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Asyl

20.08.2015

Ein Missverständnis mit Folgen

Woher haben Asylbewerber das Geld, sich teure Handys zu leisten? Die Frage hören die Mitarbeiter des Roten Kreuzes Landsberg immer wieder. 

Flüchtlinge halten via Handy und Internet Kontakt zu ihren Familien. Das hat auch Tücken.

Woher haben die denn das Geld, sich teure Handys zu leisten? Sätze wie diesen hören die Mitarbeiter des Roten Kreuzes Landsberg immer wieder. Und aus ihnen klinge nicht selten Unverständnis, wenn nicht gar mehr. Dabei sei es im Grunde genommen ganz einfach, wie das Rote Kreuz jetzt mitteilt. Asylbewerber erhalten monatlich einen bestimmten Betrag an Geld, von dem sie sich Essen kaufen, sich einkleiden und von dem sie Dinge des täglichen Lebens bestreiten müssen. Gesetzlich genauestens geregelt sei das alles durch das Asylbewerberleistungsgesetz.

Zum täglichen Leben gehört es heutzutage wie selbstverständlich, ein Handy zu besitzen. Die meisten, vor allem junge Menschen, haben mittlerweile ein Smartphone. Für Asylbewerber ist es in der Regel die einzige Möglichkeit, Kontakt zu ihren Familien zu halten, sei es in Syrien, Afghanistan oder Somalia und Eritrea. Gleichzeitig können sie ihren Familien mitteilen, wie es ihnen in Deutschland geht.

Das Rote Kreuz nennt Mohammed als Beispiel. Vor Kurzem habe er erfahren, dass sein Cousin und ein Onkel von Taliban in der Nähe von Kabul erschossen worden sind. Er selbst sei seit einem Jahr am Lech, besucht die Berufsschule und spricht schon ziemlich gut Deutsch. Darüber berichtet er seiner Familie. Auch darüber, dass er demnächst ein Praktikum machen wird. Mit viel Glück findet er irgendwann einmal einen Job. Dass er an sein Smartphone kurz nach seiner Ankunft in Deutschland nur durch einen überteuerten Vertrag gekommen ist, das verschweigt er lieber. Er schämt sich für seine Naivität.

„Asylbewerber können am Anfang die Verträge nicht lesen und wissen nicht, was sie unterschreiben“, sagt Marianne Asam vom Roten Kreuz Landsberg. Die Asylbetreuer würden dann versuchen, zu retten, was zu retten ist. In der Praxis bedeute das, halbwegs erträgliche Ratenzahlungen zu vereinbaren. „Es ist leider so, wenn auch nicht Regel, dass manche richtig über den Tisch gezogen worden sind“, sagt Marianne Asam.

Eine andere Art, mit Familie, Freunden und Bekannten zu kommunizieren, ist das Internet. Anfang November hat der Kreisausschuss entschieden, in allen Asylbewerberunterkünften einen Internetanschluss bereitzustellen. Weil es mittlerweile deutlich mehr Unterkünfte gibt, steigen die Kosten dafür auf rund 50000 Euro. Pro Wohneinheit würden Kosten in Höhe von über 400 Euro anfallen, hinzu kämen laufende Kosten. Ende Juli wurde daher zunächst nur beschlossen, in den abgelegenen Unterkünften in Bischofsried und Obermühlhausen mittels SkyDLS die Voraussetzungen für einen Internetanschluss zu schaffen. Im Herbst soll im Kreisausschuss nun geklärt werden, wie die Asylbewerber das Internet nutzen können. Denn grundsätzlich hafte der Anschlussinhaber, also der Landkreis, für Rechtsverletzungen im Internet, teilte die Verwaltung mit. Um das Haftungsrisiko zu minimieren ist denkbar, Kennworte zu vergeben und die Asylsuchenden eine Haftungserklärung unterschreiben zu lassen.

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