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Konzert

04.11.2017

Ein Luther-Choral im Kloster

Das Odeon Jugendsinfonieorchester München gab ein Konzert in der Klosterkirche St. Ottilien.
Bild: Romi Löbhard

Das Odeon Jugendsinfonieorchester brachte zum Reformationsfest „Ein feste Burg“ ins katholische St. Ottilien

Warum nur hatte Felix Mendelssohn Bartholdy mit zunehmendem Alter ein so unzufriedenes Verhältnis zu seinen Werken? Warum fehlte bei den Fachleuten seiner Zeit teilweise das Verständnis für manche seiner Kompositionen? Dass er auch bei formal streng aufgebauter Musik nie die dahinter steckende Idee vergaß, das wurde einmal mehr beim Konzert des Odeon Jugendsinfonieorchesters München in der Klosterkirche St. Ottilien deutlich, das mit dem von Mendelssohn gewaltig bearbeiteten Luther-Choral „Ein feste Burg“ und lang anhaltendem Applaus endete.

Ein Festkonzert am Reformationstag in einer katholischen Kirche – das ist kein Widerspruch, wie Bruder Odilo Rahm erläuterte. Luthers Thesen und Erkenntnisse seien immer und für jeden aktuell. Mit der Angst der Menschen Geschäfte zu betreiben und die Vergebung der Sünden zu einem Warengeschäft zu machen, das bringe das Fass zum Überlaufen, heute wie damals.

Das Programm war klug aufgebaut. Das kam sowohl den Zuhörern als auch den hervorragend vorbereiteten Musikern zugute.

Es begann mit der Konzert-Ouvertüre „Die Hebriden“. Hier hatte Mendelssohn herrliche Lautmalerei geschaffen. Die zerklüftete Inselwelt vor der Nordwestküste Schottlands, die sich ändernden Wetterverhältnisse, raue Felsen, grüne Weiden – das alles hatte der Komponist in Musik verpackt, die das Orchester unter der vorzüglichen Leitung von Julio Doggenweiler Fernández dynamisch umsetzte. Mit dem folgenden Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester von Johann Sebastian Bach präsentierten sich zwei sehr junge, aufstrebende Musiker. Die 18-jährige Valerie Steenken, Konzertmeisterin beim Odeon, studiert nach zwei Jahren als Jungstudentin bei Julia Fischer an der Hochschule für Musik und Theater München. Michael Nodel ist gerade mal 15 Jahre alt und hat schon reichlich Konzerterfahrung, nicht nur mit der Violine, er ist auch hervorragender Pianist. Die beiden vielfach preisgekrönten Musiker begeisterten nicht nur mit der virtuosen Interpretation des schnellen ersten Satzes, sondern auch im langsamen Mittelteil des dreisätzigen Werkes, wo es auf sauberen Ansatz und Reinheit der Töne ankam. Haupt- und Schlusswerk war die von Mendelssohn Bartholdy zum 300. Jahrestag der Confessio Augustana geschaffene Sinfonie Nr. 5 in D-Dur/d-Moll, „Reformation“. Das Jubiläum wurde am 25. Juni 1830 zwar gefeiert, die Sinfonie aber nicht aufgeführt. Sie beinhalte „zu viel Fugato, zu wenig Melodie“, hieß es damals.

Dem Werk sind strenge Satztechniken zugrunde gelegt, und doch hat es sehr viel Erzählcharakter. Es beginnt fließend getragen, mit viel Holz und sanften Streicherwellen. Auffällig ist die von den tiefen Bläsern inszenierte Dunkelheit, die sich zu hellkräftiger Einsicht wandelt. Von zwei lieblich-tänzerischen Sätzen mit Pastoral-Charakter geht es nahtlos über in den Schlusssatz, zu dem zart und solistisch das Luther-Thema „Ein feste Burg“ vorgegeben wird. Das Orchester zeigte bei dem sich stetig steigernden Choral Höchstleistung, riss mit einem gewaltigen Schluss die Zuhörer von den Sitzen.

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