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Landsberg

25.02.2020

Drogenprozess in Landsberg: Drama auf der Zeugenbank

Um Drogen ging es bei einem Prozess in Landsberg.
Bild: Picture alliance/dpa

Plus Bei einem Drogenprozess in Landsberg kommt es auf die Aussagen einer Zeugin an. Die Frau bricht fast zusammen.

Die Nichte des 39-jährigen Angeklagten wäre gestern auf der Zeugenbank im Amtsgericht fast zusammengebrochen: Sie sollte gestehen, weil die Angeklagten, so der Richter, nicht die Wahrheit sagten. Deshalb musste sie dem Schöffengericht die in dem Strafprozess alles entscheidende Frage beantworten: „Wollte der Angeklagte am 18. April 2019 die 100 Gramm Marihuana, die von der Polizei bei ihm auf dem Rücksitz seines Autos gefunden wurden, zu Ihnen bringen? Ja oder Nein?“

Mit tränenerstickter Stimme

Es dauerte wohl eine Stunde, mit mehreren Unterbrechungen und Nachfragen von Richter Alexander Kessler, bis die 29-jährige Frau mit tränenerstickter Stimme und zunächst nur mit einem Kopfnicken in der Lage war, ein Ja zu signalisieren.

Soweit und zu einem dritten Verhandlungstermin hätte es nie und nimmer kommen müssen, wenn die beiden Angeklagten – der Mann und die 24-jährige Mitangeklagte – dem Gericht in der Hauptverhandlung am 5. Februar und in der zweiten Runde am 12. Februar die Wahrheit gesagt hätten, so der Vorsitzende.

Drogenprozess in Landsberg: Drama auf der Zeugenbank

Die Angeklagten sitzen seelenruhig da

Das erzürnte nicht nur den Richter maßlos. Sondern auch die beiden Staatsanwältinnen: Yvonne Möller war zwei Mal dabei, Saskia Eberle nur bei der ersten Fortsetzung. Schon bei diesem Termin sprach sie davon, dass „vieles erlogen und erstunken“ sei, was die beiden im Gerichtssaal und vorher bei den Vernehmungen durch die Polizei gesagt haben. Ihre Kollegin Möller blies gestern in das gleiche Horn. Fast zur Weißglut gerieten die Vertreterin der Anklage und der Richter, als die beiden Angeklagten seelenruhig da saßen und keinen Pieps von sich gaben, obwohl sie sahen, dass die Zeugin, die Nichte des 39-Jährigen, schrecklich litt, weinte, ja heulte - und wahnsinnig im Zwiespalt war, was sie machen soll.

Denn sie wusste, dass ihr Onkel im Dezember 2018 wegen eines anderen Drogendelikts zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Bei einer Verurteilung müsse er zudem damit rechnen, dass die Bewährung in eine Haftstrafe umgewandelt wird. Die Anklageschrift war übrigens davon ausgegangen, dass die beiden unerlaubt Handel mit Rauschgift betrieben haben sollen. Da fielen dem vielfach vorbestraften Mann in der Wohnung seiner Ex zwei Päckchen Marihuana in die Hände. Der Mann hatte vor, das Rauschgift zu seiner Nichte und ihrem Freund zu bringen. Das ging schief. Er fuhr in Landsberg bei Rot über eine Verkehrsampel und wurde von der Polizei erwischt. So wartete die Nichte vergebens auf den Stoff. Dieses Geschäft hatten die beiden Frauen, die beide kifften, auf Initiative der Mitangeklagten vereinbart. Es wurde von der 24-Jährigen organisiert.

An drei Tagen zwölf Stunden verhandelt

600 Euro sollten von ihr bezahlt werden. Für 870 Euro wollte sie die Drogen an ihre Freundin weitergeben. Das ist die Version, die das Gericht und die Staatsanwältin auf der Suche nach der Wahrheit gelten ließen. Drei weitere Varianten wurden hingegen verworfen, weil sie weder dem Gericht noch der Staatsanwaltschaft glaubwürdig erschienen. An drei Verhandlungstagen wurde insgesamt zwölf Stunden verhandelt. Ein gutes Dutzend Zeugen durften sich zu Wort melden. „So was habe ich noch nicht erlebt in all den Jahren - und ich bin schon lange hier“, entrüstete sich der hauptamtliche Schöffenrichter Alexander Kessler.

Der Angeklagte muss jetzt für drei Jahre hinter Schloss und Riegel und die Kosten des Verfahrens tragen. Sein Verteidiger Alexander Winkler bat um eine milde Strafe. Die Staatsanwältin beantragte vier Jahre ohne Bewährung für den Angeklagten. Verteidiger Sascha Schnarr plädierte bei seiner Mandantin für ein Jahr und sechs Monate mit Bewährung. Das Gericht schickt sie jedoch für diese Zeit ins Frauengefängnis nach Aichach. Gegen das Urteil kann Einspruch erhoben werden.

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