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Tierwelt

31.08.2019

Dieses Huhn ist eine Besonderheit

Das Landsberger Theaterhuhn Bambi (vorne) ist eine lokale Berühmtheit. Hannah Staroste (hinten) züchtet die besondere Rasse gemeinsam mit ihrer Mutter Kaja Heckmann-Staroste.
Bild: Julian Leitenstorfer

Zwei Landsbergerinnen züchten das Augsburger Huhn. Warum es ihnen diese Rasse besonders angetan hat und eines ihrer Tiere eine lokale Berühmtheit ist

Das schwarze Gefieder schimmert in grünlichem Glanz, der rote Kamm kontrastiert zu den schwarzen Federn und weiße Ohrscheiben. Auf den ersten Blick ein hübsches, aber normales Huhn. Doch Bambi ist ein Augsburger Huhn und eine Besonderheit. Sie gehört zur einzigen in Bayern gezüchteten Hühnerrasse, die allerdings vom Aussterben bedroht ist. Außerdem ist die zweijährige Henne auch lokal bekannt: Sie stand beim Ruethenfestspiel auf der Bühne. Bambi gehört Hannah Staroste und ihrer Mutter Kaja Heckmann-Starost, die am Stadtwaldhof das Augsburger Huhn züchten.

Dieses Jahr schaffte es Bambi schließlich, als Theaterhuhn eine etwas größere Bekanntheit in Landsberg zu erlangen: Beim Ruethenfest durfte sie im Theaterstück „Der Schwed“ ihre Schauspielkunst auf der Bühne unter Beweis stellen. Nach der Anfrage von Regisseur Herbert Walter, er brauche für sein Theaterstück ein zahmes Huhn, fiel die Auswahl sofort auf Bambi. Sie sei das zutraulichste und ruhigste Huhn. Bambis neun Auftritte kamen gut an: „Immer wenn das Huhn die Bühne betreten hat, ging ein Raunen durch das Publikum“, erinnert sich Hannah Staroste.

Die beiden Züchterinnen sind begeistert vom Augsburger Huhn: „Der Farbkontrast zwischen dem dunklen Gefieder, den weißen Ohrscheiben und dem roten Kamm ist wirklich schön“, sagt Hannah Staroste. Charakterlich seien die Hühner dazu sehr vital und aufgeweckt. Hannah kümmere sich mehr um die Tiere, während ihre Mutter organisatorische Aufgaben übernimmt. „Bei unserer Anzahl an Hühnern lässt sich die Zucht zu zweit noch als Hobby betreiben“, sagt sie.

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Seit 2014 betreibt Hannah Staroste zusammen mit ihrer Mutter in Landsberg die Erhaltungszucht der Augsburger Hühner. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen stuft das Augsburger Huhn in der höchsten Gefährdungskategorie als extrem gefährdet ein. 2016 wurden 405 Tiere der Rasse gezählt. Das wichtigste Ziel sei somit, das Aussterben der bedrohten Rasse zu verhindern.

Zur Zeit haben sie, so Hannah Staroste, zehn Althennen zwischen einem und fünf Jahren, 22 Junghennen, die im März geschlüpft sind, und neun Hähne der Augsburger Rasse. Die Tiere leben auf einer Fläche von etwa 100 Quadratmetern in ihrem Garten. Im Herbst werden die zwei besten Hähne und fünf bis sechs Hennen für die weitere Zucht ausgewählt. „Das wichtigste Merkmal für die Auswahl der Zuchttiere ist der Kronenkamm“, sagt die 21-Jährige. Auch die Gefiederform und -farbe, die Augen- und Fußfarbe sowie die Farbe der Ohrscheiben – je weißer desto besser – spielten bei der Auswahl eine Rolle. Neben diesen visuellen Merkmalen entscheide schließlich noch die Legeleistung und die Charaktereigenschaft eines Huhns über dessen Eignung zur weiteren Zucht.

Nach 14 Tagen würden bereits die schönsten Küken ausgewählt. Die restlichen, etwa die Hälfte, würden an andere Züchter oder sonst Interessierte weitergegeben. Im Herbst, wenn die Hühner größer seien, bestimmten die Züchterinnen schließlich die Tiere, die sich für die weitere Zucht eigneten und ihre Merkmale an die nächste Generation weitergeben sollten.

Die Rasse Augsburger Huhn entstand um 1870 in Haunstetten, wie die Züchterinnen erzählen. Damals habe das Tier durch seine Legeleistung und die Fleischqualität überzeugt. Es sei jedoch nicht gelungen, das bedeutendste Merkmal, den Kronenkamm zu züchten. Das Augsburger Huhn könne heute mit seiner Legeleistung von etwa 180 Eiern pro Jahr nicht mit den industriellen Legehennen mithalten, die bis zu 300 Eier legen. Außerdem bräuchten die Hähne der Rasse acht und die Hennen fünf bis sechs Monate, bis sie ausgewachsen seien. Masthühner in industrieller Züchtung werden bereits nach 28 bis 36 Tagen ausgewachsen geschlachtet.

Weitervererbt wird nicht nur Aussehen oder Legeleistung, sondern auch Charaktereigenschaften, wie die Züchterinnen beobachtet haben: Bambi habe zum Beispiel ihre ruhige und zutrauliche Art an Bini, ihre Tochter, und auch an ihre Enkelin, die noch keinen Namen trägt, weitergegeben, so Hannah Staroste. Auch Bambi, als erfolgreiches Theaterhuhn, habe ihren Erfolg bereits in die Wiege gelegt bekommen. Denn sie ist die Urenkelin der mittlerweile fünfjährigen Henne Funny, mit der Hannah Staroste 2014 mit der Höchstpunktzahl Bayerische Meisterin bei der Landesjugendschau für Geflügelzüchter geworden ist.

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