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Schwabhausen

24.02.2018

Diese Schwabhausener Familie hat ein Haus zum Mitnehmen

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4 Bilder
Max Eule und Tamara Hub leben mit ihrer Tochter Carla in einem Schiffscontainer. Der gelernte Schreiner baut die Container zu einem Haus um.
Bild: Julian Leitenstorfer

Leben in einem umgebauten Schiffscontainer? Eine junge Familie aus dem Landkreis Landsberg macht es vor. Damit wandert sie jetzt nach Portugal aus.

Schöner wohnen mal anders: ein komplett eingerichtetes Haus aus ökologischen Materialien. Hell und reduziert-stylisch ausgestattet. Bad, Küche, Wohnzimmer, Kinderzimmer. Und das Ganze für weit unter 100.000 Euro? Und wenn man umzieht, nimmt man das Haus einfach mit: rauf auf den Lkw und ab auf die Straße.

Das ist das neueste Projekt zweier junger Leute, die in Eigenregie mit viel Herzblut und finanziellem Engagement ein mobiles Wohnkonzept umgesetzt haben. Der Schwabhausener Max Eule und die Landsbergerin Tamara Hub, beide noch keine 30, haben aus zwei Schiffscontainern ein liebevolles Zuhause gebaut, das demnächst auf die Reise nach Portugal geht.

An einen Container erinnert nichts

Ein ausgebauter Schiffscontainer? Vielleicht so eine Art Hippie-Öko-Bauwagen oder eine Billigferienhausvariante? Weit gefehlt. Der weißgraue Stahl passt sich hervorragend in die Winterlandschaft in Schwabhausen ein. Durch ein großes Fenster, umrandet von Holzlamellen, schaut man ins Schlafzimmer, ein Kinderbett hängt an der Decke. Alles wirkt wie aus einem Designkatalog. Drinnen bereitet Tamara Hub einen Kaffee zu. Die Küche wirkt großzügig. Viele Blumentöpfe, helles Fichtenholz - sofort hat man das „Containergefühl“ vergessen, man ist zu Hause bei Familie Eule/Hub. Die kleine Tochter Carla, sechs Monate, schaukelt zufrieden im Maxicosi.

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Max Eule, der alles konzipiert und zum großen Teil selbst gebaut hat, führt durch die gute Stube. Jeder Quadratmeter ist durchdacht. Schiebetüren, in denen Schränke verbaut sind, trennen Schlafzimmer vom Zweieinhalb-Quadratmeter-Bad, das mit einer fugenlos geschweißten Cortenstahlwanne ausgestattet ist. „Für unsere Eltern ist das Anhäufen von Konsumgütern noch erstrebenswert“, sagt Tamara Hub, „wir wollen lieber weniger haben und frei sein.“ Nur einen kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen, Unnötiges und Ballast loswerden, das ist das Lebensmodell der neuen Generation, auch bekannt unter dem Slogan „Downsizing“. Das Eigenheim gilt nicht mehr als Statussymbol oder als Ausdruck des persönlichen Erfolgs. Nein, auf das Wesentliche komme es an.

Tagsüber arbeitet er in München, in der Freizeit tüftelt er

In Zeiten steigender Mieten und teurer Eigenheimträume könnte das Containerhaus ein alternatives Wohnmodell, vielleicht sogar ein Trend, werden. Erst vor zwei Jahren hat Maximilian Eule seine eigene Firma gegründet, MLab Design. Der gelernte Schreiner entwirft Mobiliar, das geradlinig, funktional und ästhetisch wirkt. Natürlich ist sein Wohncontainer auch mit seinem Mobiliar ausgestattet. Das meiste erarbeitet er in Nachtschichten, während er tagsüber seinem Job als Designer, Konzepter und Produktgestalter in einer Münchner Agentur nachgeht. Die Möbel sowie das Containerhaus sind sein Versuch, ein eigenes Business aufzubauen. Die Möbel werden verkauft, das Haus soll es frühestens in einem halben Jahr zu kaufen geben.

Zunächst wird getestet. Und wer könnte das besser als die Kleinfamilie selbst? Raumklima, Belüftung, Heizung, Abwasser, Toilette. Was könnte verbessert werden? Max Eule denkt über eine kleine Wärmepumpe anstelle der Trumagasheizung nach. Solarzellen auf dem Dach wären auch nicht schlecht. Normale Wohncontainer, wie sie auch für Flüchtlingsunterkünfte benutzt werden, findet Max Eule hässlich. Die Schiffscontainer dagegen haben ein „industrial flair“. Auch Holzständerbauweise mit Dämmmaterial komme nicht infrage. Die zehn Zentimeter massive Holzinnenverkleidung stammt von Andreas Reßle und seiner Zimmerei in Peiting, die mit lokalem Holz arbeitet.

Die Wohncontainer können am Wochenende besichtigt werden

Demnächst soll das Hausklima in wärmeren Gefilden getestet werden. Wird die Lüftung bei Hitze ausreichen? Die Familie wird ein paar Monate mit ihrem Haus auf einem gepachteten Grundstück an der Algarve in Portugal wohnen. Da trifft es sich gut, dass Max Eule auch Surfer ist und Tamara Hub eine reisefreudige Weltenbummlerin. Später sollen die Container als extravagante Airbnb-Ferienwohnung dienen, aber vor allem Interessenten ein probeweises Wohnen ermöglichen.

Nebenan im zweiten Container, erreichbar über eine kleine Verbindungsbrücke, befindet sich ein erstaunlich großes Wohnzimmer mit Fenstern bis zum Boden, die den Blick in die Natur freigeben. Hinten entsteht das Kinderzimmer. Und Max Eule stöhnt ein wenig, denn am Sonntag muss alles fertig sein. Sonntag ist „Tag der offenen Tür“, jeder darf durchs Wohnzimmer spazieren und sich selber überzeugen. Am 23. März geht die Reise nach Portugal los. Wer es am Sonntag nicht schafft, dürfe nach Voranmeldung noch einen Besichtigungstermin bekommen.

Infos unter home@mlab.design. Tag des offenen Containers: Sonntag, 25. Februar, von 12 bis 18 Uhr in der Bahnhofstraße 31 in Schwabhausen bei Weil.

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