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20.02.2015

Ein Meilenstein auf dem Weg zum Beruf

An der Tafel lässt Johanna Schaufler (links) Khalid und seine Klassenkameraden Verben deklinieren.
Bild: Daniela Hollrotter

Unbegleitete Minderjährige lernen Deutsch

Khalid kennt sich aus. Weder Präpositionen wie „auf“, „unter“ und „neben“ noch die erste Vergangenheit machen ihm Probleme. Nur mit „zum“ und „zur“ steht er noch auf Kriegsfuß. „Sie machen schnell Fortschritte“, freut sich Lehrerin Johanna Schaufler über den Eifer der Unbegleiteten Minderjährigen, die vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat geflohen sind. Seit einem guten Vierteljahr genießen sie nun den Deutschunterricht in der Schlossbergschule, und selbst die Analphabeten unter ihnen beherrschen mittlerweile Lesen, Rechnen und Schreiben.

Für dieses Mal hat Johanna Schaufler Verben mitgebracht, die den Jugendlichen noch schwerfallen: dürfen, müssen, können, wollen und sollen werden an der Tafel dekliniert. Die Buben helfen sich gegenseitig, wenn etwa bei „er darft“ ein „t“ zu viel ist, grinsen sich an, freuen sich über den Erfolg der Kameraden. Das Schwierigste war anfangs die Schulstruktur, sagt Johanna Schaufler. Viele der unbegleiteten Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und anderen krisengeschüttelten Ländern hätten nie eine Schule besucht, kannten die Situation „ein Lehrer – viele Schüler“ nicht, wollten Schaufler ganz für sich alleine. Doch mittlerweile sei es ruhig geworden im Klassenzimmer, arbeiten die neun Jugendlichen in der fortgeschrittenen Gruppe konzentriert an den Aufgaben zur komplizierten deutschen Grammatik.

Im Klassenzimmer nebenan beschäftigen sich 13 schwächere Schüler gemeinsam mit den Sozialpädagogen Eva Jung und Markus Wierl damit, wie man jemanden in kurzen Sätzen vorstellt. Ganz nebenbei lernen sie das Wort „Faulpelz“, das ihnen großen Spaß macht und kein bisschen auf sie zutrifft. Denn einige von ihnen waren Analphabeten und haben in kürzester Zeit Deutsch schreiben und lesen gelernt.

„Sie sind motiviert“, strahlt Eva Jung und berichtet, dass viele abends mit dem Deutschbuch in der Hand einschlafen. Eine gewisse Ausdauer ist nötig, schließlich lernen die Jugendlichen nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die hier geltenden Regeln, Werte und Gepflogenheiten. Ein paar von ihnen, wie der 14-jährige Harrison aus dem Senegal, dürfen deshalb schon stundenweise eine Regelklasse in der Schlossbergschule besuchen. „Dort ist ein toller Klassenlehrer, die Jugendlichen sind gut integriert“, freut sich Schaufler. Überhaupt unterstütze die Schule die Minderjährigen, „wo es nur geht“.

Die Lehrerin übt mit ihren Schützlingen für den Einstufungstest, mit dem die Berufsschuleignung der unbegleiteten Minderjährigen eingeschätzt werden soll. Schaufler mahnt sie, deutlich zu schreiben. Schließlich wäre bei Bestehen des Tests ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu den angestrebten Berufsausbildungen geschafft. Dann könnten die Jugendlichen zumindest an zwei Tagen die Berufsschule besuchen – und ansonsten weiterhin in der Schlossbergschule Deutsch lernen. (lt)

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