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Finning

26.10.2019

Ein Finninger Ehepaar liebt das Volkstheater

Wolfgang und Christl Stütz widmen sich viel ihrem Garten.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Christl und Wolfgang Stütz aus Finning lieben das Theaterspielen. Sie schwören dabei auf dessen integrierende Wirkung über alle Ortsteile hinweg. Die Eheleute sind die Stillen Helden des Monats Oktober im Landsberger Tagblatt.

Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne großes Aufheben davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die ehrenamtlichen Bürger, ohne die das Gemeinwohl nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Heute: Christl und Wolfgang Stütz aus Finning.

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Wenn sich in den Herbstferien zum ersten Mal in diesem Jahr der Vorhang wieder hebt und die Theaterabteilung des TSV Finning „Thomas auf der Himmelsleiter“ von Maximilian Vitus aufführt, dann wird es mindestens zwei Personen unter den Zuschauern geben, die ein eigenartiges Gefühl beschleicht: Christl und Wolfgang Stütz. Sie werden dann erstmals als Zuschauer miterleben, wie die nächste Generation das Werk, ihr Werk, weiterführt. Für Wolfgang Stütz ist es gar seit 26 Jahren das erste Mal, dass er Theater aus dem Zuschauerraum und nicht aktiv von oben auf der Bühne miterlebt.

Alles begann mit einem Riesenspaß

„Es ist schon jetzt in der Vorbereitungszeit komisch, so ohne die Beiden“ sagt die neue Abteilungsleiterin Michaela Boos. Es werde erstmals spürbar, wie viel das Ehepaar für das Theater in dem 2000-Seelen-Ort Finning mit Ortsteilen geleistet hat. „Inzwischen teilen sich mehrere Personen die Aufgaben, die diese beiden so lange wie selbstverständlich ganz alleine bewältigt haben.“

Ein Finninger Ehepaar liebt das Volkstheater

Dabei begann alles vor fast drei Jahrzehnten mit einem „Riesenspaß“, wie sich der 70-jährige Wolfgang Stütz erinnert. Auf der Hochzeit einer Bekannten aus der Tennisabteilung – der stand Wolfgang Stütz immerhin zehn Jahre vor – habe man einen Sketch zur Aufführung gebracht und fand das so toll, dass beschlossen wurde, weiter Theater zu spielen.

Der Hochzeiter wurde aufgeführt

Zwei Jahre später war das erste Stück aufführungsreif. Zum Starkbierfest gab es den Einakter „Der Hochzeiter“. Die Halle war voll und gleichzeitig gab es eine weitere Premiere: die Entrachinger Blasmusik umrahmte das Stück. Stütz schmunzelt: „Die sind uns bis heute geblieben“ – und er ist froh darüber. Theater verbinde die Ortsteile, spiele daher eine immens wichtige Rolle – und prägte fortan auch den Jahresablauf der Familie Stütz.

Christl, aus Oberstaufen im Allgäu stammend, wählte jeweils im Frühjahr das jeweilige Stück aus. Vor den Sommerferien wurde im heimischen Wohnzimmer darüber nachgedacht, wer zu welcher Rolle passt. Dabei habe stets jeder die Rolle angenommen, die ihm zugedacht wurde. 25 Stücke hat die Theaterabteilung seit ihrer Gründung auf die Bühne gebracht. Das heißt aber auch: 25 mal verschiedene Kostüme, 25 Mal unterschiedlichste Dekorationen. Aber auch da waren Christl und Wolfgang Stütz, der in Landsberg ein KfZ-Sachverständigenbüro führte, in ihrem Element. Christl kümmerte sich um die Kostüme, stets unterstützt vom Ehemann, der gefordert war, wenn es um die Kulissen und Dekorationen ging. Dabei legte er große Fantasie und Einfallsreichtum an den Tag.

Als „Der Mascara“ zur Aufführung kam, wurde für die Schmiede ein echter Amboss gebraucht. Eine Attrappe kam für den Finninger nicht in Frage. Stütz hatte Verbindungen zur Lehrwerkstatt des nahen Landheims und schon stand auf der Bühne ein echter Amboss. Oder 2015. Für das Stück „Glenn Miller & Sauschwanzl“ wurden, wie es der Titel vermuten lässt, GI’s, also US-Soldaten, gebraucht, und Schweinehälften, echte Schweinehälften. Wolfgang Stütz organisierte einen Kühlwagen und ließ den am Bühnenausgang vorfahren. Den dunkelhäutige GI Randy Wilson spielten damals abwechselnd zwei Finninger Neubürgern – Andigani Ismail Samatar und Guled Abdilahi Sicid aus Somalia.

Jede Menge anderer Aktivitäten

Nun ist er also erfolgt, der Rückzug vom aktiven Theatergeschehen. Michaela Boos: „Die Beiden fragen schon immer wieder mal nach, wie es denn so läuft“ und bieten für den Notfall Hilfe an, ohne jedoch zu insistieren. Wolfgang Stütz vermutet ohnehin, dass ihre Nachfolger „vermutlich alles anders machen“, aber das sei auch gut so. Für ihn und Ehefrau Christl – beide übrigens am gleichen Tag, am 30. Mai 1949, geboren – wird es auch nach dem Theaterleben kaum Langeweile geben. Christl singt aktiv im Chor und frönt nun intensiver dieser Leidenschaft. Wolfgang Stütz kümmert sich länger schon um die „aktiven Finninger Senioren“, und so will er das verstanden wissen. Einmal im Monat treffe man sich, plane Aktivitäten, vom Gesprächskreis bis hin zu Ausflügen. Auch die alten Haus- und Hofnamen in Finning begeistern ihn. Zudem engagiert er sich noch beim Finninger Dorfblattl, berät die VR-Bank-Klassik, ein Oldtimer-Rennen, setzt seine Erfahrungen ein, die er jahrelang als Organisator des Landsberger Automobilsalons gemacht hat.

Im Oktober werden nun die Beiden in der TSV-Turnhalle sitzen, vermutlich in der ersten Reihe, und werden genießen, was ihre Nachfolger mit „Thomas auf der Himmelsleiter“ auf die Beine stellen.

Termine „Thomas auf der Himmelsleiter“ am 26, 27. Oktober sowie am 30. und 31. Oktober und am 2. November in Finning.

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