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Reisch

17.02.2018

Die vielen Talente der Laura Vau

Obwohl noch jung an Jahren hat sich Laura Vörtler bereits einen Namen als „Pferdeflüsterin“ gemacht (im Bild mit Medina).
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Obwohl noch jung an Jahren hat sich Laura Vörtler bereits einen Namen als „Pferdeflüsterin“ gemacht (im Bild mit Medina).
Bild: Thorsten Jordan

Laura Vörtler aus Reisch hat eine internationale Karriere eingeschlagen. Warum sie dennoch kein Kaltenberger Ritterturnier auslässt.

Ihre Welt bewegt sich auf vier Hufen und vier Rädern. Deshalb fühlt sich Laura Vörtler aus Reisch auch überall dort zuhause, wo sie mit ihrem Wohnmobil hinkommt. Derzeit ist „die Basis“ Marokko, dort, wo ihr Förderer Cedrik Proust eine Agentur für Stuntmen in Marrakesch betreibt. Von dort aus schwärmt Laura Vörtler aus in alle Welt, dorthin, wo sie als Stuntfrau oder Stuntkoordinatorin eingesetzt wird. Zuletzt war das in China, Abu Dhabi steht derzeit im Raum.

Noch keine 30, aber viel erlebt

Sie ist noch keine 30 Jahre alt und dennoch hat Laura aus dem beschaulichen Reisch jetzt schon Dinge erlebt, die gleich für mehrere spannende Leben ausreichend wären. Laura Vörtler, oder Laura Vau, so ihr Branchenname, ist sicherlich das, was man einen besonderen jungen Menschen nennt. Wie besonders, wird in einem Gespräch in einem Landsberger Café schnell deutlich.

Laura ist immer wieder einmal in ihrer Heimat, dort wo sie aufwuchs, nahe der Stadt, in der sie das Licht der Welt erblickte. Das war am 27. November 1988 in München, mit sechs Jahren zog die Familie Vörtler nach Reisch. Laura besuchte die Schlossbergschule und hatte eine Kindheit, wie sie sich kleine Mädchen eben wünschen: „Ich durfte jeden Tag zum Ponyreiten“, erinnert sie sich zurück, wobei schnell ein wissendes Lächeln über ihr Gesicht huscht.

Sunny hieß ihr erstes Pony

Sie begann zu voltigieren und nahm Reitunterricht. Mit 14 bekam sie Sunny, ihr erstes Pony. Und das erfuhr schnell: Laura wollte mehr als nur draufsitzen. Nebenbei verdiente sie sich langsam ein Taschengeld, indem sie im nahen Schwifting Polo-Ponys betreute und trainierte. Gleichzeitig übernahm beim Kaltenberger Ritterturnier Mario Luraschi die Arenashow. Der Stuntkoordinator, einer der besten der Welt, übte auf Laura eine Faszination aus. Da ihr das Mittelaltertreiben ohnehin nicht unbekannt war – Mutter Renate gehörte viele Jahre zum Mitarbeiterteam von Prinz Luitpold – fasste sie sich ein Herz und sprach Luraschi an.

Allerdings gestaltete sich das nicht ganz leicht, denn „ich sprach damals mit 15 noch kein Französisch“. Also musste die Karriere als Stuntfrau noch etwas warten. Bei der Mittelaltergruppe der Münchner Barbaren lernte Laura dann den Schwertkampf und das Fechten, mit der Sprache gab’s da für die gebürtige Münchnerin naturgemäß keine Barrieren.

Mit 18 kaufte sie sich einen Wohnwagen

Dann aber kam der Tag, als sich das Leben der Laura Vörtler änderte. „Mit 18 habe ich mir einen Wohnwagen gekauft. Reiselustig war ich von jeher.“ Dass die Eltern nicht begeistert waren, versteht sich von selbst. Laura ließ sich den Wohnanhänger aber aller Bedenken zum Trotz von Freunden nach Frankreich ziehen. Dort traf sie auf Mitglieder von Luraschis Stunttruppe Cavalcade. Der Meister selbst gab der jungen Frau nun eine Chance und so verdingte sie sich 2007 bis 2008 in der Nähe von Paris als Pferdepflegerin. Der Deal lautete: Arbeit gegen Stuntunterricht. Laura Vörtler aber hatte plötzlich den Fuß in der Tür, wusste aber: „Wenn ich bei Mario bleibe, werde ich immer die kleine Laura, die Anfängerin sein.“ Also zog sie weiter beziehungsweise ließ ihren Wohnwagen nach Amnéville in der Nähe von Metz ziehen. Dort gibt es einen Zoo, der eine berittene Falkner-Show bietet – Laura war mit dabei.

Der Liebe wegen blieb sie in Frankreich

Nun hatte ihr neuer Lebensweg Fahrt aufgenommen und das im wahrsten Sinn des Wortes. In Orlando (USA) wäre sie engagiert worden, doch dann blieb sie in Frankreich, der Liebe wegen. Gleichzeitig kamen nun Engagements beim Film. In „Sons of Liberty“ doubelte Laura zu Pferde und koordinierte Szenen mit den Tieren. Wagenrennen in Marokko, Liveshows und immer wieder internationale Engagements wie etwa in Indien halten das Leben von Laura Vörtler in Schwung. Inzwischen ergänzt sie Pferdestärken auch mit denen in Motoren, crasht Autos und vieles andere mehr.

Sie kehrt immer wieder zurück an den Lech

Dennoch kehrt sie immer wieder zurück an den Lech, zu ihren Eltern („Weihnachten versuche ich immer, zu Hause zu sein“) – und nach Kaltenberg. Denn dort, wo sie als kleine Laura Vörtler Mittelaltergeschichten ausdachte und in ihrem Tagebuch niederschrieb, da fühlt sie sich wohl und findet sie Entspannung in ihrer Barbaren-Freundesclique.

Dort erlebte sie im vergangenen Jahr den schweren Unfall ihres Stunt-Kollegen Jean Marc Dellajuto. Stellt man da den eigenen Weg infrage? „Nein, aber ich habe aufgrund dessen gut über meine Versicherungen nachgedacht.“ Das Risiko eines Stuntman oder einer Stuntfrau ist hoch, ihrer Meinung nach aber kalkulierbar.

Laura Vörtler, die inzwischen auch Schauspielunterricht nimmt und eigene Shows entwickelt, lebt ihren Traum. Eigentlich, so gibt sie zu, habe sie nie aufgehört, „Cowboy und Indianer“ zu spielen, in ihrem Fall wohl eher „Amazone und Schildmaid“.

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