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Egling

10.08.2017

Die Suche nach dem Glück in der eigenen Heimat

Hans Roeder mit drei Studenten der Hawassa-Universität. Alle drei sind Vollweise und werden Dank der Förderung des Vereins AFH ihr Studium beenden können. 
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Hans Roeder mit drei Studenten der Hawassa-Universität. Alle drei sind Vollweise und werden Dank der Förderung des Vereins AFH ihr Studium beenden können. 
Bild: Roeder

Der Verein Hawassa aus Egling will Jugendlichen in Äthiopien eine gute Zukunft durch Bildung ermöglichen. Wie das in der Praxis funktioniert.

Die heute 24-jährige Bekele Digafe ist seit ihrem zweiten Lebensjahr in Folge einer Gehirnhautentzündung taubstumm. Hineingeboren in ärmliche Verhältnisse hat sie ihren Vater, der inzwischen gestorben ist, nie kennengelernt. Die Mutter ist selbst hilfsbedürftig und wohnt in einer entfernten Stadt. Eine aussichtlose Situation – in Äthiopien kein Einzelfall. Doch Bekele hatte Glück im Unglück. Sie wird von einem Verein in Egling unterstützt, der sich um die Ausbildungsförderung junger Menschen in Äthipien kümmert.

Glück hatte Bekele deshalb, weil sie als Kind in der sozialen Hilfseinrichtung FHL-FSA (Faith Hope Love Family Service Association) von Airi Tuomi aufgenommen wurde und dort mit vielen Kindern, alleinstehenden Frauen, Weisen und Alten wie in einer Ersatzfamilie aufgewachsen ist. Airi Tuomi ist eine Finnin, die sich in zweiter Generation um Hilfsbedürftige in der 400000 Einwohner-Stadt Hawassa in Süden Äthiopiens einsetzt.

Und dort ist der Eglinger Hans Roeder auf Bekele Digafe aufmerksam geworden. Seit 2015 unterstützt er Bekele. Dadurch konnte sie an der Universität Addis Abbeba ein Lehramtsstudium für Behinderte absolvieren und unterrichtet heute selbst Kinder in einer Taubstummenschule, wie Roeder berichtet. Hans Roeder, der als Ingenieur in der Automobilbranche arbeitete, habe über viele Jahre seine Kontakte nach Äthiopien gepflegt. Bei seinen Reisen in das afrikanische Land habe er die fremde Kultur, liebenswerte Menschen, aber auch viel Not, Leid und Elend kennengelernt, wie er sagt.

Die Suche nach dem Glück in der eigenen Heimat

Manchmal kommt es anders

Bei einer seiner Reisen lernte er Airi Tuomi kennen und ließ sich von ihrer Geschichte und der Hilfseinrichtung des Vereins FHLFS inspirieren. „Schon als junger Mann wollte ich in die Entwicklungshilfe“, so Roeder, „aber wie so oft im Leben ist zunächst alles anders gekommen“. Betroffen von den ärmlichen Verhältnissen, aber beseelt von der Erkenntnis, dass mit überschaubaren Mitteln viel Gutes getan werden kann, hat Roeder sich entschlossen, einen Verein zu gründen, um Jugendlichen aus Hawassa/Äthiopien eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

AFH, das für „Active For Humens“ steht, ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Egling, der in enger Kooperation mit FHLFS Jugendliche schulisch und beruflich so unterstützen will, dass ihnen in ihrer Heimat Äthiopien eine gute soziale und berufliche Zukunft ermöglicht werden kann.

Inzwischen fördert AFH 30 Jugendliche, veranstaltet Weiterbildungsseminare und Workshops und investiert in die Bibliothek des Kooperationspartners FHLFSA. „Umgerechnet neun Euro erhält von uns jeder Jugendliche monatlich“, so Roeder. Damit seien die Kosten für Unterrichtsmaterialien, Kopierkosten und sanitäre Artikel gedeckt. Roeder versichert, dass durch die Kontrollmechanismen vor Ort und in Äthiopien sichergestellt sei, dass das Geld aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bei den Jugendlichen ankommt.

Er ist mit Infovorträgen auf der Suche nach Sponsoren und neuen Mitgliedern. Für den Herbst bereitet er wieder eine Reise nach Äthiopien vor, um sich über die Wirksamkeit der Vereinsaktivitäten vor Ort zu vergewissern. „Zukunft braucht Bildung“, sagt Roeder und ist überzeugt, dass durch die Fördermittel vielen Jugendlichen aus Hawassa eine berufliche Perspektive ermöglicht wird. Und eine glückliche Zukunft in ihrer Heimat.

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