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Landsberg

27.05.2015

Die nächtliche Jagd auf Wildschweine ist umstritten

Im Wildpark in der Pössinger Au südlich von Landsberg sind die Wildschweine eine der Attraktion. Andernorts sorgt ihre rasante Vermehrung für Probleme. Agrarminister Helmut Brunner will dies ändern.

Dass Agrarminister Brunner Nachtzielgeräte erlauben möchte, stößt im Landkreis auf geteiltes Echo. Es gibt auch andere Lösungen

Gehen Jäger künftig mit einem Nachtzielgerät auf die Pirsch? Geht es nach Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner dann soll dies im Kampf gegen die rasant ansteigende Zahl von Wildschweinen in besonders betroffenen Regionen möglich sein. Genehmigen kann dies aber einzig und allein das Bundeskriminalamt. Bei den Jägern im Landkreis ist der Einsatz des militärischen Hilfsmittels allerdings höchst umstritten.

Georg Duschl ist der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins Landsberg. Er sagt, dass der Einsatz von Nachtzielgeräten derzeit das Bundesjagd- und das Waffengesetz verbieten. Die Nutzung sei nur wenigen, zum Beispiel der Polizei und der Bundeswehr vorbehalten. Für alle anderen seien sowohl Erwerb als auch Besitz verboten. Das Verbot könne nur das Bundeskriminalamt aufheben. Rechtlich gesehen müsse das öffentliche Interesse am Gebrauch des Nachtzielgeräts das Sicherheitsinteresse überwiegen. Das sei die Einschätzung von Professors Dr. Johannes Dietlein, der an der Universität in Düsseldorf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre inne hat. Das wäre aber höchstens bei „wirklich gravierenden“ Wildschäden der Fall, wie es sie im Landkreis Landsberg jedenfalls nicht gebe.

Gestritten wird ohnehin über den Nutzen der Nachtsichtgeräte. Wie Georg Duschl sagt, gibt auch in der Landsberger Jägerschaft Befürworter und Gegner. Die einen betonen, dass damit oft ein sauberer Schuss möglich ist, wo schlechtes Licht dies ansonsten verhindert. Die anderen befürchten, dass die schlauen Wildschweine durch eine „Rund-um-die-Uhr-Bejagung“ noch vorsichtiger werden und damit noch schwieriger als ohnehin schon zu bejagen sind. Dazu kämen die Kosten: Jeweils gut 5000 Euro müssen für ein Nachtzielgerät und das dazu erforderliche Nachtsichtgerät berappt werden. Pilotprojekte in ausgewählten bayerischen und Schweizer Revieren hätten zudem gezeigt, dass sich die Wildschäden mit Nachtzielgeräten nicht deutlich verringern.

Georg Duschl setzt deshalb vor allem auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten. Wenn Landwirte Schäden schnell melden und bei spontan organisierten Drückjagden mithelfen wie schon im Landkreis geschehen, könnten auf einen Schlag gleich eine ganze Reihe Schweine erlegt werden. Der Jagdschutzverein habe für solche Aktionen eine Telefonliste mit kurzfristig verfügbaren Jägern. Die Initiative müsse aber von Landwirten und Revierpächtern ausgehen. Auch langfristig geplante, revierübergreifende Drückjagden im Herbst könnten effektiver gestaltet werden, wenn dabei ausschließlich Schwarzwild bejagt wird.

Und so wünscht sich Georg Duschl, dass es im Landkreis nicht zur Schwarzwild-Hysterie kommt. Landwirte wie Jäger sollten stattdessen lernen, mit den Schwarzkitteln umzugehen. Die einen seien nicht in Gefahr, durch die Tiere in Existenznot zu kommen und die anderen könnten mit Zeit, Geduld und Engagement viel erreichen. Die Schäden, die im Frühjahr 2013 in Entraching angerichtet wurden, hätten sich durch eine „ordentliche und engagierte Bejagung“ mit über 50 geschossenen Sauen inzwischen erledigt.

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