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Utting

12.02.2018

Ein Fenster zum Fasching

Johanna Wiesheu (links) und ihre Schwester Ingeborg Thaler erklären Daniel Wiesheu, wer auf den Faschingsfotos im Bürgertreff-Schaufenster in Utting zu sehen ist.
Bild: Stephanie Millonig

Im Bürgertreff in Utting zeigen alte Bilder Umzüge und Bälle. Johanna Wiesheu und Ingeborg Thaler aus dem Wittelsbacher Hof können sich noch an die „Affen“ im Käfig erinnern.

„Affen“ im Käfig, ein hölzernes Jauchefass als „U-Boot Herrsching“ und ein Tierarzt, der offensichtlich für die Maul- und Klauenseuche-Impfung zuständig ist, das sind Themen, die vor Jahrzehnten beim Faschingsumzug durch die Uttinger Herrenstraße zu sehen waren. Ein „Fenster zum Fasching“ findet sich derzeit im Bürgertreff in der Bahnhofstraße und erinnert an Zeiten, als Utting noch eine Faschingshochburg war: Die Vergrößerungen alter Fotos sind dort ausgestellt und Harry Sternberg sammelt Informationen zu den Fotos, die eine Uttingerin zur Verfügung gestellt hat.

„Da, das ist Bürgermeister Wolf ...“ Johanna Wiesheu zeigt ihrem Enkel Daniel ein Foto im Fenster. Sie und ihre Schwester Ingeborg Thaler, beide geborene Kendler, stammen aus dem Wittelsbacher Hof und kennen viele der Gesichter auf den Fotos. Freilich nicht alle, denn der Turnerball von 1926 war natürlich vor der Zeit der 78 und 79 Jahre alten Damen.

Es war „gerammelt voll“

An den Käfig voller Affen kann sich Ingeborg Thaler erinnern, „ich glaube, das waren die Sportler“. Die Umzüge hätten immer am Faschingssonntag stattgefunden und danach „war’s bei uns gerammelt voll“, erzählen die Schwestern. Und es sei auch getanzt worden. Dank einer Musikbox ging dies auch ganz spontan und unkompliziert.

Freilich gab es auch den großen Hausball mit Stammgästen und Geschäftsleuten im Wittelsbacher Hof, eine elegante Veranstaltung, wie Johanna Wiesheu sagt. Aufgespielt habe damals die Musikkapelle Friedl, vier Musiker aus Dießen. „Da wurde gespielt, was gerade als Schlager lief“, erinnern sich beide. Und auch hier sei natürlich getanzt worden, Walzer, Polonaise und auch Française.

Würste oder Tartar

Und die beiden jungen Mädchen lernten, vom Zuschauen und mal Ausprobieren, das Tanzen. Damals in den 1950er- und 1960er-Jahren hätten die Ballgäste auch immer richtig gegessen, Suppe, Hauptspeise und Nachtisch und dann um Mitternacht noch mal Würste oder Tartar. Bei den Bällen sei Wein getrunken worden. Neben dem Hausball feierten auch die Vereine ihre Bälle, beispielsweise Feuerwehr und Trachtenverein. Und am Rosenmontag sei es mit einem Faschingskranzl losgegangen, später seien die Männer dazugekommen und man habe gefeiert.

Große Faschingsbälle finden im Wittelsbacher Hof heute nicht mehr statt, der 22-jährige Daniel Wiesheu hat als Kind noch die letzten Bälle mitbekommen. Ganz ohne Fasching geht es aber auch heute nicht: Zumindest ein Weißwurstessen findet am Faschingsdienstag statt, und Johannas Wiesheu hat das Hotel mit Luftschlangen entsprechend dekoriert. Gefeiert wird aber weiterhin in Utting: Die Sportler organisierten auch heuer wieder in der Mehrzweckhalle einen Ball, und vor einigen Jahren waren es mehrere Vereine, die zum Faschingsball ins Sportheim luden.

U-Boot aus Odelbanzen

Harry Sternberg hat das „Faschingsfenster“ im Bürgertreff, das noch einige Tage zu sehen sein wird, kreiert. „Die Resonanz ist sehr gut“, erzählt er dem Landsberger Tagblatt. Viele blieben stehen und schauten. 30 historische Fotos hat er vergrößert. Sie zeigen, wie beispielsweise der Untergang des Motorschiffes Herrsching im Januar 1956 thematisiert wurde. Das Schiff war nach dem Zusammenbau untergegangen, weil durch ein Ventil Wasser eindringen konnte. Dies wurde behoben, es gab aber auch noch andere Probleme mit dem Schiff. Beim Uttinger Faschingsumzug wurde darauf dann das „U-Boot Herrsching“, das aus einem hölzernen Odelbanzen bestand.

Heini Kiefer und Schorsch Nebel seien die Hauptorganisatoren der Umzüge gewesen, weiß Sternberg. Seiner Kenntnis gab es die Umzüge bis Anfang der 1960er-Jahre und dann noch mal in den 1980er-Jahren. Sternberg bekam nicht nur Informationen, sondern auch eine der Affenmasken vom Umzug. Er betont, wie wichtig es sei, die Ortshistorie zu dokumentieren, und wünscht sich, dass es in Utting einen Raum für die historischen Dinge gibt.

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