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Denklingen

16.03.2019

Ein 19-jähriger Denklinger und sein Starkbier namens Fastinator

Stephan Albrecht beim prüfenden Blick in den Sudkessel. Der 19-Jährige aus Denklingen lernt Brauer und hat sein erstes Starkbier gebraut, das am Samstagabend beim Starkbierfest im Schongauer Brauhaus ausgeschenkt wird.
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Stephan Albrecht beim prüfenden Blick in den Sudkessel. Der 19-Jährige aus Denklingen lernt Brauer und hat sein erstes Starkbier gebraut, das am Samstagabend beim Starkbierfest im Schongauer Brauhaus ausgeschenkt wird.
Bild: Willi Nowak

Im Schongauer Brauhaus wird heuer erstmals der Kellerbock von Stephan Albrecht aus Denklingen ausgeschenkt. Der junge Brauer hat noch einiges vor.

Es gehört zum Derblecken genauso dazu wie ein guter Kabarettist: das Starkbier. Wenn am Samstagabend die lokale und regionale Prominenz im Brauhaus in Schongau zusammenkommt, dann greift sie zum Starkbier, das der 19-jährige Stephan Albrecht aus Denklingen gebraut hat. Er ist in seinem letzten Ausbildungsjahr bei der Brauerei Oberland in Schongau, die seiner Familie gehört.

Für die bereits ausverkaufte Veranstaltung haben sich laut den Organisatoren unter anderem Thomas Goppel, ehemaliger bayerischer Staatsminister und Generalsekretär der CSU, sowie Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger und dessen Schongaur Kollege Falk Sluyterman van Langeweyde angekündigt. Fastenprediger ist der Kabarettist Michi Marchner, für Comedy sorgt Florian Simbeck (bekannt vom Duo Erkan & Stefan), die Musik kommt von einer Untergruppe der Stadtkapelle Schongau.

Das Bier wirkt angeblich nicht so stark wie andere Starkbiere

Stephan Albrecht hofft, dass sein Bier – ein Kellerbock – bei den etwa 120 Gästen gut ankommt. 1000 Liter hat er von seinem Festbier gebraut, das seit einigen Wochen im Lagertank reift und einen Alkoholgehalt von rund 7,9 Prozent hat. „Wir haben einen hellen Kellerbock gebraut, mit einem sehr fruchtigen Hopfen. Das Bier wirkt dadurch gefühlt nicht so stark wie andere Starkbiere.“ Für Bockbiere ist laut Albrecht charakteristisch, dass sie mindestens 18 Prozent Zuckergehalt vor der Gärung haben. Je höher der Zuckergehalt der Stärke ist, desto höher ist auch der Alkoholgehalt. Seinem Starkbier hat er den Namen: Fastinator gegeben. Das Bier wird aber nicht nur beim Fest ausgeschenkt, sondern ist auch im Dorfladen in Denklingen erhältlich.

Ein 19-jähriger Denklinger und sein Starkbier namens Fastinator

„Den individuellen Geschmack erreichen wir über die Auswahl der Hopfensorte, der Hefe und durch Handlungsspielräume beim Gärungsprozess“, sagt Stephan Albrecht. Die Herstellung sei bei einer kleinen Brauerei wie der in Schongau eine Herausforderung. „Die angelieferten Rohstoffe sind immer anders – je nachdem, wie das Wetter war. Letztlich muss am Ende trotzdem die Qualität passen, auch wenn bei uns nicht jedes Bier genauso schmeckt wie in der industriellen Herstellung“, sagt Stephan Albrecht.

Die Mischung aus klassischem Handwerk und Kreativität

Auch wenn er erst 19 Jahre alt ist, hat er doch auch bereits seit Jahren Berührungspunkte mit dem Beruf. Seine Eltern sind in der Gastronomie tätig und im Jahr 2012 im Brauhaus Schongau als Pächter eingestiegen. Sie haben damals auch den Braumeister Peter Just eingestellt. Dem schaute der Sohn häufiger über die Schulter und hat dabei viel mitbekommen. „Ich durfte unter anderem die Würze probieren, die wie süßer Tee schmeckt, und habe viel über Aromen gelernt.“ Auch familiär ist er vorbelastet. Sein Uropa hatte eine eigene Brauerei in Bad Tölz, die später von der großen Münchner Brauerei Hacker-Pschorr aufgekauft worden sei, und auch seine Oma habe Brauwesen studiert.

Für ihn war schon lange klar, dass er beruflich in diese Richtung gehen möchte. Er machte am Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg sein Abitur und begann dann seine Lehre. Es sei „der schönste Beruf der Welt“, sagt er über die Ausbildung zum Brauer und Mälzer – auch wenn das Thema Hygiene groß geschrieben werde und das Putzen ein zentraler Bestandteil des Berufs sei. „Die Mischung aus klassischem Handwerk, für das man auch Kraft benötigt, und der Kreativität, die man bei der Herstellung des Bieres entfalten kann, machen den Beruf so attraktiv.“

Nach der Ausbildung will er Jura studieren

Dadurch, dass er in einer kleinen Brauerei lerne, habe er auch mehr Möglichkeiten, Neues auszuprobieren. Es gibt aber auch Aufgaben eines Mälzers und Brauers, die er bei anderen Betrieben lernt, weil die in Schongau nicht stattfinden. „Ich war unter anderem bei der Brauerei im Kloster Andechs und habe mir angesehen, wie die Filtration und die Abfüllung des Bieres in Flaschen funktionieren“, sagt Albrecht, der sich auch bei den Pfadfindern des VCP-Stamms Lechrain in Denklingen/Epfach engagiert. Er beschäftigt sich zudem intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus. Gemeinsam mit seinem Vater Tyll-Patrick Albrecht ist er im Vorstand des Vereins „Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert zur Erforschung der Landsberger Zeitgeschichte“.

Wenn er im Sommer seine Ausbildung abgeschlossen hat, wechselt Stephan Albrecht nach Berlin und macht seinen Meister. Auch für die Zeit danach hat er schon einen Plan, der allerdings nichts mit Bier zu tun hat. „Ich bin mag Berufe, in denen man viel Kontakt zu Menschen hat. Deswegen möchte ich noch Jura studieren.“ Ein Abschluss mit dem Beruf des Brauers und Mälzers sei das aber „auf keinen Fall“.

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