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Landkreis Landsberg

25.12.2020

Diese frohen Botschaften predigen die Pfarrer im Kreis Landsberg

Prächtig geschmückte Kirchen (hier St. Pankratius in Schwifting) vermitteln Normalität, die es im Corona-Jahr aber auch an Weihnachten nicht gibt. Die Pfarrer im Landkreis gehen in ihren Predigten auf die Ausnahesituation ein.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Wegen der Corona-Pandemie finden die Gottesdienste an Weihnachten anders als gewohnt statt. Die Geistlichen im Landkreis Landsberg machen in ihren Predigten Mut.

„Kein Fest im Kirchenjahr ist so mit bestimmten Vorstellungen und Erwartungen verbunden wie das Weihnachtsfest“, sagte Pfarrer Rudolph bei der Christmette in Penzing. Doch gerade in diesem besonderen Jahr waren diese Vorstellungen nur schwer zu erfüllen: Die Christmetten mussten auf den frühen Abend verlegt werden, die Gottesdienste fanden zum Teil im Freien statt – und ohne Anmeldung konnte man nicht zur Messe. Corona machte „normale“ Weihnachten nicht möglich. Und dennoch kam bei den Zusammenkünften der Gläubigen festliche Stimmung auf.

Von Weihnachten „unter widrigen Umständen“ sprach Pfarrer Martin Rudolph. „Wir erleben die Diskrepanz zwischen dem, was wir an Weihnachten erhoffen, was wir mit dem Weihnachtsfest verbinden und unserer Lebenswirklichkeit in diesen Tagen des Lockdowns.“

Dabei, so Rudolph, sei die Diskrepanz gar nicht so groß, wie sie auf den ersten Blick erscheine. Schaue man sich das Weihnachtsevangelium nach Lukas genauer an, werde dort nur in einem Nebensatz von der Geburt Christi gesprochen. „…und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe.“

Pfarrer Martin Rudolph ging bei der Christmette in Penzing auf die widrigen Umstände ein, unter denen heuer Weihnachten gefeiert wird.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Viel ausführlicher seien zuvor die beschwerliche Reise und die widrigen Umstände, unter denen sich die Geburt Christi ereignet habe, geschildert. „Gerade die Diskrepanz, die Spannung zwischen dem, was da sichtbar geschieht, eine Geburt unter primitiven, provisorischen und widrigen Umständen und dem, was dieses Ereignis für die Heilsgeschichte bedeutet, gehört zum Weihnachtsgeschehen“, so Rudolph. Man könne und brauche sich nicht in eine heile Welt flüchten, die es ohnehin nicht gebe, „aber wir dürfen gewiss sein, dass Gott in Christus in unsere unheile Welt gekommen ist“.

St. Ottiliens Erzabt rückt eine Liedzeile von Leonard Cohen in den Mittelpunkt

Eine Liedzeile des 2016 verstorbenen Liedermachers Leonard Cohen rückte Erzabt Wolfgang Öxler aus St. Ottilien in den Mittelpunkt seiner Weihnachtspredigt, die das Kloster in seiner Gebrauchsanleitung für Weihnachten zu Hause veröffentlicht hat. Diese Liedzeile Cohens lautet ins Deutsche übersetzt: „Alles hat irgendwo einen Riss, aber genau das ist der Spalt, durch den das Licht fällt.“

Ein Bruch lässt etwas Neues entstehen

Besser, so der Erzabt, könne man die Weihnachtsbotschaft nicht auf den Punkt bringen: „Wo wir um uns herum Zerbrochenes und Zerstörtes sehen, und wo wir uns selbst verwundet und ängstlich fühlen – genau da kann eine neue Welt, eine andere Wirklichkeit aufleuchten.“ Durch die Geburt seines Sohnes wolle Gott den Himmel in die oft so armselige Welt hereinscheinen lassen.

Erzabt Wolfgang Öxler wählte für seine Predigt in der Broschüre für "Weihnachten zu Hause feiern" eine Textzeile des Liedermachers Leonard Cohen aus.
Bild: Thorsten Jordan

Das Motiv von den Brüchen in der Welt setzt Erzabt Wolfgang mit einem Blick nach Japan fort. Dort sei es üblich, eine zerbrochene wertvolle Keramikschale nicht nur mit Kitt und Lack zu flicken, sondern auch mit feinem Goldstaub. So wirkten diese Brüche besonders kostbar, das Gefäß werde neu und anders. Genau das werde auch an Weihnachten gefeiert: „Den Geburtstag des Menschen, der das Gold, die Farbe des Himmels in unser verletzliches Leben und in unsere zerrissene Welt bringt. Er lässt uns etwas ahnen von dem Heil, nach dem wir uns sehnen.“

Landsbergs Stadtpfarrer plädiert für klare Worte

Der Landsberger Stadtpfarrer Gregory Herzel betonte in seiner Predigt, welcher „Anspruch“ Weihnachten bedeutet. „Weihnachten spricht an, die Weihnachtsgeschichte ist ansprechend, das Fest mit all seinen Lichtern und seinem Glanz verspricht etwas Besonderes“, so Herzel. Er variierte die Bedeutungen von „sprechen“ und brachte es so auf den Punkt: „Gott spricht uns an.“ Und das nicht abstrakt, sondern ganz konkret – eben auf „ansprechende“ Weise.

Landsbergs Stadtpfarrer Gregory Herzel sprach davon, wie wichtig gerade in schwierigen Zeiten eine klare Sprache ist.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Und Gott spreche auf klare Weise. Gerade in so schwierigen Zeiten wie jetzt, sei die Sprache ein wichtiges Mittel zur Kommunikation, aber sie müsse eindeutig – eben klar sein. „Am ersten Weihnachtsfest spricht Gott selbst zu uns. Und es geht um Wesentliches“, so Herzel. Und das beinhalte kein unverständliches Stimmengewirr, keine missverständlichen Spitzfindigkeiten.

"Weihnachten will ansprechen"

Es sei ein „liebendes, endgültiges und nachhaltiges Ja. Ein Ja zum Menschen“, so Herzel. „Weihnachten will ansprechen – Gott will ansprechen, heute“, betonte Herzel. Damit verbunden sei die Aufforderung an den Menschen, menschlich zu bleiben, das Leben zu lieben und dem Schöpfer zu vertrauen. Und das gerade auch in diesen schweren Zeiten.

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