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Böllerschießen

23.12.2013

Dreifacher Salut fürs Christkindl

Insgesamt elf Mitglieder hat der Verein Kanoniere Dießen, hier im Bild (von links) Alfred Werner, Dominik Werner, Doris Werner, Mike Schielke, Tamás Hetényi.
Bild: Kanoniere Dießen

Dießener Kanoniere kommen am heutigen Montagabend in die Seeanlagen

Nicht erschrecken, wenn es am heutigen Montagabend um 19 Uhr kracht in den Dießener Seeanlagen. Dann wird das Christkind angeschossen, ein alter bayerischer Brauch, wie Schützenmeister Dominik Werner von den Kanonieren Dießen erzählt. Der Verein hat sich im November 2012 gegründet.

„Böllerschießen ist eine Tradition, bei dem an besonderen Festen und Ereignissen mit speziellen Böllergeräten und Schwarzpulver Krach erzeugt wird“, heißt es zu dem Thema in Wikipedia. So manche Brauchtumserklärung verweist darauf, dass die Altvorderen die Dämonen der Winternächte mit ihrem Krach vertreiben wollten, Lärm-Brauchtum nennt man dies, es wurde geschossen, gerasselt und geklingelt. Es gab unter anderem auch ein „Wolfsausläuten“. Andere verweisen darauf, dass mit Böllerschüssen das Erwachen der Natur nach der Wintersonnwende gefeiert wurde.

Die Tradition des Böllerschießens um die Weihnachtszeit lässt sich bis ins 14. Jahrhundert verfolgen. In der jüngeren Vergangenheit steht die christliche Botschaft im Mittelpunkt. „Die Ankunft des Göttlichen wird gefeiert“, erzählt Werner. Und im Volksglauben hieß es, dass Böllerschüsse und Glockenklang dem Christkindl den Weg auf die Erde weisen würden. Das Christkindlanschießen habe es früher nicht nur in den Alpen gegeben, erzählt Werner, bis ins Frankenland hinein habe man dies praktiziert.

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Eigentlich gibt es viele Anlässe, um einen Salut zu schießen, kirchliche Patronatstage oder Hochzeiten beispielsweise, doch das Böllerschießen ist wegen des erzeugten Krachs kein bei allen beliebtes Brauchtum, wie Werner ausführt. So will sich der Verein auf wenige Anlässe beschränken, die Feuertaufe fand im Juli bei der Fahnenweihe des Huosigaus statt. Die Dießener Kanoniere wollen ihre Dienste der Gemeinde und den Ortsvereinen bei traditionellen Veranstaltungen zur Verfügung stellen

Der Verein hat sich eine Kanone zugelegt, das gusseiserne Rohr wurde im Chiemgau gefertigt und die Lafette nach Beispielen aus napoleonischer Zeit nachgebaut. Vier der elf Vereinsmitglieder dürfen mit Schwarzpulver hantieren, sie haben einen entsprechenden Sprengstoffschein. „Die Böllerkanone gilt nicht als Waffe, sie ist ein schallerzeugendes Gerät“, erklärt Dominik Werner.

Gelernt, wie es geht, haben die Dießener Kanoniere bei einem Böllerbauer. Dort gebe es Kurse und es würden Sicherheitsschulungen abgehalten, sagt Werner. „Da lernt man den Umgang mit der Kanone.“ Und geübt wurde auch auf der Anlage eines Böllervereins in Buchloe.

Keine Detonation, sondern eine Verbrennung

Was so laut kracht ist übrigens laut Werner keine Detonation, sondern eine sehr schnelle Verbrennung, die dann das charakteristische „Wumm“ des Böllerschusses erzeuge. Aufgrund der Lautstärke, aber auch wegen der bis zu vier Meter langen Stichflamme, die aus dem Kanonenrohr schießt, ist es ratsam, Abstand zu halten. Drei Mal wird heute geschossen werden, der Verein will auch noch für musikalische Umrahmung sorgen.

In der jüngeren Vergangenheit gibt es immer mehr Böllerschützen. Die Mitglieder in Dießen sind zwischen 30 und 60 Jahre alt und mit Werners Ehefrau Doris wird demnächst auch eine Frau den Sprengschein machen. Im Internet

www.kanoniere-diessen.de

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