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Lengenfeld

09.07.2020

Die Umgehungsstraße für Lengenfeld kostet 18 Millionen Euro

An der Kreuzung zum Gewerbegebiet in Pürgen entsteht im Zuge des Baus der Umgehungsstraße für Lengenfeld ein Kreisverkehr. 
Bild: Thorsten Jordan

Plus Für die Umgehungsstraße östlich von Lengenfeld müssen rund 4,2 Hektar Wald weichen. Welchen Einfluss Fledermäuse auf das Projekt haben.

Bevor im Oktober mit der Rodung von rund 4,2 Hektar Wald entlang der geplanten Ortsumfahrung von Lengenfeld begonnen wird, stellte das Planungsbüro Steinbacher Consult aus Neusäß das Mammut-Projekt den neuen Pürgener Gemeinderäten noch einmal vor.

Rund 18 Millionen Euro wird das Bauprojekt, mit dem sich die Gemeinde Pürgen seit Jahren beschäftigt, laut Planung kosten. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist die rund 3,3 Kilometer lange Umgehungsstraße im Osten von Lengenfeld schon seit über 40 Jahren vorgesehen. Im Herbst 2019 hatte die Regierung von Oberbayern den Plan für die lang ersehnte Umfahrung genehmigt.

Von jetzt an soll es zügig vorangehen: Die Ausführungsplanung mit allen Details wie Hochwasser-Schutzmulde, Kollisionsschutzwänden für Fledermäuse und den Überführungen für die Landwirtschaft soll im November vorliegen. Im Januar 2021 sollen die Ausschreibungen beginnen und Mitte Mai 2021 könnte dem Zeitplan nach der erste Spatenstich erfolgen. Fertig sein soll die neue Umfahrung dann Ende 2023. Mit dem Bau der Umgehungsstraße soll der Pürgener Ortsteil Lengenfeld vor allem vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Denn täglich fahren rund 9000 Fahrzeuge durch den Ort.

Der Verkehr reduziert sich um bis zu 95 Prozent

Die neue Straße würde – so hat es ein Verkehrsgutachten ergeben – im südlichen Teil von Lengenfeld den Verkehr um bis zu 95 Prozent entlasten, im nördlichen Teil um bis zu 80 Prozent. Eine enorme Erleichterung vor allem für die Anwohner an der Staatsstraße 2057, die nach der Fertigstellung der neuen Staatsstraße zur Ortsverbindungsstraße heruntergestuft werden soll. So zumindest steht es in einer zwischen dem Freistaat Bayern und der Gemeinde 2016 geschlossenen Vereinbarung über die Straßenbaulast. Mit der Übergabe der „alten Staatsstraße“ an die Gemeinde Pürgen übernimmt der Freistaat dann die Zuständigkeit für die Umgehungsstraße. Diese Vereinbarung war im Übrigen eine der Voraussetzungen, dass Pürgen überhaupt ins Planfeststellungsverfahren gehen konnte.

Im Zuge des Straßenbaus wird auch der Hochwasserschutz für den Pürgener Ortsteil Lengenfeld verbessert. Dazu soll eine etwa drei Kilometer lange und zwischen acht und 25 Meter breite Mulde angelegt werden, in der bis zu 17 Kubikmeter Wasser in der Sekunde abgeleitet werden können. Die Mulde verläuft parallel zur neuen Straße und hat ein Rückhaltevolumen von rund 19.000 Kubikmetern. Damit würden 33 Haupt- und 43 Nebengebäude vor einer Überflutung im Falle eines „Jahrhunderthochwassers“ geschützt.

Für den notwendigen Grunderwerb für die Mulde liegen die Kosten bei circa einer halben Million Euro, hinzu kommen die Baukosten in Höhe von 3,37 Millionen Euro. Insgesamt schlägt der Hochwasserschutz also mit knapp vier Millionen Euro zu Buche. An Zuschüssen kann die Gemeinde mit etwa 50 Prozent der Baukosten rechnen. Weit höher fallen die Zuschüsse aus, die Bürgermeister Wilfried Lechler für den Bau der Umgehungsstraße selbst erwarten kann. Laut Planer Hubert Essenwanger könne hier mit 80 bis 90 Prozent Bezuschussung seitens der Regierung von Oberbayern gerechnet werden.

47 Grundstücke gekauft

47 Grundstücke mussten gekauft werden, um die neue Trasse bauen zu können. Gekostet hat das die Gemeinde Pürgen etwa 1,1 Millionen Euro. Die gesamten Baukosten für die Trasse, die mit einem Kreisverkehr am Lengenfelder Gewerbegebiet im Norden beginnt und bei den sogenannten „Streicherhöfen“ südlich des Ortes endet, liegen bei etwa elf Millionen Euro. Darin enthalten sind auch eine Geh- und Radwegunterführung an der Ammerseestraße sowie eine Brücke für den landwirtschaftlichen Verkehr. Auch die beiden Kollisionsschutzwände im Bereich des Mühlweges mit einer Länge von fast 140 Metern und einer Höhe von 4,50 Meter sind in dieser Summe enthalten. Diese Wände müssen aufgestellt werden, weil die neue Trasse die Flugrouten von Fledermäusen durchschneidet. Weil im betroffenen Bereich Fledermausarten nachgewiesen werden konnten, die sehr bodennah fliegen, muss dafür gesorgt werden, dass es zu keinen Zusammenstößen mit vorbeifahrenden Fahrzeugen kommt, erfuhren die Gemeinderäte.

Für den teilweisen Rückbau der Staatsstraße 2056 Richtung Hagenheim und die neue Anbindung an die Gemeindeverbindungsstraße nach Pflugdorf stehen rund 1,7 Millionen Euro im Raum.

In der vergangenen Sitzung gab der Gemeinderat grünes Licht für die Bereitstellung der finanziellen Mittel für den Hochwasserschutz. In einer der nächsten Sitzungen soll dann auch der Baubeschluss gefasst werden, damit die Zuwendungsanträge schnell gestellt werden können. Nach Abschluss der Ernte im Herbst wird das Areal auf Bodendenkmäler untersucht und es werden Nistkästen für Vögel und Haselmäuse aufgestellt. Anschließend können die Rodungsarbeiten beginnen.

Lesen Sie dazu auch: Umfahrung Lengenfeld: Ein Landwirt kritisiert die Planung

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