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Egling

11.01.2017

„Die Welt ist kompliziert“ doch „so schön war’s noch selten“

Holger Paetz begeisterte sein Publikum in Egling.
Bild: Hertha Grabmaier

Ein satirisch-politischer Jahresrückblick mit Holger Paetz in Widmanns Kabarettl.

Widmanns Kabarettl hielt nun Einzug ins wieder eröffnete Traditionswirtshaus und im voll besetzten Saal gab es mit Heinrich Widmanns vertrauter, bejubelter Begrüßung in Gedichtform Altgewohntes.

Der 2013 mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnete sprachvirtuose Kabarett-Literat Holger Paetz begeisterte die Besucher mit einer mutigen Jahresrückblick-Show, in der er mit indignierter Miene, angesichts der Attentate und Amokläufe, typisch schwabingerisch grantelnd, gelegentlich auch singend und kluge Pointen setzend, unter dem Motto „So schön war’s noch selten“, die Obrigkeit alt aussehen ließ. Das Weihnachtsfest sei friedlich gewesen, habe den schrecklichen Anschlag in Berlin nieder gemalmt und Glühweinlobbyistin Angela Merkel mit „hinterher ist jeder schlauer“, das Totalversagen kommentiert.

Da wurde nichts ausgelassen, die endlose Geschichte um den Hauptstadtflughafen, die Kölner Neujahrsnacht, Seehofer’s Schwächeanfall, „ihm ist die Last der Verantwortung in die Kniekehlen gefahren“. Seinen Besuch bei Putin, dem das Russische Staatsfernsehen eine Sondersendung widmete, habe Seehofer in vier Worten zusammengefasst, „die Welt ist kompliziert.“ Putins Erklärungen über die Präsenz der Russen in der Ukraine hatte der Bayerische Ministerpräsident kapiert und erklärte seinerseits, „da wo bayerische Menschen sind, ist Bayern und ich bin ja jetzt hier“. Wortgewandt wurde mit Blick in den roten Ordner alles präzise aufgedröselt, die Reibungsverluste beim Schleusen der Panamapapers, die vorzeitige Entlassung von Uli Hoeneß, wegen hervorragender Sozialprognose. Für das verschrobene Frauenbild der Religionsterroristen brauche es keine AfD, dafür dürfe es hier keinen Platz geben. „In den USA gibt es die Todesstrafe, in der EU die Autoindustrie und Saudi-Arabien gehen die Henker aus“. Winterkorn bekäme nicht den „Bonus importantus, sondern lediglich eine Betriebsrente“.

„Die Welt ist kompliziert“ doch „so schön war’s noch selten“

Alexander Dobrindt zitierte er mit, „es ist unanständig mir ein Wissen zu unterstellen“. Veganer mag er genauso wenig wie Erdogan und Böhmermann, der so gerne der deutsche „Ai Weiwei“ wäre. Olympische Spiele in Rio – eine Freundschaft zwischen Bach und Putin und schließlich die Fußball-Europa-Meisterschaft, die ihm die Tränen in die Augen trieb und zum Lyriker frei nach Joseph von Eichendorff werden ließ, „rastlos treibt’s mich durch die Straßen…“. Herrn Gauland wünschte er sich als Nachbarn, um „die Bohrmaschine nachts um halb vier anzusetzen“. „Gabriel wäre gern ein großer Mann, der einfach nur bestimmen kann“. Für die Zeit danach dürfe er dann zu Edeka. Beim Brexit wollten die Briten doch nur ihr Land zurück, das ihnen keiner weggenommen hatte.

Da gab es hintersinnige Gedankenspiele zu Frau von der Leyen, deren Waffen ums Eck schießen, zu Oettinger, der sich mit seinen Reden selbst verwirre und natürlich zu Donald Trump, dem wandelnden Herrenwitz, den gerne auch Frauen wählen. „Wird er wohl Frau Merkel bei der ersten Begegnung auf den Hintern hauen“. Gipfelkreuze und das dem schnöden Mammon geschuldete, wegretuschierte auf der Zugspitze, köstliche, kleine Gedankenspiele, bösartige Spitzen brachten die Besucher zum Nachdenken und zum Schmunzeln. „Ich fühle mich von Ihnen verstanden“, so Paetz an sein begeistertes Publikum. Auch als mit einem lauten Knall die Anlage kurzzeitig ausfiel, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und überbrückte die Situation mit: „Sie hatte mal was mit einem Elektriker, aber das war nur ein Wackelkontakt.“

Zum Schluss gab es noch feinsinnige Lyrik: „Deutscher Sommer lass die loben, bist so wunderbar verschroben“. Nach langanhaltendem Applaus bekamen die Besucher noch einen humoristischen Nachschlag vom schweren Leben eines Kabarettisten in Garni Hotels, der Künstler bedankte sich herzlich „für die freundlichen Geräusche“ und wünschte Allen, nach zwei amüsanten, feinen Satirestunden als zweite Zugabe „eine gute Nacht“.

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