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Kaufering

18.05.2020

Diskussion um Mobilfunkmast in Kaufering

Auf der Sporthalle im Kauferinger Sportzentrum befindet sich ein Mobilfunkmast der Telekom. Das Unternehmen möchte den Mietvertrag verlängern und neue Technologie installieren. Das stößt auf Widerstand im Marktgemeinderat.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Gemeinderat Dr. Patrick Heißler kritisiert die Pläne der Telekom, am Masten auf der Kauferinger Sporthalle neue Technik zu installieren. Was der Konzern plant, sollte es keine Einigung geben.

Im Marktgemeinderat Kaufering ist in der jüngsten Sitzung über die Mobilfunkstation in der Bayernstraße diskutiert worden. Was mit einem längeren Sachvortrag mit vielen technischen Details begann, entwickelte sich zu einem Schlagabtausch zwischen zwei Physikern. Der eine ist das Ratsmitglied Dr. Patrick Heißler (Grüne) und der andere, Wilhelm Kielmann. Letzterer arbeitet für die Deutsche Funkturm, eine Tochterfirma der Telekom, und hielt den Vortrag.

Aus Sicht des Telekommunikationskonzerns ist der Standort auf dem Dach der Sporthalle in der Bayernstraße ideal, um Kauferings Smartphone-Nutzer zu versorgen. Deswegen möchte die Telekom den Mietvertrag mit der Gemeinde verlängern und neue Technologie installieren. Dies wurde aber im vergangenen November vom Marktgemeinderat abgelehnt, weil Sorgen geäußert wurden, dass der Mobilfunkstandard 5G Gefahren für die Gesundheit der Bürger berge.

Es gibt noch zu wenige Studien

Heißler verwies jetzt darauf, dass die Forschung zu den Auswirkungen auf den menschlichen Körper noch liefen und es zu wenige Studien dazu gebe, wie sich die Nutzung des Frequenzbereichs zwischen 20 und 60 Gigahertz auswirke. Der aktuelle Mobilfunk nutze Frequenzen bis 2,6 Gigahertz. Grundsätzlich gelte: Je höher die Frequenz, desto geringer die Reichweite.

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Kielmann bezeichnete die Debatte als „verlogen“, weil die Menschen andere Technologien wie das Radar am Fahrzeug auch nutzten. In dem Bereich werde mit Frequenzen von 70 Gigahertz gearbeitet, sagte er. Heißler bezeichnete die Äußerung als „pseudowissenschaftlich und nicht haltbar.“ Beim Mobilfunk seien die Signale von Sender und Empfänger überall, und es sei nicht möglich, den elektromagnetischen Feldern aus dem Weg zu gehen.

Ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent

Frank-Peter Käßler, Kommunikationsbeauftragter Mobilfunk Bayern bei der Telekom, verwies darauf, dass die zusätzliche Bandbreite benötigt werde. „Wir haben jedes Jahr einen Zuwachs von mehr als 60 Prozent beim Datenvolumen. Deswegen wollen wir die Mobilfunkstationen so optimieren, dass diese auch den Anforderungen in einigen Jahren noch genügen.“ Frequenzbereiche bis 60 Gigahertz seien vor allem für die Wirtschaft interessant, so Käßler. Patrick Heißler kann hingegen aktuell keinen Bedarf erkennen. „Ich denke nicht, dass bei uns zeitnah autonom fahrende Fahrzeuge unterwegs sein werden“, so Heißler. Das wäre ein mögliches Anwendungsfeld der Technologie.

Für die Telekommunikationsunternehmen und die Nutzer ist die 5G-Technologie vor allem deswegen interessant, weil die Signale von der Sendestation dorthin geschickt werden, wo sie benötigt werden, wurde in der Sitzung gesagt. Dadurch könnten Daten deutlich schneller und auch größere Mengen transportiert werden. Die neuen 5G-Sendestationen ließen sich, anders als der bisherige Standard, zudem in kleinen Kästen quasi überall montieren. Das mache die Technik für Ballungszentren oder auch in Fußballstadien interessant, wo sich viele Handynutzer auf engem Raum aufhalten.

Kein Vertrag mit Ausschlussklauseln

Ob die Telekom denn bereit sei, gewisse Frequenzen in einem neuen Vertrag mit der Marktgemeinde auszuschließen, hakte Heißler nach. „Verträge mit Ausschlussklauseln machen wir nicht“, sagte Physiker Kielmann. „Können wir 5G nicht sicherstellen, können wir den Standort knicken.“ Zudem gebe es die Vorgabe der Politik, dass 5G flächendeckend verfügbar sein solle bis zum Jahr 2025, so Käßler. Aus seiner Sicht wäre solch eine Klausel auch unverantwortlich für sein Unternehmen, weil die höheren Frequenzen mittelfristig für 6G benötigt würden. Er rechne damit, dass diese Technologie innerhalb der nächsten zehn Jahre kommen werde. Patrick Heißler erkundigte sich zudem, ob der Konzern die Verantwortung übernehme, wenn sich in zwei Jahren zeige, dass die Strahlung doch das Krebsrisiko erhöhe. Wilhelm Kielmann entgegnete: „Wir halten alle gesetzlichen Vorgaben ein und sollen trotzdem haften? Außerdem kaufen wir die Technik auch nur ein.“

Thomas Wiesmann (SPD) erkundigte sich, ob die Telekom alternativ in unmittelbarer Nähe auf einem Privatgrundstück einen Masten bauen werde, wenn es zu keiner Einigung mit der Marktgemeinde komme. Käßler bejahte dies. Für das Vorhaben warb sein Fraktionskollege Markus Wasserle, es sei wichtig für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Gemeinde.

Auch die Verwaltung empfiehlt diesen Standort. Eine Überprüfung habe gezeigt, dass es keinen geeigneteren in der Umgebung der Sporthalle gebe. Das Thema wird den Kauferinger Marktgemeinderat wohl weiter beschäftigen.

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