Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Die Veteranen kämpfen ums Überleben

Landkreis Landsberg

30.12.2017

Die Veteranen kämpfen ums Überleben

Veteranen- und Reservistenvereine erinnern an die Opfer von Kriegen. Doch die Zahl der Mitglieder sinkt bayernweit. Unser Foto zeigt Veteranen des Ersten Weltkriegs bei ihrer Rückkehr nach Ludenhausen.
Bild: Gisela Klöck (Repro)

Weil es kaum noch Kriegsteilnehmer gibt und die Wehrpflicht ausgesetzt ist, haben die Veteranenvereine immer weniger Mitglieder. Einige öffnen sich für Ungediente und Frauen.

Es ist immer die gleiche Zeremonie bei Beerdigungen von Soldaten und Veteranen. Ein Kranz wird niedergelegt, das Lied vom guten Kameraden angestimmt, die Fahne gesenkt und drei Böllerschüsse am offenen Grab abgefeuert. Es sind die Veteranenvereine, die diese Tradition aufrechterhalten. Doch weil die Kriegsteilnehmer aussterben und die Wehrpflicht ausgesetzt ist, kämpfen sie um ihr Überleben. In ihrer Not öffnen sich immer mehr Vereine für Ungediente und für Frauen. Doch das stößt auch auf Kritik.

Über 145 Jahren gibt es den Veteranen- und Soldatenverein in Asch. Seit Mitte November gehören ihm zwei Frauen an. Katharina Fietz und Carolin Wiedemann hatten sich bei der Jahresversammlung spontan dazu entschieden, dem Verein beizutreten, was ohne weitere Diskussion erfolgte. Anders in Seestall. Dort wurde Anfang Dezember bei der Kameradschaft der Kriegsveteranen, Soldaten und Reservisten teils hitzig darüber diskutiert, ob Frauen als Mitglieder aufgenommen werden dürfen. Am Ende wurde das Thema bis zur Jahresversammlung im nächsten Jahr vertagt.

2011 war ein entscheidendes Datum

Bis dahin könnte die Zahl der Vereinsmitglieder in Seestall und in anderen Orten im Landkreis weiter schrumpfen. Das große Mitgliedersterben setzte um die Jahrtausendwende ein, als die meisten der im Zweiten Weltkrieg kämpfenden Soldaten mindestens 80 Jahre alt waren. Dass immer weniger neue Mitglieder dazu stoßen, hat seine Ursache im Jahr 2011, als die Aussetzung der Wehrpflicht beschlossen wurde. Was die Nachwuchssuche zudem erschwert, ist das mitunter schlechte Image, unter dem die Veteranen-, Krieger-, Soldaten- und Reservistenvereine leiden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Daher wird seit einigen Jahren über eine Öffnung der Kameradschaften diskutiert. Richard Drexl, der Vorsitzende des Bayerischen Soldatenbundes, sagte vor gut einem Jahr, die Vereine sollten sich für alle öffnen, die auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik stehen. Nicht mehr nur Soldaten, Veteranen und Reservisten sollen beitreten dürfen, sondern auch Interessierte, die weder im Krieg waren, noch bei der Bundeswehr gedient haben. Für manche Vereine in Bayern war dies nicht Neues. Sie hatten zuvor schon fördernde Mitglieder zugelassen. Auch beim Ehrensalut wurde mancherorts kein Unterschied mehr zwischen Soldaten und Zivilisten gemacht. Früher galt die Regel, wer nicht im Krieg war, für den wird nicht geschossen.

Dass eine Öffnung durchaus kritisch gesehen wird, zeigte sich Anfang Dezember in Seestall. Es wurde unter anderem davor gewarnt, dass der Jahrtag „zu einem Kaffeekränzchen“ verkomme, sollten Frauen Mitglied werden dürfen. Unstrittig war aber, dass aktive und ehemalige weibliche Bundeswehrangehörige in den Verein dürfen. In der Abstimmung gab es damals kein Nein.

Momentan wird die neue Satzung vom Notar geprüft

Während die Öffnung des Vereins in Seestall noch auf das nächste Jahr verschoben wurde, plant der Veteranen- und Reservistenverein Egling-Heinrichshofen derzeit, seine Satzung dahingehend zu ändern. „Wir sind im Umbruch“, sagt Vorsitzender Dieter Steininger. Ziel sei es, künftig nur noch eine Kategorie Mitglieder zu haben. Derzeit werde noch zwischen ordentlichen, fördernden und Ehrenmitgliedern unterschieden. Frauen, die gedient haben, können laut Dieter Steininger seit 2003 fördernde Mitglieder werden. Mit der neuen Satzung, deren Entwurf derzeit von einem Notar geprüft wird, wollen sich die Veteranen und Reservisten aber für jene Mitbürger öffnen, die zwar nicht gedient haben, sich aber gerne für die Ziele des Vereins einsetzen möchten. So gebe es etliche Anfragen von jungen Eglingern und Heinrichshofenern, die aktiv mitmachen und ordentliches Mitglied werden wollen. „Wenn nur zehn Mitglieder langfristig dazukommen, wäre die Änderung ein Erfolg“, sagt Dieter Steininger.

Eine Änderung der Satzung, die es allen Bürgern erlaubt, im Verein Mitglied zu werden, streben offenbar auch andere Veteranen- und Reservistenvereine im Landkreis an. „Der Trend geht dahin“, sagt Dieter Steininger und verweist auf den Verein in Schwabhausen. In Egling und Heinrichshofen gibt es derzeit 62 Mitglieder. Im Vergleich zu manch anderem Verein sei das viel. Dennoch hält Steininger eine Veränderung für überlebenswichtig. In der Praxis würden die Unterschiede sowieso immer mehr verschwinden. Etwa auch beim Salutschuss. Egal, ob Reservist oder Veteran, bei Beerdigungen gebe es drei Böllerschüsse. Es sei denn, die Angehörigen wünschen das nicht.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren