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Apfeldorf

29.06.2019

Die jüngste Kreisrätin hat Selbstbewusstsein getankt

Sitzungssaal Landratsamt: Regina Kölbl ist jüngstes Mitglied im Kreistag.
Bild: Thorsten Jordan

Regina Kölbl aus Apfeldorf kam eher überraschend in den Kreistag. Was sie zuletzt beschäftigt und geärgert hat.

Mit der Kommunalpolitik ist Kreisrätin Regina Kölbl aufgewachsen. Ihr Vater, Gast- und Landwirt Georg Kölbl, war 30 Jahre im Apfeldorfer Gemeinderat. Er war Zweiter Bürgermeister im Dorf und gehörte dem Kreistag an. „Da kriegt man daheim immer viel mit“, sagt seine Tochter Regina. 2014 wurde sie selbst für die CSU in das Kreisgremium gewählt und vertritt mit 23 Fraktionskollegen die konservative Seite der Politik. Etwa ein Viertel der CSU-Kreisräte seien weiblich, erzählt die 32-Jährige – die jüngste Politikerin im Kreistag.

Regina Kölbl, die als Industriekauffrau in Forst arbeitet, gehört dem Jugendhilfeausschuss an, ist Stellvertreterin im Senioren- und sozialpolitischen Ausschuss und eine der Schriftführerinnen. „In den Jugendhilfeausschuss bin ich wohl gesendet worden, weil ich die Jüngste war“, meint sie. Dass sie so früh im Kreistag sitzen würde, hätte sich Regina Kölbl im Vorfeld der Kommunalwahl 2014 nicht gedacht. Um der Partei aus der Patsche zu helfen, ließ sie sich bei der Delegiertenversammlung für einen Listenplatz aufstellen. „Ach, Regina, das machst grad du“, hieß es, erinnert sie sich. Es ging um Listenplatz 41. Nicht im Traum hätte sie daran gedacht, tatsächlich ein Mandat zu erringen. „Bis zur Wahl bin ich vorgerutscht auf Platz 23“, sagt sie. Bereut hat sie ihre Bereitschaft bis heute nicht. „Man gewinnt so viel Erfahrung und kriegt viel mit über Entscheidungen, die im Hintergrund laufen“, sagt sie. 2020 will sie deshalb wieder kandidieren.

Die politische Arbeit macht ihr Spaß, sie brenne für die Themen. Stark beschäftigt hat sie das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Innerlich habe sie sich geärgert, dass viele das Kreuzchen für ein gutes Gewissen machten, zum Insekten- und Artenschutz selbst aber nichts beitragen. Als wichtiges Ziel sieht sie den Neubau des Landratsamtes. „Die Außenstellen müssen endlich zusammengefasst werden.“

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Im Dorf wurde sie bereits gefragt, ob sie sich für den Gemeinderat aufstellen lasse. „Ich will aber kein zusätzliches Amt übernehmen, das ich nicht so ausfüllen kann, wie ich will“, sagt die Industriekauffrau. Denn auch in Vereinen ist sie sehr engagiert. Regina Kölbl ist Zweite Vorsitzende des Trachtenvereins, steht mit dem Theaterverein jeden Herbst auf der Bühne – „meist als Geliebte oder Magd“ – und singt Mezzosopran im Chor Via Harmonie in Schwabniederhofen. Nebenbei jobbt die Jüngste der vier Kölbl-Kinder im Café Beim Gaukler in Rott und hilft im Betrieb der Eltern mit, sei es bei Veranstaltungen in der Wirtschaft oder in der kleinen Landwirtschaft. Mit ihrem Freund, der von einem weiteren Amt nicht begeistert wäre, geht sie gern in die Berge oder fährt Rad.

Dass in ihrem Elternhaus politisches Engagement eine Rolle spielte, hat die sportliche blonde Frau geprägt. „Schon in der Grundschule habe ich mich für sozialkundliche Themen interessiert“, erinnert sie sich. Seit über zehn Jahren ist sie Mitglied bei den Christsozialen und engagiert sich im Ortsverband. Sie organisiert das Schafkopfturnier oder das Apfeldorfer Schmankerlfest mit und hilft bei den Veranstaltungen. Zur Partei kam sie, weil Dr. Thomas Goppel einst meinte: „So eine wie Dich brauchen wir.“ Bei vielen Themen vertraut sie auf die langjährige Erfahrung von Politikern wie Goppel, sieht sich aber gleichberechtigt. „Wenn ich etwas einbringen will, tu ich das“, sagt die junge Frau mit den hellen blauen Augen selbstbewusst. „Wir kämpfen für das gleiche Ziel. Es geht immer um die Sache.“

Nur wenige Themen beträfen ihren Heimatort Apfeldorf direkt, dennoch ist sie stolz, ihr Dorf im Kreistag zu repräsentieren und zu erreichen, dass Landrat Thomas Eichinger das Schmankerlfest oder den Weihnachtsmarkt besucht, sagt sie. An Landkreis-Veranstaltungen wie dem Auftakt zu den Kreiskulturtagen nimmt sie, so oft es geht, teil – natürlich als Repräsentantin für Apfeldorf.

Dass ihr Heimatort im Kreistag oft als Negativbeispiel herhalten muss, wenn es um die Anbindung an den ÖPNV geht, lässt die Frau mit den blonden, langen Haaren schmunzeln. „Das Ziel ist, das so zu gestalten, dass alle gleichberechtigt und gleich gut angebunden sind“, sagt sie.

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