die man jedoch schon halbiert hätte. Die Wasserqualität sei besser geworden. Um mehr Absatz für die Fische zu erreichen, müsse man bei dem wachsenden Bio-Trend zum Beispiel erreichen, dass die Kunden den hiesigen Seefisch als Bio-Fisch erkennen.

Die Sache mit den Mädchen

In der Ausstellung sieht man neben der Zunftlade Werkzeug und Netze, Handwerksbücher und Rechnungen aus dem 18. Jahrhundert, Totenbücher mit Einträgen der verstorbenen Fischer sowie Strafprotokolle. „In acht von zehn Fällen drehte es sich bei den Delikten um die Liebe“, so Ernst. „Da steht zum Beispiel, ein junger Mann habe sich ‚leichtfertig vergangen’ oder es wurden ledige Mädels ‚imprägniert’ – so nannte man damals ‚geschwängert’. Der Schuldige musste dann anderthalb Pfund Wachs zahlen und das Madl heiraten. Die Ausstellung im Haus der Bayerischen Landwirtschaft ist noch bis Samstag, 2. Dezember, zu sehen. 

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