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29.07.2007

Drei Gymnasien auf dem Gletscher

Landsberg (lt) - Schülerinnen und Schüler der beiden Landsberger Gymnasien Dominikus-Zimmermann und Iganz-Kögler verbrachten gemeinsam mit Schülern des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg auf Einladung der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München ein viertägiges Gletscherpraktikum auf dem Vernagtferner.

Der Gletscher liegt am Ende des Venter Tales, einem malerischen Seitental des Ötztales auf 10 Grad/49 Minuten östlicher Länge und 46 Grad/52 Minuten nördlicher Breite in der Trockeninsel der Zentralalpen.

Die Gruppe überprüfte dabei die bereits vor einem Jahr von einem Team des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums Landsberg am Lech an gleicher Stelle erstellten Hypothesen und begonnenen Messungen.

Als Stützpunkt hatte man erneut die auf 2700 m hoch gelegene Vernagthütte gewählt, gearbeitet wurde im Umkreis der Vermessungsstation der Münchner Glaziologen, etwa 1500 m entfernt vom aktuellen Zungenende des Vernagtferners.

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Unter der Anleitung von Dr. Ludwig Braun und seines Assistenten Erich Heucke und betreut durch die Lehrer Ursula Dötzer, Stephan Heilmann (beide Wasserburg), Herrmann Kümmeth, Hans Schappert und Peter Weber (alle Landsberg) sowie drei studentischer Mitarbeiter arbeiteten die jungen Gletscherforscher im Bereich der Biologie, Glaziologie, Hydrologie, Meteorologie und der GPS gestützten Kartenkunde.

Die Untersuchungen

Erstmals wurde das Gletschervorfeld zwischen aktueller Zunge und dem Gletscherrand aus dem Jahre 1900 untersucht. Fragen der Sukzession und des Klimaxstadiums der Pflanzenwelt standen dabei im Vordergrund.

Kaum vom Eise freigegeben, erobern Pionierpflanzen der subnivalen Stufe das Gletschervorfeld, sukzessive gefolgt von Pflanzengesellschaften der tiefer gelegenen übrigen Höhenstufen in den Alpen, bis sich nach vielen Jahren ein Klimaxstadium einstellt, neues Leben entsteht in einer Mondlandschaft.

Während also der Gletscherrand aktuell im kurzen Bergsommer erblüht, waren die übrigen Arbeitsergebnisse der restlichen Gruppen mehr als beunruhigend: Der Vernagtferner hat Abschmelzraten die beängstigend sind.

Wahre Sturzbäche von Gletscherwasser rauschen tagtäglich über Vernagtbach und Rofener Ache hinab ins Ötztal, weil der "Schwamm" des Gletschers, die Firnregion über 2800 m NN infolge der Klimaerwärmung ständig schrumpft.

In dramatischer Weise konnten die Schüler bei einem Kaltfrontdurchzug den Massenverlust beobachten, als während eines Gewitterniederschlags der Gletscherwasserabfluss, verstärkt durch Regen- und Graupel, in kürzester Zeit gewaltig anschwoll.

" Tipp für das eigene Gletschererlebnis: Mehr sehen Sie unter www.glaziologie.de. Den Gletscher können Sie unter der Telefonnummer 089/37914058 auch hören.

Im Rahmen eines internationalen Kunstprojektes verschafft der Künstler Kalle Lahr dem Klimawandel Gehör.

Er hat im Juni dieses Jahres an der Forschungsstation Vernagtbach am Gletscherbach ein Mikrofon installiert. Es fängt das Schmelzwasser-Rauschen des sterbenden Riesen auf.

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