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Initiative am Ammersee

08.07.2016

Dorow will Mücken mit BTI bekämpfen

Nasser Juni und jetzt heiße Julitage, das ist das perfekte Wetter für eine gute Entwicklung der Stechmückenbrut.  
Bild: Uwe Anspach (picture alliance/dpa)

Der CSU-Abgeordneter verweist auf Erfolge am Chiemsee. Im Landkreis Landsberg muss er aber zuerst Bürgermeister und Gemeinderäte überzeugen.

„Keine Mückenplage am Ammersee“ – das fordern Landtagsabgeordneter Alex Dorow und der Schondorfer Gemeinderat Rainer Jünger (beide CSU). Denn heuer gibt es wieder ideale Bedingungen für die Mückenbrut: starke Niederschläge während der letzten Wochen und jetzt hohe Temperatur. „Erst konnte man wegen dem Regen wochenlang nicht raus und jetzt hält man es mit den Schnaken draußen nicht aus“, äußert sich Rainer Jünger in einer Pressemitteilung von Dorow. Die Mücken „fallen über einen her, sodass man geschlossene Räume vorzieht“, so Jünger, der eine Initiative „Keine Mückenplage am Ammersee“ ins Leben gerufen hat.

Unterstützung bekommt er dabei von Dorow, der Handlungsbedarf sieht: „Es ist nicht nur für die Seeanlieger unerträglich, auch können sich Schüler und Kindergartenkinder derzeit kaum noch im Freien aufhalten.“ Darüber hinaus wirke sich diese Situation inzwischen auf den Tourismus aus, da Urlaubsgäste vorzeitig abreisten oder im Vorfeld andere Ziele wählten. Dorow zitiert in seinem Schreiben auch auf Siegfried Luge, den Bürgermeister der Gemeinde Eching, der auf die Situation nach dem Hochwasser von 1999 verweist, als sich die Echinger Bürger wegen Mücken „in den geschlossenen Räumen verschanzt haben“. Zwar sei es für dieses Jahr bereits zu spät, so Luges Einschätzung, „doch können wir etwas unternehmen, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“

Alex Dorow hat sich bei zahlreichen Seegemeinden kundig gemacht und fordert nun in der Pressemitteilung zur Lösung des Problems eine Stechmückenbekämpfung wie am Chiemsee. Dort werde seit Jahren sehr erfolgreich der Wirkstoff BTI, ein Wirkstoff aus dem Bacillus thurigiensis israelensis, zur Stechmückenbekämpfung bei Extremsituationen eingesetzt. Hierzu hat sich der Stimmkreisabgeordnete mit seinem Traunsteiner Kollegen Klaus Steiner über die Erfahrungen mit dem Einsatz von BTI, einem ungiftigen Eiweißstoff, ausgetauscht und will nun eine entsprechende Initiative für den Ammersee starten. Die beiden Abgeordneten sind sich laut Dorow zudem einig, dass für Bayern ein Stechmückenkonzept entwickelt werden sollte, da sich zunehmend auch exotische Arten, wie etwa die Tigermücke, bei uns ansiedeln. Damit wachse die Gefahr von bisher hierzulande kaum auftretenden Erkrankungen. Dorow sieht seinen Vorstoß, als „Testballon“, wie er dem LT sagte. Er will sehen, „ob das, was am Chiemsee läuft, auch bei uns läuft“. Die Bürgermeister am See hat er, bis auf Luge, noch nicht kontaktiert, bisher aber viel Gespräche mit Bürgern geführt.

Dorow will Mücken mit BTI bekämpfen

Statistischer Nachweis, dass vermehrt Stechmücken unterwegs sind, ist der Verkauf von Mückenschutzmitteln und der ist seit Mitte Juni rapide gestiegen, wie Irmgard Gebertshammer von der Römhild-Apotheke in Dießen bestätigt. So wie 2010 und 2012 sei es aber noch nicht.

Echings Bürgermeister Luge hatte sich schon 2010 an die benachbarten Gemeinden gewandt für eine gemeinsame Aktion. Denn für ihn macht es nur Sinn, wenn das Mittel in einem größeren Radius eingesetzt wird. Die richtige Mückenplage ist seiner Meinung noch gar nicht da, es hänge jetzt vom Wetterverlauf ab: Werde es sehr heiß und trocken oder richtig kalt, „dann gehen die Mücken kaputt“.

Skeptisch gegenüber einer Mückenbekämpfung mit BTI ist Schondorfs Grüner Bürgermeister Alexander Herrmann. Er verweist auf die Bedeutung von Mücken in der Nahrungskette. Die kleinen Plagegeister sind laut Herrmann zwar durchaus Gesprächsthema in Schondorf, im Rathaus sei jedoch noch kein Antrag eingegangen. Herrmann setzt auf Moskitonetz, langärmlige Kleidung am Abend und Mückenschutz. „Wir leben am See.“

Auch Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch reagiert zurückhaltend auf den Vorschlag, BTI einzusetzen. „Für mich ist wichtig zu wissen, was für Langzeitwirkungen dies auf Mensch und Natur hat.“ Was es koste, sei eine weitere interessante Frage. Und seines Wissens nach ist der Einsatz von BTI in waldreichen Gebieten auch nicht so wirkungsvoll.

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