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Holzhausen

13.12.2020

Ein Ehepaar gründet eine Stiftung für die Künstlerkolonie Holzhausen

Jochen und Erika Seifert sind dabei, eine Stiftung zu gründen, die die Erforschung und Darstellung historischer Künstler und ihrer Häuser in Holzhausen fördern soll. Das Bild zeigt sie neben einem Fresko von Adolf Münzer in ihrem Haus in Holzhausen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Erika und Jochen Seifert wohnen in einem Haus, in dem einst ein bekannter Maler lebte. Jetzt arbeiten sie an der Gründung einer Stiftung, die die Holzhauser Künstlerkolonie erforschen und darstellen soll.

Holzhausen am Ammersee war eine Künstlerkolonie – nicht nur die berühmten Scholle-Maler hatten den kleinen Ort bei Utting auserwählt, um dort zu arbeiten und zum Teil auch zu leben. Erst vor wenigen Tagen (LT berichtete) sollte das Adolf Münzer Museum eröffnet werden. Einzig die Corona-Pandemie machte dem Vorhaben des Enkels Florian Münzer einen Strich durch die Rechnung. Jetzt stellen die Eheleute Seifert ein neues Projekt zur Künstlerkolonie Holzhausen vor.

Pandemieunabhängig ist die Gründung einer Stiftung, die Dr. Dr. Jochen Seifert gemeinsam mit seiner Frau Erika derzeit vorantreibt. Seifert lebt seit 2009 in Holzhausen und hat, wie er im Gespräch mit dem LT sagte, schnell gesehen, wie viele namhafte und auch weniger bekannte Künstler in Holzhausen Spuren hinterlassen haben.

Das Wohnhaus der Seiferts hat bekannte Vorbesitzer

Seifert kommt selbst nicht aus der Kunstszene; als Maschinenbauer und Hals-Nasen-Ohren-Arzt verdiente und verdient er seinen Lebensunterhalt – aber seine große Leidenschaft gilt der Kunst. Als Mitglied in den Freundeskreisen der Pinakothek der Moderne und des „Haus der Kunst“ in München habe er sich schon lange mit Kunst befasst. Seifert wuchs in Schondorf auf und ging dort zur Schule, 1991 zog er nach Utting. Seine Frau Erika ist in Inning aufgewachsen, beide fühlen sich der Ammersee-Region sehr verbunden. In Holzhausen lebt das Ehepaar im Winterhaus des Scholle-Malers Adolf Münzer, das einst das Zuhause der berühmten Sopranistin Claire Watson und des Tenors David Thaw war.

Weil Seifert schon bald merkte, dass viele der Künstler, die in dem kleinen Ort am Ammersee wirkten, in Vergessenheit geraten sind oder zu geraten drohen, reifte in ihm die Idee, eine Stiftung zu gründen. „JES-Stiftung“ wird sie heißen, benannt nach ihm und seiner Ehefrau. Denn es wird sich um eine private Stiftung handeln, auch die notwendige Finanzeinlage bestreitet das Ehepaar Seifert aus der eigenen Tasche. Die Prüfungen, ob die rechtlichen Grundlagen für die Stiftungsgründung gegeben sind, sind fast abgeschlossen. „Wir sind zuversichtlich, dass die Rechtsfähigkeit der Stiftung noch dieses Jahres so weit sein wird“, verrät Seifert.

Ein Bild aus der Spätzeit der Holzhauser Künstlerkolonie, gemalt von Adolf Münzer 1933.
Bild: Maren Martell

Eines der satzungsmäßigen Ziele der Stiftung ist, wie Seifert sagt, ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Kulturwege“. Dieses Projekt diene der „Erforschung und Darstellung örtlich historischer Künstler und ihrer Häuser in Form einer Webseite mit Online-Lexikon und Online-Museum“. Die Künstlerkolonie Holzhausen soll das Pilotprojekt sein. Fast 50 teils hochkarätige Künstler haben Erika und Jochen Seifert in der Zwischenzeit ausfindig machen können, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in Holzhausen gelebt und gearbeitet haben.

Mit dabei in einem europaweiten Verbund von Künstlerkolonien

Zwei Kunsthistorikerinnen, ein Webdesigner mit seiner IT-Abteilung (ein ehemaliger Holzhauser) sowie das Institut für Digitale Kunstgeschichte der Universität München weiß das Ehepaar an seiner Seite zur fachlich fundierten Umsetzung des Vorhabens. Ambitioniertes Ziel sei es, zum 900. Jubiläum Uttings 2022 einen Großteil der Holzhauser Künstler aufgenommen zu haben.

Die Künstlerkolonie Holzhausen könnte nicht nur durch die neue Stiftung weiter in den Fokus der Kunst- und Kulturszene gerückt werden, sondern auch durch den von Familie Seifert initiierten Beitritt zum Verbund europäischer Künstlerkolonien euroArt. Aus dem bayerischen Raum sind dort, wie Jochen Seifert erläutert, bislang nur die Künstlerkolonien Dachau, Murnau und Prien vertreten. Inzwischen sei ein Antrag auf Aufnahme in den Verbund gestellt worden. Auch die Gemeinde Utting, zu der Holzhausen gehört, will die Seiferts in ihren Bemühungen unterstützen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sprach sich das Gremium dafür aus, den Antrag an euroArt gemeinsam mit den Stiftungsgründern und dem Verein Unser Dorf zu tragen. „Wir sind froh, Menschen in unserem Ort zu haben, denen die Kultur ein starkes Anliegen ist und die etwas bewegen wollen“, sagte Bürgermeister Florian Hoffmann auf Nachfrage.

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