1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Die bewegte Lebensgeschichte eines KZ-Überlebenden

Landsberg

20.03.2018

Die bewegte Lebensgeschichte eines KZ-Überlebenden

Abba Naor ist Holocaust-Überlebender und hat eine enge Verbindung zum Landkreis Landsberg. Ihm ist eine Ausstellung gewidmet, die am Mittwoch in der Landsberger Säulenhalle gewidmet ist.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Der Holocaust-Überlende Abba Naor feiert am Mittwoch seinen 90. Geburtstag. Ihm zu Ehren wird in Landsberg eine Ausstellung gezeigt.

Leonard Bernstein hat am 10. Mai 1948 ein Orchester von Holocaust-Überlebenden im Lager für Displaced Persons (DP) in Landsberg dirigiert. Zum 70. Jahrestag wird das Konzertprogramm in Landsberg wieder gespielt werden – umrahmt von einer jüdisch-deutschen Festwoche. Schirmherr der Veranstaltungsreihe ist Abba Naor, ein Holocaust-Überlebender, der seit vielen Jahren als Zeitzeuge Jugendlichen in Schulen über seinen Leidensweg vom Getto im litauischen Kaunas in die KZ-Lager in Utting und KauferingI berichtet. Auch bei vielen Gedenkveranstaltungen im Landkreis war der Vizevorsitzende des Dachau-Komitees immer wieder zu erleben.

Im Alter von 17 Jahren wurde er von den Alliierten befreit

Von „Litauen nach Landsberg“ nennt sich die Ausstellung, die Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen ist, die von „Kunstbaustelle“ organisiert wird. Sie wird am Mittwoch, 21. März, in der Säulenhalle eröffnet. Gewidmet ist die Ausstellung, wie Ausstellungsmacher Wolfgang Hauck sagt, Abba Naor, der an diesem Tag 90 Jahre alt wird. Ob der Holocaust-Überlebende kommen kann, stellt sich laut Hauck jedoch erst am Eröffnungstag heraus, da Naor krank sei. Einer der Redner bei der Eröffnung wird Dr. Ekkehard Knobloch sein. Knobloch war als damaliger Bürgermeister von Gauting Initiator der Todesmarsch-Mahnmale. Sie wurden in den Orten aufgestellt, durch die im Frühjahr 1945 nach der Auflösung der Außenlager von Dachau KZ-Häftlinge auf den Todesmarsch Richtung Alpen getrieben wurden.

Als das Denkmal 1992 an die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem übergeben wurde, lernten sich die beiden Männer kennen. Abba Naor war einer der Überlebenden, die am 2. Mai 1945 bei Waakirchen von den Amerikanern befreit wurden. Er war 17 Jahre alt. Nur sein Vater hatte den Holocaust überlebt, der ältere Bruder war im Getto ermordet worden, die Mutter und der kleinere Bruder in Auschwitz- Birkenau.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Beruflich war er halb in Israel, halb in München tätig

Naor war zwar 1946 auch kurzzeitig im Lager für Displaced Persons in Landsberg, doch dies war weit vor dem Konzert. 1947 konnte er in Palästina einreisen, der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 gegründet. Hätte Abba Naor an dem Konzert in Landsberg teilgenommen? Vielleicht als Gast. Aber vermutlich nicht als Musiker. Denn wie er in seiner gemeinsam mit Helmut Zeller verfassten Biografie „Ich sang für die SS“ schreibt, konnte er, der als Bub mit einer schönen Altstimme auftrat, nachdem er im Getto vor Nazis singen musste, erst viele Jahre später wieder im privaten Kreise vor anderen Menschen singen.

In dieser Biografie schildert Naor nicht nur das Grauen der Konzentrationslagern, sondern auch sein Leben danach, das sich halb in Deutschland, halb in Israel abspielte – ein bewegtes Leben mit Stationen sowohl als israelischer Geheimagent als auch als Kaufmann in München.

Den Kontakt zum Vater bricht er zwischenzeitlich ab

Noch heute verbringe Abba Naor immer wieder zwei Wochen in einem Hotel in München, um von dort aus täglich in Schulen zu gehen, um als Zeitzeuge seine Geschichte als KZ-Häftling zu erzählen, berichtet Knobloch. Abba Naor vertrete einen respektvollen, liebevollen und humanitären Umgang miteinander, bestätigt Knobloch den Eindruck, der sich beim Lesen der Biografie einstellt: „Er hat gelernt, dass Hass zerstört.“ Das war nicht immer so, wie der Biografie zu entnehmen ist: Als junger Mann bricht Naor den Kontakt zum Vater, der eine Deutsche heiratet, vier Jahre lang ab – obwohl dieser sein einziger lebender Verwandter ist. Doch beide finden später zueinander und Naor schildert diese deutsche Frau als wunderbare Oma seiner Kinder.

Abba Naor setzt auf die Jugend, denn er will „die Quintessenz seines Lebens weitergeben“, erläutert Knobloch. Er berichtet vom jährlichen Schüleraustausch eines Gautinger Gymnasiums mit einer Schule in Israel, die Abba Naor und er initiiert haben.

Ausstellung Eröffnung ist am Mittwoch (21. März) um 19 Uhr. Redner sind Dr. Ekkehard Knobloch, der Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler und Franz Xaver Rößle. Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet und in der Säulenhalle zu sehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren