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Landsberg

17.01.2019

Drogen: Aus Angst den Richter angelogen?

Um 200 Gramm Marihuana ging es vor dem Landsberger Amtsgericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Es geht um fast 200 Gramm Marihuana: Jetzt rückt ein junger Mann vor dem Amtsgericht Landsberg mit einigen Monaten Verspätung mit der Wahrheit heraus.

Als die Polizei im Juli 2017 vor der Tür stand, flogen fast 200 Gramm Marihuana – verpackt in zwei Druckbeutel-Behältern – aus einer Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in Landsberg. Keiner der Bewohner wollte die Drogen „entsorgt“ haben: Weder der 28-jährige Mann noch die Frau, die dort mit einem Kleinkind wohnen. Auch der 20-jährige Mann, der dort übernachtet hatte, tat so, als wisse er von nichts.

So blieb es auch am 18. April 2018 vor dem Schöffengericht in Landsberg, als wegen der Drogengeschichte verhandelt wurde. Schließlich wurde der 28-jährige Mann zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt, weil er die 193 Gramm Marihuana in seiner Wohnung aufbewahrt haben soll. Darauf deuteten für die Polizeibeamten und das Gericht eine auf einem Bett im Schlafzimmer gefundene Drogenwaage und Anhaftungen von Marihuana an einer Schale hin.

Ein 28-Jähriger sollte eigentlich ins Gefängnis

Der 28-Jährige legte nach der Verhandlung Berufung gegen das Urteil ein. Das Verfahren wurde vor dem Landgericht Augsburg neu aufgerollt. Es nahm eine unerwartete Wendung: Der 20-jährige Mann, der in Landsberg vor Gericht gesagt hatte, mit den aus dem Fenster geflogenen Drogen nichts zu tun gehabt zu haben, wurde als Zeuge vor dem Landgericht gesprächig. Er sei es gewesen, der die Drogen weggeworfen habe. Er habe Angst gehabt und wollte sich vor dem Richter in Landsberg nicht offenbaren, räumte er reumütig ein. Irgendwann habe er dann aber die Heimlichtuerei sattgehabt, und sich vorgenommen, „klar Schiff zu machen“. Deshalb saß er jetzt selbst als Angeklagter vor dem Jugendschöffengericht.

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Mit 13 sei er erstmals mit Drogen in Kontakt gekommen. Außer Heroin habe er fast sieben Jahre alles konsumiert, was auf dem Markt war – bis Mitte April 2018. Seither meide er Rauschgift und steuere aus eigenem Antrieb dagegen: durch die Entgiftung in einem Krankenhaus eine erfolgreich geführte Therapie – und durch eine Nachsorge, die über 14 Wochen laufen wird. Er möchte, wie er sagte, nicht mehr vernebelt durchs Leben gehen, sondern ein normales Leben führen.

Zum Glück für den 28-Jährigen rückt der junge Mann mit der Wahrheit heraus

Das wäre im Sinne von Jugendschöffenrichter Alexander Kessler. Er forderte den Angeklagten auf, sich auf eigene Füße zu stellen und nicht weiterhin eine Rundum-Betreuung zu genießen, für die andere finanziell aufkämen. Rechtsanwältin Dr. Silke Ackermann wies darauf hin, dass ihr Mandant die Weichen für ein drogenfreies Leben gestellt habe und eine günstige Sozialprognose aufweise. Sie plädierte für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten und 120 Stunden Sozialarbeit.

Staatsanwältin Cornelia Böttcher hielt bei dem Angeklagten, der vier Vorstrafen hat, 150 Stunden für angemessen. Das Urteil lautete ein Jahr und zehn Monate, für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Für zwei Jahre wird dem Mann eine Bewährungshelferin zur Seite gestellt. Als Auflage kommen 150 Stunden gemeinnützige Arbeit hinzu.

Anschließend entschuldigte sich der junge Mann beim Richter, dass er ihn angelogen habe. Nach Bekanntwerden der uneidlichen Falschaussage des 20-Jährigen wurde die Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten für den 28-Jährigen hinfällig. Er bekam jedoch eine Geldstrafe: für den Besitz mehrerer Gramm Haschisch, die eindeutig als sein Eigentum identifiziert werden konnten. (eh)

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