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TNT

21.10.2017

Die Wasserspeier von Notre-Dame sprechen

„Notre-Dame de Paris“: Theater in französischer Sprache mit dem TNT Theatre im Stadttheater.
Bild: Julian Leitenstorfer

Victor Hugos Roman wurde in moderner Fassung in französischer Sprache im Stadttheater gespielt

Die französische Sprache ist in unserer Region eher selten zu hören. Umso mehr freut es die Freunde des französischsprachigen Theaters, wenn einmal im Jahr im Landsberger Stadttheater ein solches Stück vom TNT Theatre präsentiert wird.

Meist sind es Klassiker, die sich die Münchner Truppe aus englischen, französischen, kanadischen und amerikanischen Schauspielern vornimmt. Diesmal war es „Notre-Dame de Paris“ von Victor Hugo, auf Deutsch bekannt unter dem Titel „Der Glöckner von Notre-Dame“.

Die Geschichte wurde seit 1905 unzählige Male verfilmt (unvergesslich ist die Version von 1939 mit Charles Laughton als Quasimodo) – sogar von Walt Disney – und mehrfach als Oper und Musical vertont.

Das ist eine große Aufgabe, die sich die kleine Truppe da vorgenommen hatte, denn der Roman von Victor Hugo aus dem Jahr 1831 verfügt nicht nur über eine komplexe und episodenreiche Handlung, sondern er rückt in den unruhigen Zeiten um 1830 auch die Volksmassen ins Zentrum des Geschehens, auch wenn Hugo die Handlung ins Mittelalter (1482) verlegt. Das Ganze hatte die Inszenierung von Gaspard Legendre nun herunterzubrechen auf ein einfaches Bühnenbild, eine Abendveranstaltung, wenige Darsteller und eine klare, einfache Sprache, die auch Schülern verständlich ist.

Das mit dem Bühnenbild bekommt das TNT auch diesmal wieder gut hin: Die Kathedrale – eigentlicher Held des Romans – wird durch zwei hohe Gerüste und ein niedrigeres dargestellt, mit bemalten Leintüchern dekoriert. Daraus wurden später noch Palast, Gerichtssaal, Kneipe und Vorplatz. Das Gerüst gibt aber vor allem Aurélien Mallard als Quasimodo Gelegenheit, geschmeidig darauf herumzuturnen– der Missgestaltete, der auf den Türmen zu Hause ist. Mallard verleiht der Inszenierung, die insgesamt etwas statisch wirkt, Farbe mit seiner Interpretation dieser Paraderolle.

Durch die starke Raffung der Handlung ist das Stück eher eine Aneinanderreihung von Szenen, die für das Fortschreiten der Handlung nötig sind, eine emotionale Beteiligung ist für den Zuschauer dabei kaum möglich. Einen emotionalen Moment gibt es jedoch am Ende, in einer Szene zwischen Quasimodo und Esmeralda (Caroline Aïn), in der der Bucklige von ihr die Zuneigung erhält, die er ansonsten nie bekommen hat.

Erfrischend sind die kreativen Einfälle der Inszenierung: Die „Gargouilles“ (Englisch „Gargoyles“), die chimärenartigen Wasserspeier, die man an gotischen Kathedralenfassaden findet, lässt Regisseur Legendre lebendig werden und sprechen, so können sie manches an der Handlung erzählen und erklären.

Die Menschenmassen sind zu erahnen, indem sie als Hintergrundgeräusch eingespielt werden, und die Zuschauer sind dann Teil davon und werden direkt angesprochen. Esmeraldas Hinrichtung durch Erhängen wirkte so echt, dass man sich Sorgen macht, wie es Caroline Aïn wohl gehen mag.

Die Darsteller sprachen ein klares, langsames und deutliches Französisch, und die Handlung wurde ohnehin durch das Spiel klar. Leider wirkte das Stück trotz der guten Leistungen der Schauspieler und der kreativen Einfälle etwas zusammenhangs- und spannungslos.

Doch auf jeden Fall hat jeder Besucher etwas für seine Bildung getan, indem er sich einen großen Klassiker des 19. Jahrhunderts nochmals vergegenwärtigt hat.

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