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Issing

15.09.2020

Die ersten Issinger stammen aus der Merowingerzeit

In der Dießener Straße in Issing sind Archäologen auf Funde gestoßen, die beweisen, dass der Ort im Lechrain älter ist, als urkundliche Hinweise vermuten lassen.
Bild: dpa

Plus Bei Bauarbeiten in Issing werden Beweise dafür entdeckt, dass der kleine Ort am Lechrain älter ist, als bislang bekannt. Rund um die Fundstelle könnten noch mehr Überraschungen warten.

Müssen die Geschichtsbücher über den Vilgertshofener Ortsteil Issing neu geschrieben werden? Ein besonderer Fund in der Dießener Straße gibt zumindest Anlass dazu, davon auszugehen, dass das Lechrain-Dorf schon weitaus länger besteht, als es die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1033 vermuten lässt.

Bei Tiefbauarbeiten sind zwei Skelette gefunden worden. Der Fund war, wie Bürgermeister Albert Thurner dem Landsberger Tagblatt berichtet, zunächst der Polizei gemeldet worden. Die aber sei schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich dort um ein Bodendenkmal handelt. Nur wenige Tage später waren dann auch schon Spezialisten einer archäologischen Grabungsfirma im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege vor Ort, um die Skelette samt Beigaben zu bergen.

Grabungsfund in Issing: Zu erkennen ist rechts neben dem Kopf ein sogenannter Schildbuckel sowie rechts zwischen Oberkörper und Arm ein einschneidiges Hiebschwert, ein sogenannter Sax.
Bild: Hubert Fehr

Bei den Skeletten handelt es sich um die Überreste zweier Männer, die vermutlich in der Zeit zwischen dem 6. und dem frühen 8. Jahrhundert gelebt haben. „Anhand der Beigaben steht fest, dass die Gräber aus der Merowingerzeit stammen“ bestätigt Birgit Neuhäuser, die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Landesamt für Denkmalpflege.

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Unter den Beigaben sei auch ein sogenannter Sax, ein großes einschneidiges Hiebschwert aus Eisen. Zudem seien Reste eines Schildes gefunden worden. Von der Kleidung, mit der die Männer beigesetzt worden waren, seien nur noch wenige Elemente aus Metall gefunden worden.

Der Fund überrascht

Bis zum Fund in der Dießener Straße war man weder in der Gemeinde Vilgertshofen noch an anderer Stelle davon ausgegangen, dass sich dort ein merowingerzeitlicher Friedhof befinden könne. „Merowingerzeitliche Friedhöfe befinden sich üblicherweise in der Nähe zeitgleicher Siedlungen, deren Lage in Issing wir aber bislang nicht kennen“, so Neuhäuser. Ausgeschlossen werden könne auch, dass sich in der unmittelbaren Umgebung eine Kirche befunden habe, zu der ein Friedhof gehören könnte. „Kirchen sind erst später entstanden“, sagt Birgit Neuhäuser.

Die Experten gehen davon aus, dass sich in der unmittelbaren Umgebung noch weitere Grabstellen befinden, denn diese Art von Gräbern seien häufig Teil von verhältnismäßig großen Friedhöfen gewesen. „Friedhöfe mit Gräbern dieses Typs umfassen nicht selten mehrere Hundert Gräber“, erläutert die Pressesprecherin. Allerdings seien auch kleinere Grabgruppen nachgewiesen. „Möglicherweise lagen diese beiden isoliert im Boden.“ Näheres könne sich aber erst nach weiteren Grabungen im Umfeld zeigen.

Erste schriftliche Quellen im 11. Jahrhundert

Sicher sei aber, dass die historischen Wurzeln des Orts Issing bereits in das frühe Mittelalter, also in die Merowingerzeit zurückreichen. Der Fund der beiden Skelette liefere dafür den archäologischen Nachweis. Zwar hätten Historiker und Experten das schon länger vermutet, denn die Endung „ing“ deute darauf hin. Aber in schriftlichen Quellen tauche der Ort erstmals erst im 11. Jahrhundert auf.

Gegraben wird in Issing im Umfeld der Fundstelle derzeit nicht mehr. Allerdings muss bei künftigen Bauarbeiten in diesem Bereich verstärkt darauf geachtet werden, ob sich weitere Gräber im Boden befinden.

Jetzt sind die Fachleute in der Denkmalpflege gefragt, anhand von Analysen und der Restaurierung der Beigaben, Genaueres über die Lebens- und vielleicht Todesumstände der beiden Männer zu ermitteln.

Erdaushubarbeiten muss das Denkmalamt genehmigen

Die Verlegung von Breitband-Leitungen in die nahegelegene Grundschule in Issing kann von der Gemeinde jetzt nicht mehr so schnell wie ursprünglich geplant durchgeführt werden. Laut Bürgermeister Albert Thurner muss zunächst eine Genehmigung für die notwendigen Erdaushubarbeiten bei der Denkmalbehörde eingeholt werden.

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