1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Die Wildkatze liebt das kühle Nass

Landsberg

01.04.2016

Die Wildkatze liebt das kühle Nass

Gestern und heute: Das Foto von Badr Alamahr zeigte die Terrasse am Fliegerhorst in Penzing und das Foto aus dem Buch „Werner Rittich – Architektur und Bauplastik der Gegenwart“, auf dem der Panther zu sehen ist.
Bild: Badr Alamahr

Das Geschichtspuzzle der Landsberger Forschergruppe führte auch auf den Fliegerhorst nach Penzing.

Der jüngste Anruf eines LT-Lesers in Sachen Spurensuche des sozio-kulturellen Projektes „Der Panther im Inselbad“ führte die junge Forschergruppe um Wolfgang Hauck aus der Innenstadt in die Weilheimer Straße. Vorher hatten sie bereits einen weiteren Standort, den Mutterturm, in Augenschein genommen, die Gießerei besucht, in der der Panther seine jetzige Form angenommen hatte, und das Leben seines Erschaffers, Fritz Behn, auszuleuchten versucht.

Der Landsberger Karl Schmid konnte sich noch gut an die Erzählungen seines Großvaters erinnern. „Der war Pächter des Pfletschbräus“, sagte er vom Hörensagen, „bei Spaziergängen am Mutterturm hat er mir immer wieder gesagt, dass man den Panther kurz nach Kriegsende in seinem Bierkeller in Sicherheit gebracht hätte“. Verstanden habe er das nicht ganz genau, nur so viel: die Bronzeplastik sei wohl aus Penzing gekommen. Penzing als ursprünglicher Standort war indes im Laufe der Recherchen immer wieder aufgetaucht.

Vorsorglich hatte man sich deshalb schon vor einigen Wochen an den Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61, Daniel Draken, gewandt. Der hatte versichert: „Sie erhalten unsere vollste Unterstützung“. Nachdem das Gelände des Fliegerhorstes für eine gründliche Untersuchung vor Ort freigegeben war, machten sich die Schüler und Flüchtlinge auf den Weg, ausgerüstet mit Videokameras und Aufnahmegeräten. Dass man in Deutschland auf ein Militärgelände auch als Zivilist gelangen kann, verwunderte vor allem die an dem Projekt beteiligten Flüchtlinge. „Das wäre bei uns in Afghanistan undenkbar“, meinte Zaker Alizade.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Verwunderung sollte noch größer werden. Oberst Daniel Draken ließ es sich nicht nehmen, die Geschichtsforscher persönlich zu empfangen. Und, er hatte gleich einen ganzen Stab zur Betreuung auf dem Fliegerhorst zusammengestellt: „Kunst und Bundeswehr, das ist schließlich auch für uns Neuland“. Wie sehr auch die Uniformierten von dem Projekt angetan waren, merkten die Beteiligten, als ein pensionierter, ehemaliger Hubschrauberpilot zu der Gruppe stieß. Dieser hatte nämlich bereits vor Jahrzehnten eine Fotografie des Panthers gerahmt und sie in einem der Flure aufgehängt. Sie zeigt den „Inselbad-Panther“, diesmal jedoch am Wasserbassin vor dem Offizierskasino. „Ich habe ihn seinerzeit sofort wiedererkannt, nachdem er irgendwann wieder im Inselbad aufgetaucht ist“, sagte er den Forschern.

„Die haben wirklich an nichts gespart“, fasste Amelie Bader ihre Eindrücke zusammen, nachdem sie unter anderem Peter Hammer, Hauptmann und Kasernenkommandant, oder Stabsfeldwebel Herbert Wintersohl, Architekturfachmann im Fliegerhorst, über das weitläufige Areal geführt hatten. Ein Gebäudecarrée erinnerte die Jugendlichen eher an einen Klosterhof denn an eine militärische Anlage. Da sich Deutschland Mitte der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch nicht wiederbewaffnen durfte, erfuhren sie, habe man auch aus Gründen der Tarnung wohl diese Form der Architektur gewählt. Wie der Panther nach Penzing gelangt war, darüber konnten auch die Experten nur spekulieren.

Zwischenzeitlich war ein weiteres Foto der Bronzeskulptur aufgetaucht. Es zeigte die möglicherweise identische Wildkatze im Umfeld des damaligen Reichsluftfahrtministeriums. „Ein Fragezeichen mehr“, stellte Katharina Grenzmann etwas ratlos fest. Auch der Kasernenkommandant der Welfenkaserne, Oberstleutnant Gerhard Roletscheck, dem die Jugendlichen zuvor einen Besuch abgestattet hatten, war die Panther-Geschichte nicht unbekannt: „Es gab sogar Gerüchte, dass es sich um zwei Exemplare gehandelt habe“. Geredet würde allerdings viel. Er wisse lediglich, dass als Standort das Reichsluftfahrtministerium genannt worden sei.

Wiederum wurden Fachbücher gewälzt, um doch nur zu einem Ergebnis zu gelangen: Nichts Konkretes. In der Tat gehen zahlreiche Publikationen, unter ihnen auch ein Buch von Albert Speer aus dem Jahr 1941, auf den Bau von Fliegerhorsten, ein. In ihm ist zwar der Panther in Penzing abgelichtet, allerdings nur als anonymes Architekturbeispiel. Der Berliner Historiker Joachim Zeller (LT berichtete) hatte für den Standort Penzing die Spende eines Mäzens des Künstlers Fritz Behns in Betracht gezogen, da dieser sich trotz seiner völkisch-rassistischen Gesinnung nach 1933 nicht länger der Gunst der Nazis erfreuen konnte. „Ein Panther, mehrere Exemplare, und so viele Standorte“, entfuhr es beinahe verzweifelt Katharina Grenzmann. Badr Alahmar, der Kameramann des Teams aus Syrien, tröstete sie: „Wait and see. Am Ende werden wir das Rätsel lösen.“

Am 9. April findet im Sitzungssaal des Landratsamtes eine öffentliche Podiumsdiskussion statt. 

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren