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Landsberg

03.07.2019

Ein Landsberger Rock’n’Roller gibt nicht auf

Der Film "Glory Days of Rock´n´Roll kommt in die Kinos (von links):  Günther Sigl, Barny Murphy, Michael Busse, Franz Trojan
Bild: Spider Murphy Gang

„Glory Days of Rock’n’Roll“ ist eine filmische Hommage an die Spider Murphy Gang. Ab Donnerstag auch in Landsberg im Kino.

Das waren noch Zeiten. Als Günther Sigl mit einer Demokassette durch die Schwabinger Clubs zog. Ende der 1970er-Jahre war das. Seine Band: noch ein Geheimtipp. Kurz darauf der nationale Durchbruch mit „Skandal im Sperrbezirk“, Anfang der 1980er-Jahre, der Höhepunkt der NDW, der Neuen Deutschen Welle.

Am Sonntag war Premiere beim Filmfest

Noch mehr Hits, Rockstar-Gepose, Abstürze, Neubesetzungen und seit einigen Jahren wieder ausverkaufte Konzerte. Die Spider Murphy Gang ist heute Kult. Regisseur Jens Pfeifer hat mit seinem Film „Glory Days of Rock‘n‘Roll“ der Band ein so liebevolles wie ehrliches Filmporträt geschenkt. Premiere war am Sonntag auf dem Filmfest München.

Den Landsbergern ist Günther Sigl, „der Kleinste und Frechste“ der Band bestens bekannt, ist er doch in Landsberg zur Schule gegangen und hatte in den letzten Jahren schon einige Auftritte im Stadttheater. Auch Pianist Ludwig Seuss rockte erst letztes Jahr mit seiner Band das Foyer. Rock‘n‘Roll in Münchner Mundart, dafür steht die Spider Murphy Gang nun bereits seit mehr als 40 Jahren.

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Der Film begleitet die Band (mit Archivaufnahmen) seit Ende der 1970er-Jahre, als Günther Sigl noch mit unvergleichlicher Schmalzlocke, Ringelpulli und groß aufgerissenen Augen mit seiner Band durch die Schwabinger Clubs tourt und versucht an Auftritte zu kommen. „Von Laim nach Harlaching, wo wir jeden Tag geprobt haben, das war eine halbe Weltreise.“ So ist der Film nicht nur eine Liebeserklärung an die Band, sondern auch an München, die „große Stadt“, wo die Jungs so gerne „Rockstar“ sein wollten, an die Zeit „wo in Schwabing noch der Deifi los war“.

Sie coverten Chuck Berry und Elvis

Frühe Chuck-Berry- und Elvis-Coversongs, dann schnell die Entscheidung, auf bairisch zu singen und eigene Texte und Lieder zu schreiben. Der Film begleitet alle Bandmitglieder, die ursprüngliche Besetzung und auch ein paar der neuen Mitglieder (wie etwas Ludwig Seuss) in ihrer heutigen Umgebung. Immer wieder blicken die heute älteren Herren zurück, erinnern sich, und der Film schaltet geschmeidig auf altes Filmmaterial um.

So entstehen eine liebevolle Hommage und ein wunderbares Bandporträt, dass alle Höhen und Tiefen der Band, die künstlerische Entstehung eines neuen Hits (der neue, titelgebende Song) sowie die Liebe zur Musik und der immer noch vorhandene am Spaß am Musik machen zeigt. Herrlich, wenn Sigl, schütteres Haar, verschmitztes Lachen, von seinem Tinnitus erzählt und gleichzeitig sagt: "Ein Rock’n’Roller gibt nicht auf.

Statt aufzuhören, tingelten sie von Bierzelt- zu Kleinbühnenauftritt

Auf die jahrelange Tiefphase wird wehmütig und kritisch zurückgeblickt. „Hätten wir aufhören sollen?“, fragen sich alle. „Aber die Schpeiders, des ist doch unser Leben, des konnst doch net wegschmeißn.“ Irgendwann dann die Entscheidung von Günther Sigl, wenn „die Leit“ nicht mehr zu uns kommen, dann gehen wir eben zu ihnen. Unzählige Bierzelt- und Kleinbühnenauftritte folgen.

Und das war – überraschenderweise – nicht der Anfang vom Ende, sondern der Beginn des Kultstatus (zumindest in Bayern), alle Konzerte (auch die Münchner Olympiahalle zum 40. Bandgeburtstag) sind ausverkauft. Der feinfühlige Film von Jens Peifer setzt der Band nun auch noch ein cineastisches Denkmal. Sehr zu empfehlen nicht nur für Spider- und Münchenfans. Ab Donnerstag im Olympiakino in Landsberg.

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