1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ein Kontrabass kommt selten allein

Theater

07.04.2011

Ein Kontrabass kommt selten allein

Eine fabelhafte Mischung aus Konzert und Schauspiel bot das Streichquartett „Bassiona Amorosa“ gemeinsam mit Alexander Netschajew mit der Inszenierung von Patrick Süskinds „Der Kontrabass“.
Bild: Foto: Nue Ammann

Alexander Netschajew und Bassiona Amorosa begeistern im Traidtcasten

Dießen Im gestreiften Pyjama und einem altväterlichen Bademantel stürmt ein schlanker Mann, Anfang 40, auf die Bühne. Seine Frisur ist zerrauft, in einer Hand hält er eine Bierflasche, in der anderen eine altmodische Fernbedienung, mit der er die vier Kontrabassisten, die hinter ihm Stellung bezogen haben, scheinbar an und ausklickt. Die illustre Szene ist Teil der Inszenierung des Monologs „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind, die Schauspiel und Konzert in sich vereint und von Regisseur Jürg Schlachter einstudiert wurde.

Am vorderen Rand der Bühne monologisiert der Kontrabassist, gespielt von Alexander Netschajew, und zieht das Publikum in seine innersten Gedanken, die mal voller Dünkel und mal von Selbstzweifeln durchsetzt sind. Was Süskind als das Hohelied auf den Kontrabass an sich, die Karriere und das Selbstverständnis des Kontrabassisten beginnen lässt, verkehrt er langsam, aber sicher ins Gegenteil. Bis dem am Boden zerstörten Musiker, der sein Instrument und seine Arbeit hasst, nichts mehr bleibt, als seinen Alltag fortzuführen. Schonungslos offenbart sich in dieser Figur der ängstliche, unentschlossene Zauderer, der gefesselt von seiner Verbeamtung auf Lebenszeit von Abenteuer und Selbsterprobung träumt.

„Der Kontrabass“, 1981 erstmals veröffentlicht, avancierte innerhalb kurzer Zeit zum internationalen Publikumserfolg. Doch nicht nur in der gedruckten Variante begeisterte die Geschichte des schwadronierenden Sonderlings, sondern auch in der Bühnenversion. In der Spielsaison 1984/85 war „Der Kontrabass“ mit über 500 Aufführungen das meistgespielte Stück an deutschsprachigen Bühnen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Regisseur Jürg Schlachter konnte für seine Inszenierung nicht nur das renommierte Kontrabass-Streichquartett „Bassiona Amorosa“ gewinnen, sondern auch Alexander Netschajew für den, wie er selbst sagte, „Drahtseilakt einer durchgespielten Rolle“ begeistern. Mit den Worten, Schlachter habe ihn „erneut das Tanzen auf der Bühne gelehrt“, dankt der Darsteller nach Vorstellungsende dem Regisseur.

Kein Ausweg aus dem tragischen Dasein

Netschajews Darstellung des Kontrabassisten, der ganz um sich selbst kreist und aus seinem mehr oder minder tragischem Dasein keinen Ausweg findet, überzeugte denn auch durch eine Mischung aus ernsthafter Selbstbetrachtung und humorvoller Leichtigkeit. Durch diese lockere Anlage der Rolle hatte Schlachter Freiraum geschaffen für die harmonische Eingliederung des an sich schon leicht absurd anmutenden Streichquartetts mit vier Kontrabässen. Doch Spiel und Auswahl der Musik ließen das Ensemble nur einen kurzen Augenblick komödiantisch erscheinen. Im nächsten Moment bewiesen sich die echten Kontrabassisten als Meister ihrer Instrumente und verzauberten das Publikum durch seelenhafte, tiefklingende Töne. Mit Musik aus unterschiedlichen Jahrhunderten, angefangen bei höfischen Renaissancestücken und klassischen Partien über mitreißenden Tango bis zu bekannten Musical-Songs unserer Tage wählte „Bassiona Amorosa“ immer die richtige Melodie, um der Stimmung des vor ihnen spielenden, emotional stark gebeutelten Kontrabassisten zu entsprechen. Dass es nicht bei einer Zweiteilung von Monolog und Musik blieb, ist Jürg Schlachter zu danken.

Die mit witzigen Ideen gespickten Verflechtungen von Ton- und Textpassagen ließen aus dem Einakter einen konzertanten Theaterabend werden, wobei unklar blieb, welche Kunst das Publikum mehr begeisterte. #

Der Traidtcasten vibrierte, denn donnernden Applaus, Fußgetrampel und Bravorufe gab es für alle fünf Mitwirkenden.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Stadtradeln_Abschluss_2018(1).jpg
Landkreis Landsberg

Stadtradeln: Unterdießen und Thaining sind bundesweit ganz vorn dabei

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket