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Region Landsberg

11.01.2019

Ein 34-Jähriger schenkt einer 13-jährigen Freundin zwei Joints

Um zwei Joints ging es jetzt vor dem Landsberger Amtsgericht. Ein 34-Jähriger hat sie einem 13-jährigen Mädchen gegeben und musste sich deshalb vor Gericht verantworten.
Bild: Oliver Berg/dpa (Symbolbild)

Vor dem Landsberger Amtsgericht kommt die sonderbare Verbindung eines Erwachsenen zu einer Jugendlichen ans Licht. Welche Strafe der Angeklagte am Ende erhält.

Bahnhof Utting im Juni 2018: Ein 34-jähriger Mann gibt einem 13-jährigen Mädchen kostenlos zwei Joints. Dafür musste er sich jetzt vor dem Schöffengericht in Landsberg verantworten. Vorwurf: unerlaubte Weitergabe der „weichen Droge Haschisch“. Richter Alexander Kessler und Staatsanwältin Melanie Ostermeier kreideten dem Angeklagten vor allem an, dass er als Erwachsener Rauschgift an eine Minderjährige abgegeben habe. Für solch ein Delikt sieht der Gesetzgeber eine Mindeststrafe von einem Jahr vor, wie bei der Verhandlung gesagt wurde.

Die 13-Jährige muss nicht vor Gericht aussagen

Der Angeklagte und das Mädchen kannten sich. Wenn sie sich trafen mit Vorliebe am Bahnhof –, war in aller Regel eine 13-jährige Freundin dabei. Auch an dem Abend, als der Mann die beiden Joints übergab. Nach seiner Darstellung soll sie die 13-Jährige den Mann davor mit den Worten „Du hast doch etwas bekommen“ indirekt dazu aufgefordert haben. Der 34-Jährige gab die Joints weiter. Bei einer späteren Vernehmung bei der Polizei gab das Mädchen an, sie nicht geraucht, sondern in einen Bach geworfen zu haben. Ihr und ihrer Freundin wurde eine Zeugenaussage vor Gericht erspart. Denn der Angeklagte, der sieben Vorstrafen auf dem Kerbholz hat – darunter mehrere einschlägige Delikte –, räumte die ihm zur Last gelegte Tat rundum ein.

Das Mädchen schrieb dem Mann Liebesbriefe

Die Schuld für sein sonderbares Verhalten suchte er am wenigsten bei sich selbst, sondern bei einem der Mädchen: Es habe ihm des Öfteren Liebesbriefe geschrieben, mitunter dekoriert mit Schokolade-Herzchen. Trotzdem habe er der 13-Jährigen irgendwann deutlich zu verstehen gegeben, dass die Verbindung („Freundschaft“) – es sei kein Verhältnis mit sexuellem Kontakt gewesen – keinen Sinn mache. Auf die Joints kam der Mann auch zu sprechen: Die habe er von einem Arbeitskollegen zu seinem Geburtstag im Juni 2018 geschenkt bekommen. Angeblich wollte er sie nicht selbst rauchen, sondern verschenken – „wenn wieder mal Besuch kommt“.

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Seit 2009 habe er nicht mehr gekifft. Diese Schilderung nahm ihm das Schöffengericht nicht ab: „Warum haben sie der 13-Jährigen auf ihre Briefe immer wieder geantwortet und warum sind Sie ihr nicht aus dem Weg gegangen?“, wollte Richter Alexander Kessler von ihm wissen. Denn, wenn er sich nicht selbst wohlgefühlt hätte und wie ein „Ehrenmann“ oder „Held“ vorgekommen sei, hätte der Kontakt doch nicht so lange bestanden. Kessler sprach von einem „völlig inkonsequenten Verhalten“ des Angeklagten.

Der Angeklagte muss in psychiatrische Behandlung

Der erklärte, dass er nicht „fies“ sein und der 13-Jährigen auch nicht wehtun wollte: „Genau das ist sein Problem: Er tut sich schwer, sich zu positionieren“, stellte Rechtsanwältin Alexandra Fuchs fest. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang, dass der Beschuldigte seit geraumer Zeit unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden würde. Mehrere Versuche soll er bereits gestartet haben, um dagegen anzukämpfen. Zum Erfolg verhelfen soll nun eine stationäre Therapie in einer Psychiatrischen Klinik ab 1. April. Diese Weisung ist Bestandteil des Urteils, das von allen Beteiligten angenommen wurde, und somit bereits Rechtskraft hat. Verhängt wurde eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Die wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

In dieser Zeit wird der Mann von einer Bewährungshelferin unterstützt. Ihm wurde auferlegt, drogenfrei zu leben. Darüber hinaus muss er 120 Stunden beim Sozialdienst Katholischer Männer tätigen. (eh)

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