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Fachtag

22.02.2018

Die Sprache und andere Konflikte

Um „Erziehung im Kontext unterschiedlicher Kulturen“ ging es bei der Veranstaltung im Landratsamt. Genaues Hinsehen ist gefragt

Wertungen und Klischeevorstellungen, Sprachbarrieren und unterschiedliche Lebensweisen – bei der Frage „Wie gelingt Erziehung im Kontext unterschiedlicher Kulturen?“ tauchen einige Stolpersteine auf. Doch es gibt auch Lösungsansätze. Das wurde rund 200 Zuhörern beim gleichnamigen Fachtag im Landratsamt klar.

Kultur – das sind Werte, Normen, Verhaltensweisen und Vorstellungen darüber, wie man mit Menschen und Dingen umgeht, erläuterte die Sprachwissenschaftlerin Dr. Christiane Hofbauer in ihrem Impulsreferat. Gerade bei den Werten gebe es „größere Unterschiede innerhalb als zwischen den Ländern“, so Hofbauer. Sie hingen vor allem mit der Lebenssituation und dem Einkommen zusammen.

Auf der einen Seite stehen laut Hofbauer Kinder, die man nach ihren Wünschen fragt, denen viel erklärt wird, die Konflikte offen austragen, denen Privatsphäre wichtig ist und bei denen vor allem die Kognition und die Bindung an eine Person gefördert wird.

Auf der anderen Seite stehen Jungen und Mädchen, die schon früh Verantwortung und Aufgaben übernehmen, Konflikte vermeiden, viel Nähe benötigen, vor allem motorisch gefördert werden und eine Bindung zu mehreren Personen eingehen. Was seltsam anmutet, mag in einer anderen Kultur zur ganz normalen Erziehung gehören und umgekehrt, mahnte Hofbauer zum wertfreien Umgang mit anderen Verhaltensweisen.

Ein weiteres Problem sei die vorschnelle Interpretation kindlichen Verhaltens aufgrund kultureller Unterschiede. Hier gelte es, genau hinzusehen, ob ein Verhalten in der Kultur, in der Persönlichkeit des Kindes oder nur in der Situation begründet ist. Um Klarheit zu schaffen, ist der Einsatz von Sprach- und Kulturvermittlern sinnvoll, meinten die Teilnehmer an einem der Workshops. Sie könnten Verständnis auf beiden Seiten wecken sowie Unsicherheiten abbauen helfen.

Zumeist gelinge die Zusammenarbeit mit Kindern und Eltern aus Flüchtlingsfamilien „erstaunlich gut“, meinten Vertreterinnen der Kindertagesstätten. Wie schwierig das Ankommen im neuen Land ist, vor allem wenn es Sprachbarrieren und Konflikte zwischen den Werten aus der alten und der neuen Heimat gibt, zeigten fünf Kurzfilme. „Interkulturelle Kompetenz“, meinte stellvertretender Landrat Peter Ditsch, gewinne im Alltag immer mehr an Bedeutung.

Er freute sich über die Veranstaltung und bedankte sich bei den Veranstaltern: Dem Arbeitskreis „Kinder- und Jugendschutz Landsberg“, vorgestellt von Helmut Nieberle, sowie der Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Landratsamt, Susann Schmid-Engelmann, und dem Programm „Willkommen bei Freunden“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, vertreten durch Esther Mankin. Schmid-Engelmann und Mankin hatten die Moderation des Fachtags übernommen, zu dem ein „Info-Walk“ gehörte.

Dabei stellten sich Einrichtungen aus den Bereichen Ämter, Gesundheit, Beratung (Teil-)stationäre Angebote, Bildung sowie Migration/Asyl vor. Die Workshops behandelten die Themen kultursensible Elternarbeit, unterschiedliche Kulturen im Schulalltag, leichte Sprache und Unterstützungsmöglichkeiten für traumatisierte Kinder und Jugendliche. (lt)

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