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Kinsau

22.10.2020

Die Schätze des Kinsauer Bürgermeisters Dollinger

Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger ist im Besitz von mehr als 1000 Postkarten aus seinem Heimatdorf und der unmittelbaren Umgebung.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Marco Dollinger sammelt historische Postkarten und Abzeichen mit lokalem Bezug. Wie Kinsaus Bürgermeister zu dem Hobby gekommen ist und was besonders wertvoll ist.

Die Gemeinde Kinsau, wie sie früher einmal war: Dafür interessiert sich Marco Dollinger nicht erst, seitdem er Bürgermeister ist. Privat sammelt er seit rund 20 Jahren Zeitzeugnisse aus seinem Heimatdorf. Neben Fotos und wertvollen Abzeichen besitzt er eine umfangreiche Sammlung an alten Postkarten. Und darüber hinaus noch einen ganz besonderen Schatz.

„Ich mach es aus Heimatverbundenheit, denn ich bin ein hundertprozentiger Kinsauer“, sagt Marco Dollinger. Wenn er neben Job, Bürgermeisteramt und Familie Zeit hat, stöbert er im Internet nach historischen Postkarten oder anderen Schätzen. Meist wird er bei Antiquariaten fündig. Hin und wieder bekommt er aber auch etwas von Leuten, bei denen zu Hause noch alte Postkarten oder Fotos herumliegen. Darüber freue sich Dollinger besonders: „Oft wären diese Sachen sonst nur im Altpapier gelandet.“

Dollinger interessiert „alles, was mit Kinsau zu tun hat“

Den Sammler interessiert „alles, was mit Kinsau zu tun hat“. Mehr als 1000 Postkarten aus seinem Dorf und der unmittelbaren Umgebung hat der 43-Jährige mittlerweile angesammelt. Ergänzt wird die Sammlung durch zahlreiche alte Schwarz-Weiß-Fotos – ein Großteil stammt aus den Nachlässen seiner Verwandten.

Auf den Ansichtskarten könne man sehr gut erkennen, wie Kinsau früher ausgesehen habe, erklärt Dollinger sein großes Interesse. „Unser Dorf hat vor 100 Jahren ganz anders ausgesehen als heute“, sagt er und zeigt eine Karte, auf der das Armenhaus noch abgebildet war. „Das Gebäude gibt es heute nicht mehr.“ Auf einer anderen Karte ist der Kinsauer Bahnhof zu sehen, der bereits vor mehreren Jahrzehnten stillgelegt wurde.

Längst Geschichte ist auch die Zahnradbahn in Kinsau, die sich auf vielen Abbildungen wieder findet, und einst vom Lech bis zum Bahnhof verlief. Man transportierte damit Holzstoffballen zum Bahnhof – von dort aus wurden die Ballen weiter mit dem Zug nach Schongau gebracht. Viele junge Leute wüssten heute gar nicht mehr, dass es in Kinsau damals eine Holzstofffabrik gab, sagt Dollinger. Der 43-Jährige ist im Besitz eines Belegschaftsfotos.

Auch alte Abzeichen gehören zur umfangreichen Sammlung des Kinsauer Bürgermeisters.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der kostbarste Schatz ist ein Heiligenzeichen

Was gab es früher in Kinsau sonst noch? „Einen Arbeiterverein“, sagt Sammler Marco Dollinger und zieht zwei seiner wertvollsten Stücke hervor: Ein Abzeichen des Vorstands des Arbeitervereins – und daneben ein „normales“ Mitgliedsabzeichen. Raritäten, auf die der Kinsauer Bürgermeister stolz ist. Auch ein altes Mitgliedsabzeichen des Kinsauer Veteranenvereins gehören zu seinen Sammlerstücken.

Der kostbarste Schatz in seiner Sammlung ist aber ein Heiligenzeichen: Dieses steht in Zusammenhang mit den Wallfahrten, welche die Menschen aus dem ganzen Umkreis früher in die örtliche Kirche unternommen hatten, um zur Muttergottes von Kinsau zu beten: Den Überlieferungen zufolge half diese in den vergangenen Jahrhunderten vielen Gläubigen, die sie in Notlagen um Hilfe gebeten hatten. Die Wallfahrten nach Kinsau begannen etwa 1708. Ein paar Jahre später musste in dem Dorf sogar eine größere Kirche gebaut werden, um die vielen Wallfahrer unterzubringen.

Das Heiligenbild zeigt auf einer Seite das Abbild der Muttergottes von Kinsau, auf der anderen Seite den Gegeißelten Heiland der berühmten Wieskirche bei Steingaden. „Das zeigt, welch große Bedeutung die Wallfahrt nach Kinsau im 18. Jahrhundert hatte“, betont Marco Dollinger. Das Heiligenbild hat der 43-Jährige in einem Antiquariat aufgespürt.

Das Heiligenbild mit dem Abbild der Muttergottes.
Bild: Julian Leitenstorfer

Früher wurden Bestellungen mit Postkarten aufgegeben

Der Glaube spielte für die Menschen damals eine große Rolle. Wichtig war ihnen aber auch das Interesse für ihre Familienmitglieder und Bekannten: Davon zeugen viele von Dollingers Postkarten. „Lasst wieder mal was von euch hören“, steht auf einigen geschrieben. Zur damaligen Zeit habe man ja nicht einfach mal schnell mit dem Handy anrufen können – die Leute hätten noch überhaupt kein Telefon gehabt, verweist er. „Es ist sehr interessant, was auf den Karten steht und was die Leute damals bewegt hat.“ Sogar Bestellungen seien mittels Postkarte aufgeben worden, erzählt Marco Dollinger und zeigt eine Ansichtskarte mit einem Großauftrag für eine Fleischlieferung.

Momentan ist die Sammelleidenschaft Marco Dollingers einziges Hobby. „Neben zwei Berufen und einer Tochter ist kein Platz mehr für ein weiteres aufwendiges Hobby“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister, der hauptberuflich als Soldat bei den Fallschirmjägern in Altenstadt beschäftigt ist.

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