Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ein Hauch von Bollywood schwingt immer mit

Thaining

28.10.2017

Ein Hauch von Bollywood schwingt immer mit

Für jeden Stil des Bauchtanzes, den Malvina Hoppe beherrscht, hat sie ein anderes Kostüm. Aber am liebsten kleidet sie sich im extravaganten Gypsy-Look des „American Tribal Style“. Das Kostüm wiegt vier Kilo. Zwei ihrer silbernen Armreifen stammen von ihrer Großmutter.
Bild: Peter Wilson

Malvina Hoppe hat ein ungewöhnliches Hobby. Sie macht Bauchtanz

Dieser Hüftschwung. Sensationell! Malvina Hoppe steht in der Küche und rafft den dunklen Rock mit den blitzenden Steinchen kunstvoll über ihrer rechten Hüfte, sodass eine Art Puschel entsteht. Dreimal zuckt sie betörend mit der Hüfte, dann wirbelt sie herum und der weite Rock fliegt wie „die Raupe“ auf dem Jahrmarkt wellenförmig durch die Luft. Sie juchzt. Malvina Hoppe könnte ewig so weiter drehen. Alles an ihr ist weich und fließend.

Dieser Tanz besitzt eine unleugbare Eleganz: American Tribal Style Belly Dance, abgekürzt ATS, ist das über alles geliebte Hobby der jungen Thainingerin.

Alles begann mit den schlangenartigen Bewegungen der Hauptdarstellerin im 2002 erschienenen Vampirfilm „Die Königin der Verdammten“. Einfach wunderschön, dachte das junge Mädchen damals. Aber erst nach einem Aufenthalt in der Türkei beschloss Malvina Hoppe, als Ausgleich zum kopflastigen Studium der Ingenieurökologie, einen VHS-Kurs in orientalischem Tanz zu belegen. In Freising war das und sie erinnert sich, wie sie dachte: „Ein, zwei Semester, dann beherrsche ich das.“ Sie fing Feuer, baute das Tanzen immer weiter aus, trainierte mehrmals die Woche, denn zum Bauchtanz kam der ATS und dann noch „Tribal Fusion“.

Bunte, glitzernde Kostüme dürfen natürlich nicht fehlen

Zur Erklärung: Während der orientalische Tanz (umgangssprachlich auch Bauchtanz genannt) ein ägyptischer Folkloretanz ist, der in der Regel solo aufgeführt wird, performt beim ATS eine Gruppe Frauen (der Stamm) gemeinsam. ATS ist ein relativ junger Tanz, der viele Elemente aus dem orientalischen sowie auch aus dem Bollywood, dem Flamenco oder Gipsytänzen aufnimmt und sich mittlerweile als eigenständige Tanzform international etabliert hat. Eine eigene Weiterentwicklung des ATS, die auch moderne Elemente aus dem Hiphop oder dem Ballett integriert, ist „Tribal Fusion“. Beim Bauchtanz sind die Kostüme bunt, strahlend und glitzernd, die Frauen lächeln unentwegt, sagt Malvina Hoppe, beim ATS dagegen sind die Röcke eher „dunkel-bunt“, der Tanz ist ernster, erhabener, „göttinnenhaft“.

Über einer weiten Pumphose werden zwei bis drei lange, ultraweite Röcke getragen, Unmengen an Schmuck, ein Bindi (indischer Stirnschmuck) auf die Stirn geklebt und viele, viele Blüten ins Haar gesteckt. Charakteristisch sind auch die metallenen Fingerzimbeln, die rhythmisch geschlagen werden. In allen drei Tänzen gibt es weiche, schlangenhafte Bewegungen, die zur Melodie getanzt werden und härtere, rhythmische Bewegungen. Es brauche viel Kraft, große Beweglichkeit und Körperbeherrschung, erläutert Hoppe. Man müsse die einzelnen Körperteile und Muskelpartien isoliert von einander bewegen können. Sagt’s und zieht ihr T-Shirt hoch, um die Bauchwelle zu demonstrieren.

Sie stammt aus einer künstlerischen Familie

Auch beim „Shimmy“, dem rhythmischen, isolierten Zittern der Hüften, ist die gekonnte Isolation der Tänzerin deutlich zu sehen. Im Gruppentanz des ATS führt jeweils eine Frau eine Improvisation, die anderen folgen, „idealerweise wie beim Vogelflug“, erläutert Hoppe und schwärmt von der „getanzten Sprache“.

Malvina Hoppe ist die Tochter des Bildhauers Joachim Maria Hoppe (den Landsbergern bestens bekannt durch den Ruethenkinderbrunnen am Ende der Alten Bergstraße oder der „fish-man“-Skulptur im Stadttheater) und der Buchbindemeisterin und Künstlerin Fabiola Hoppe. Seit ihrem vierten Lebensjahr wohnt Malvina auf dem Hof ihrer Eltern in Thaining – ein Künstlerhaushalt mit Skulpturen im Garten und eigenen Bildern an den Wänden.

„Ich habe die coolsten Eltern überhaupt“, sagt sie und strahlt. In zwei Wochen wird die 30-Jährige das Elternhaus verlassen und nach Nürnberg umsiedeln. Dort hat sie beim Landesbund für Vogelschutz eine unbefristete Stelle erhalten, in ihrem Fachgebiet, der Gewässerökologie. Mal sehen, was Nürnberg tribalmäßig zu bieten hat. Sicher ist, dass sie weiterhin sonntags nach Garching zu ihrem Stamm fahren wird, zu „den Mädels“, mit denen sie nach jedem Training essen geht. Natürlich – ihrer Vorliebe für alles orientalische entsprechend – indisch.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren