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Kaufering

28.07.2018

Ein Blick auf den Mond, den Mars und den Saturn

Die Mondfinsternis gesehen von einem Feld bei Kaufering aus.
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Die Mondfinsternis gesehen von einem Feld bei Kaufering aus.
Foto: Julian Leitenstorfer Photographie

Bei Kaufering ließ sich die Mondfinsternis besonders gut beobachten. Der Blick gegen Südwesten ist frei und Stefan Grießinger hatte seine Teleskope mitgebracht.

„Der Mond ist aufgegangen ...“ Bis sich die Freitagnacht viel zitierte Liedzeile bewahrheitet, dauert es eine Zeit. Der Erdtrabant versteckt sich noch im Dunst des dämmrigen Abendhimmels. Nur allmählich zeichnet sich eine rosa Sichel ab, der Mond befindet sich bereits im Erdschatten. Mit 103 Minuten dauert diese Mondfinsternis besonders lange. Genügend Zeit also für die Sternengucker, sich auszutauschen.

Stefan Grießinger interessierte sich schon als Kind für die Sterne

Auf einem Stoppelfeld zwischen Kaufering und Epfenhausen hat Stefan Grießinger drei Teleskope aufgebaut und gibt bereitwillig Auskunft über die technischen Besonderheiten - ob der Vergrößerungseffekt nun mittels Spiegel oder Linse funktioniert oder welche Brennweiten es gibt. Grießinger hat als Kind über ein Buch und einen Besuch der Münchner Volkssternwarte seine Leidenschaft für die Astronomie entdeckt, wie er auf seiner Homepage schreibt. In „Stefans Gartenobservatorium“, wie er seinen Internetauftritt benannt hat, kam 1996 das erste Teleskop, mittlerweile sind es ein paar mehr geworden. Seine neueste Errungenschaft, das größte auf dem Feld stehende Gerät, funktioniert leider nicht, da offensichtlich ein Bauteil falsch mitgeliefert wurde.

Sogar die Ringstruktur um den Saturn ist erkennbar

Doch dafür ist der Blick durch die anderen beiden umso eindrucksvoller. Zwar erkennt auch das bloße Auge die fahlrote Scheibe, die mittlerweile den Weg aus dem Dunst gefunden hat, doch durch die optischen Geräte lassen sich die Krater erkennen, scharf und deutlich zeichnet sich der Mond ab. Unter ihm leuchtet es hell: Der Planet Mars ist mit nur rund 58 Millionen Kilometer Entfernung derzeit besonders nah – und deshalb so gut sichtbar. Er bietet vergrößert betrachtet kein besonderes Seherlebnis, dafür umso mehr Saturn, der weiter westlich zu sehen ist. Ein kleines helles Rund mit einem Ring drumherum - eigentlich sind es ja mehrere -  ist zu erkennen und lockt bei vielen begeisterte Kommentare hervor. Vor dem Teleskop stauen sich die Neugierigen, die einen Blick darauf erhaschen wollen, an die 40 Leute dürften sich insgesamt gegen 22 Uhr zusammengefunden haben.

Mit einer App die Sterne erkennen

Grießinger hat in der Facebook-Gruppe, „Du kommst aus Landsberg, wenn ...“ gepostet, dass er seine Technik auf dem Feld aufstellt und Anja Wetzel ist aus Landsberg gekommen. Sie hat für das kleinste der Teleskope eine kleine Einweisung bekommen und justiert immer nach, damit der Bahn des Mondes gefolgt werden kann. „Ich hatte einen Freund mit Teleskop im Garten und so ein wenig Erfahrung.“ Andreas Hasenjäger aus dem Fuchstal hat auch über Facebook davon erfahren. Er hat schon als Bub mit den Eltern in den nächtlichen Himmel geschaut „Als Kinder haben wir die Andromendagalaxie gesucht.“ Und er überprüft mit einer App einen hellen Punkt ganz im Westen, den jemand als Planet Jupiter bezeichnet hatte. Stimmt aber nicht, es handelt sich um die Venus. Der Jupiter ist nahe des Altkauferinger Kirchturms zu sehen.

Die Raumstation ISS saust vorbei

Gegen 22.30 Uhr gibt es dann noch Menschliches am Himmel zu beobachten: „Das ist die Raumstation ISS“, erläutert Grießinger zu einem sich schnell am nördlichen Himmel bewegenden Lichtpunkt. „Sie braucht für die Umlaufbahn 90 Minuten“. Weitere optische Abwechslung bringt Wetterleuchten in den Bergen und sogar ein Feuerwerk, das dem Anschein nach in der Nähe von Landsberg gezündet wird.

Den Platz mit Feldkreuz, Lindenbäumen und einer Bank haben sich auch einige Kauferinger als richtigen Standort zum Mondfinsternis-Schauen ausgesucht. Dagmar und Hartmut von Schurbein sind herausspaziert aus dem Ort. „Wir hatten zuerst überlegt, zur Sternwarte nach Buchloe zu fahren“, erzählt Dagmar von Schnurbein. Dann entschlossen sie sich aber doch für die ruhigere Variante daheim nahe des Dorfes.

Die Hobbyfotografen kennen sich

Gekommen sind auch eine Reihe von Grießingers Bekannten mit ihrer fotografischen Ausrüstung. Man kennt sich, „Servus, ach da kommt Bastian ...“ und man ist sehr kollegial, Fernbedienungen werden ausgeliehen, um jeden Wackler zu vermeiden, Tipps zur besten Einstellung ausgetauscht.

Kai Rademacher aus Hofstetten ist ein Hobbyfotograf mit hohem technischen Anspruch. Er richtet seine Kamera normalerweise auf Landschaften und hat mittlerweile auch mit Porträtaufnahmen begonnen. Doch so ein Himmelsereignis kann er sich natürlich nicht entgehen lassen. Stefan Grießinger überlässt nicht nur das kleine Teleskop den Besuchern, die vielleicht zum ersten Mal durch so ein Gerät schauen und begeistert sind, auch das Schmidt-Cassegrain-Gerät steht den anderen zur Verfügung, mittels elektrischer Bedienung fährt er dem Mond nach oder holt Saturn ins Blickfeld. Doch gegen 22.40 Uhr meldet er eigene Ansprüche an: „Ein Foto muss ich auch noch machen.“

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